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17.12.2020Pressemitteilung

Netzleitstellen der Zukunft

Duisburg, Düsseldorf und Köln rücken noch enger zusammen

Schon seit 2013 kooperieren die drei Netzbetreiber aus Duisburg, Düsseldorf und Köln, nun erreichen sie einen herausragenden Meilenstein: Mit der Vereinheitlichung der Betriebssoftware ihrer Netzleitwarten ebnen sie nicht nur den Weg zu einer engeren Zusammenarbeit im Bereich der Netzführung und Netzsteuerung – sie eröffnen dadurch Entwicklungspotenziale von besonderer strategischer und finanzieller Bedeutung. „Die Zusammenarbeit hat mittlerweile eine Qualität und ein Vertrauen erreicht, dass in Zukunft noch Vieles daraus erwachsen wird“, sagen die drei Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaften. Das gemeinsame neue Netzwarten-System wird unter dem Titel „Rheinschiene Ready“ im Frühjahr 2021 in den Testbetrieb genommen. Mit einem nächsten Entwicklungsschritt „Rheinschiene Complete“ können die Leitstellen über eine sichere Datenleitung miteinander verbunden werden. Durch diese digitale Verzahnung steigt die Versorgungssicherheit – nicht zuletzt deshalb, weil die so ausgerüsteten Leitwarten sich gegenseitig in Notfällen unterstützen könnten und Leitstellenpersonal der jeweiligen Unternehmen auch andernorts seine Aufgaben wahrnehmen könnte.

Netzleitstellen sind das Herzstück der Energieinfrastruktur. Von dort aus werden die Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmenetze gesteuert. Hochspezialisierte Mitarbeiter überwachen alle Prozesse und greifen ein, wenn es zu Unregelmäßigkeiten kommt. Mit der Vereinheitlichung der Software, die in den Netzleitstellen zum Einsatz kommt, gehen die Netzgesellschaften von Duisburg und Düsseldorf mit deren Muttergesellschaften Stadtwerke Duisburg und Stadtwerke Düsseldorf sowie die Rhein-Energie einen weiteren konsequenten Schritt in die Zukunft.

Ziel ist, den Leitstellenbetrieb langfristig abzusichern und zudem flexibler und effizienter zu gestalten. Dies gelingt etwa, wenn die Leitstellen über eine sichere Datenleitung miteinander verbunden sind, denn dann können die drei Netzleitstellen in Duisburg, Düsseldorf und Köln jeweils gegenseitig als Ersatzleitstelle einspringen. Personal der jeweiligen Gesellschaften könnte dann vor Ort auch in den Leitstellen der anderen Unternehmen die Netzführungsaufgaben für den eigenen Bereich übernehmen.

„Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die technischen Möglichkeiten unserer Zeit“, sagt Dr. Udo Brockmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf. Er ergänzt: „Digitalisierung und Vernetzung eröffnen den Netzgesellschaften ein erhebliches Entwicklungspotenzial, das sowohl mit Blick auf die unternehmerischen Anforderungen als auch auf die Bedürfnisse unseres Umfeldes sehr großen Wert hat – man denke etwa die Anforderungen wachsender Städte an die urbanen Infrastrukturen oder die Klimaschutzziele.“ Und er ergänzt: „Erst unsere regionale Kooperation ermöglicht es, die Potenziale der Digitalisierung weitreichend zu nutzen – auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Wir werden zukünftig viel Geld in unsere Verteilnetze stecken müssen, um sie für die Energie-wende zu ertüchtigen. Da kommen Kostensynergien durch Kooperationen gerade recht.“

Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie mit Sitz in Köln, erläutert den übergeordneten Rahmen der engen Kooperation, die unter dem Arbeitstitel „RheinSchiene“ zwischen den Unternehmen aus Duisburg, Düsseldorf und Köln schon seit dem Jahr 2013 besteht: „Mit der Rhein-Schiene setzen wir bereits heute Impulse für die Weiterentwicklung der Unternehmen wie auch der technischen Anlagen. Regionale Kooperation ist der Schlüssel zur Bewältigung der Zukunftstaufgaben – allem voran die Gewährleistung einer umfassenden Versorgungssicherheit, denn davon hängt unser aller Wohlergehen in einem hochindustrialisierten Land ab. Die Arbeitsfelder sind über die technische Verzahnung hinaus breit gefächert: unter anderem gegenseitige Unterstützung in Krisensituationen und bei Engpässen, Standardisierung der jeweiligen Arbeitsprozesse, Regulierungsma-nagement, Netzstrategie sowie Arbeitssicherheit und Umgang mit Gefahrstoffen.“

„Ein wichtiges Ziel ist auch die Nutzung von Synergie-Effekten in der Materialwirtschaft“, betont Dr. Steinkamp. Beispiel Einkauf: Im Fokus stehen teure Materialien. Die drei Partner arbeiten an einer Vereinheitlichung ihrer Planungsrichtlinien und Bauarten, um das gleiche Material bestellen und so Mengenrabatte erzielen zu können. „Erste Erfolge haben wir bereits erreichen können.“ Beispiel so genannte „Stör-Reserven“: Eine Vereinbarung regelt, welche Netzgesellschaft welche Teile oder Spezialgeräte vorhält und im Bedarfsfall an die Partner ausleiht. „Die Harmonisierung der Software in den Netzleitstellen ist nun der nächste logische Schritt, weil die Kosten für die Anschaffung und Wartung des Systems geteilt werden können“, erläutert Dr. Steinkamp.

Die Kooperation betrifft im Übrigen nicht nur die jeweiligen Netzgesellschaften, sondern zieht sich auch quer durch die Muttergesellschaften – und zwar schon seit Jahrzehnten: „Erste Ideen für eine Zusammenarbeit gab es bereits in den 70er Jahren“, sagt Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Duisburg. „Netzbetrieb ist aufwändig und mit hohen Kosten sowie Investitionen verbunden. Insbesondere seit der Regulierung der Netzentgelte sind die Unternehmen gefordert, ihre Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. So haben wir die Idee schließlich wieder aufgegriffen und uns vorgenommen, Möglichkeiten und Modelle zur Kooperation zu prüfen.“

Die Unternehmen begegnen mit dem Projekt RheinSchiene auch dem zunehmenden Fachkräftemangel. Wittig: „In Zeiten, in denen hochspezialisierte Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt immer schwieriger zu bekommen sind, zumal für einen 24/7-Schichtbetrieb, schafft ein vernetztes und flexibles System wichtige Spielräume, um einen sicheren Betrieb dauerhaft zu gewährleisten.“ Insgesamt bilanziert Marcus Wittig: „Das Projekt RheinSchiene – mit all seinen Anforderungen im Bereich der Technik, der Prozesse und der Einbindung der Mitarbeiter – hat Vorbildcharakter dafür, wie Kooperationen von Netzbetreibern gelingen können.“

Rheinschiene: Dr. Udo Brockmeier, Markus Wittig und Dr. Dieter Steinkamp (v.l.)
v.l.: Dr. Udo Brockmeier, Markus Wittig und Dr. Dieter Steinkamp