InnovationsKraft

Coworking ist das neue Frozen Yogurt

In Düsseldorf Derendorf entsteht Super(7000) – die Mutter aller Coworking Spaces

Das könnten Ihre neuen Kollegen werden. Von links nach rechts: Axel Ganz (Vorsitzender von GarageLab e. V.), Oliver Vaupel (Düsseldorfs erster Coworker), Silke Roggermann (Geschäftsführerin und Sängerin), Fabio Ziemßen (Start-up-Helfer und FoodLab-Gründer), Markus Lezaun (Geschäftsführer und Scherzkeks).

Sie lieben Ihren Nine-to-five-Job? Und können sich nichts Schöneres vorstellen, als täglich ins Großraumbüro zu gehen? Bis zur Rente? Dann lesen Sie diesen Artikel nicht! Allen anderen empfehlen wir einen Abstecher ins neue Super(7000). Dem vielleicht kreativsten, innovativsten und verrücktesten Coworking Hotspot, der derzeit in Düsseldorf Derendorf entsteht.

Schon an der Tür des siebenstöckigen Haupthauses fühlt man sich willkommen. Sie steht nämlich offen. „Falls die Klingel nicht geht: Tür ist eh offen“, ist unter einem aufgeklebten Papierklingelschild zu lesen. Folgt man der Einladung in die zweite Etage und inhaliert drei Züge der von den Gipserarbeiten noch staubigen Luft, bekommt man sofort Lust, seinen 08/15-Job an einen der hier rumliegenden Nägel zu hängen und die Selbstverwirklichung zu proben. Umso mehr, je länger man Silke Roggermann, Markus Lezaun, Oliver Vaupel, Axel Ganz, Fabio Ziemßen und Philipp Bilke zuhört. Wenn sie über das reden, was sie hier in kürzester Zeit auf die Beine stellen wollen: Sie nennen es die Mutter aller Coworking Spaces und haben es Super(7000) getauft.

7.000 Quadratmeter Spielwiese

Der Name ist Programm: 7.000 Quadratmeter eines alten Hinterhofareals zwischen Rather Straße und Bahntrasse sollen Stück für Stück, das heißt Stock für Stock, zu einem kreativen Ort der Zusammenarbeit umgebaut werden. Coworking heißt der globale Megatrend unter den Arbeitsnomaden der Großstadt. Seit einigen Jahren hat er auch Düsseldorf infiziert. Coworking meint das offene Zusammenarbeiten unterschiedlicher Menschen, Berufe und Talente an einem gemeinsamen Ort, dem Coworking Space. „Die wenigsten Sachen kriegst du heute noch als Einzelkämpfer gelöst“, erklärt Mitgründer Markus Lezaun. „Im Coworking Space triffst du die fehlenden Glieder der Kette.“ Leckerer ausgedrückt: „Coworking ist das neue Frozen Joghurt!“

Davon kosten kann seit Februar 2017 jeder, der möchte: Freelancer, Start-ups, Agenturen, Studenten, Künstler, Hobbybastler. Namhafte Newcomer haben sich bereits im Super(7000) einquartiert, darunter das Immobilienportal Salz & Brot, das provisionsfreie Wohnungen vermittelt sowie ein großes Food-Unternehmen. Auch Global Player wie Coca Cola oder Adidas schätzen die kollaborative Atmosphäre und mieten kleinere Projektteams immer öfter in Coworking Spaces ein. „Weil man hier besser auf neue Ideen kommt als im Großraumbüro“, weiß Lezaun. Und weil es hier günstiger ist: „Ein junges Start-up sagt nicht: Wir mieten uns jetzt mal ein Büro im Kö-Karree und binden uns für fünf Jahre.“ Im Super(7000) kann man schon ab 100 Euro im Monat mit eigenem Arbeitsplatz mitmischen.

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„Nur wenn sich die Ärsche reiben, entsteht Energie.“
Markus Lezaun, Geschäftsführer Super(7000)

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Haus des offenen Tors

Das Eingangsprinzip der offenen Tür setzt sich nahtlos im Innenraum fort. Diesmal in Form von offenen Toren. Die Büroeinheiten und Konferenzräume sind durch echte Garagentore voneinander getrennt. Wobei nahtlos nicht ganz richtig ist: Jedes neue Tor wurde aus zwei alten Toren zusammengeschweißt, um es auf Loftgröße zu bringen. Die Tore sorgen für ein „Hineindiffundieren in die Fläche“, sagt Markus Lezaun. Wer des Hineindiffundierens überdrüssig wird, zieht einfach sein Schwingtor zu oder rettet sich in eine der schallisolierten Telefonkabinen, um drei Stunden ungestört mit seinem Hauptkunden in den USA zu telefonieren. Nach dem Serious Business kann man sich dann auf einer Schaukel wieder locker machen, die hier über einer sattgrünen Fläche Kunstrasen schwingen wird. „Letztlich sind wir alle sehr kindisch“, kommentiert Lezaun die frisch „gepflanzte“ Spielwiese.

Willkommen in der Kreativgarage: Originaltore der alten GarageBilk dienen als Raumteiler im neuen Super(7000). „Ein Tor für jeden Tor“, sagt Markus Lezaun und freut sich auf neue Mieter und Spielkameraden

Willkommen in der Kreativgarage: Originaltore der alten GarageBilk dienen als Raumteiler im neuen Super(7000). „Ein Tor für jeden Tor“, sagt Markus Lezaun und freut sich auf neue Mieter und Spielkameraden.

Architektur-Sampling im Geist der Garage

Die Garagentore sind keine fixe Idee, sondern ein Konzept von Philipp Bilke und Micky Damm vom Baukunstkollektiv N222. „Architektur-Sampling“ nennen es die beiden Baukünstler, die zusammen mit dem Düsseldorfer Architekten Karl-Heinz Petzinka für den Umbau des Areals verantwortlich zeichnen. „Dabei geht es darum, den Geist eines Ortes aufzuspüren und weiterzubauen“, sagt Bilke. Oder einem heimatvertriebenen Geist eine neue Wirkstätte zu geben. Die Tore stammen nämlich allesamt aus der GarageBilk, einem der ersten Coworking Spaces in Deutschland, den Markus Lezaun und Oliver Vaupel vor sechs Jahren mit begründeten. In diesen Jahren wuchs das „Silicon Valley von Düsseldorf“ (Rheinische Post) von 100 auf 1.000 Quadratmeter. Bis ein Großinvestor kam und die Abrissbirne schwang. „Der Düsseldorfer Weg“, sagt Lezaun: „Fünf Bulldozer walzen alles platt und ein Querriegel mit Townhouses wird draufgesetzt.“ Im Super(7000) darf der Geist der Garage weiterspuken und sich versiebenfachen.

Andernorts probt er sogar die Vervierunddreißigfachung: im neuen Factory Campus auf der Erkrather Straße 410 in Düsseldorf Lierenfeld, der mit 34.000 Quadratmetern ebenfalls die Nachfolge der GarageBilk antritt. „Das ist echt riesig“, gesteht Oliver Vaupel, der sich als „Düsseldorfs erster Coworker“ outet. Das Super(7000) hingegen sei zwar „groß genug, um sich zu entfalten, aber klein genug, um sich auf vielerlei Wegen zu begegnen“. „Wir sind kein Melting Pot, sondern eine Salad Bowl“, ergänzt Lezaun. Denn „nur wenn sich die Ärsche reiben, entsteht Energie“.

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„Mein unheilbares Helfersyndrom sagte mir: Ich muss diese Leute miteinander vernetzen.“
Silke Roggermann, Geschäftsführerin Super(7000)

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„Du musst schon Idealist sein für so was“: Silke Roggermann betreibt seit 2014 das Gewächshaus auf der Mindener Straße und übernimmt die Co-Geschäftsführung im neuen Super(7000). Schuld daran ist ihr „unheilbares Helfersyndrom“.

„Du musst schon Idealist sein für so was“: Silke Roggermann betreibt seit 2014 das Gewächshaus auf der Mindener Straße und übernimmt die Co-Geschäftsführung im neuen Super(7000). Schuld daran ist ihr „unheilbares Helfersyndrom“.

Mädchen für alles: Silke Roggermann

Ein Funke dieser Energie sprang schon früh auf Silke Roggermann über, die zusammen mit Markus Lezaun die Geschäftsführung im Super(7000) übernimmt. „Anfang 2016 kam Markus auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mitmischen möchte. Ich hab sofort Ja gesagt.“ Im Coworking sieht auch sie die Zukunft des Arbeitens. Aufmerksam wurde sie auf den Trend, als sie 2008 die „Flinger Botschaft“ eröffnete, schräg gegenüber vom Café Hüftgold. Dort sah sie, dass immer mehr junge Menschen zwischen Milchkaffee und Möhrenkuchen ihre Laptops aufklappten und arbeiteten. Ein „unheilbares Helfersyndrom“ raunte ihr zu: „Ich muss diese Leute miteinander vernetzen!“ Sie streckte ihre Fühler nach Gleichgesinnten aus und traf in der GarageBilk auf Lezaun & Co. Angefixt vom Garagengeist gründete sie im Juli 2014 das Gewächshaus auf der Mindener Straße 30 als zweiten Coworking Space in Düsseldorf. „Dort bin ich Aufsichtsratsvorsitzende, Betriebsleiterin, Pressesprecherin, Frauenbeauftragte und Azubi in einer Person.“ Oder wie sie es in ihrer durch langjährige Marketingerfahrung glatt geschliffenen Sprache ausdrückt: „Eier legende Wollmilchsau“. Als solche sitzt sie noch im Vorstand der German Coworking Federation und des Digital Innovation Hub Düsseldorf/Rheinland. Wenn sie nicht gerade als Sängerin des Duos Bald’n’Blond auf der Bühne steht. Eine Multitaskerin also mit vielen Fähigkeiten und „viel Herzblut“, das sie bis zum vorletzten Tropfen in das neue Projekt fließen lassen will.

Die „Heißklebepistolen“ der Zukunft: Neben dem Modell Prusa-Mendel, dem Opa der 3-D-Drucker (Lezaun), steht der neue Ultimaker. Demnächst sollen im FabLab Spezial-3-D-Drucker der Uni München ans Werk gehen, mit denen man Möbel oder Komponenten für Blockheizkraftwerke ausdrucken kann.

Die „Heißklebepistolen“ der Zukunft: Neben dem Modell Prusa-Mendel, dem Opa der 3-D-Drucker (Lezaun), steht der neue Ultimaker. Demnächst sollen im FabLab Spezial-3-D-Drucker der Uni München ans Werk gehen, mit denen man Möbel oder Komponenten für Blockheizkraftwerke ausdrucken kann.

FabLab und FoodLab

Genauso wie Axel Ganz und Fabio Ziemßen, die hier in Kürze ein FabLab und ein FoodLab aufbauen werden. Im FabLab sollen Tüftler, Bastler und Träumer ihre „Ideen selbst in die Hand nehmen können“, erläutert Axel Ganz, Vorsitzender von GarageLab e. V. „Dazu stellen wir ihnen modernste analoge und digitale Produktionsmittel zur Verfügung, zum Beispiel 3-D-Drucker, Tischlerwerkzeuge, Metallverarbeitungsmaschinen oder Keramikbrennöfen.“ Im FoodLab können Hobbyköche und Food-Start-ups das Gleiche mit Nahrung machen: „Das FoodLab wird eine Experimentierküche für die Prototypenherstellung einschließen, die mit modernster Multimediatechnik ausgestattet ist, zum Beispiel um Koch-Events live auf YouTube zu streamen“, erläutert Fabio Ziemßen. Der erfahrene E-Food-Blogger und Event-Speaker ist Vorstandmitglied der Düsseldorfer Gründerinitiative StartupDorf e. V., die eng mit dem Super(7000) zusammenarbeitet. Regelmäßige Veranstaltungen wie Repair Café, Open FabLab sowie Food-Startup-Meetups bringen Menschen und Ideen bei Bier und Brezeln oder Wurst und Wein zusammen.

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„Hier wird immer Bewegung sein. Langeweile ist der Tod!“
Markus Lezaun

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„Hier findet seit den 70er-Jahren Subkultur statt. Und das soll auch so bleiben“: Die Transformation des alten Gebäudekomplexes zum modernen Coworking Space übernimmt der bekannte Düsseldorfer Architekt Karl-Heinz Petzinka zusammen mit seinen ehemaligen Meisterschülern Philipp Bilke und Micky Damm vom Baukunstkollektiv N222

„Hier findet seit den 70er-Jahren Subkultur statt. Und das soll auch so bleiben“: Die Transformation des alten Gebäudekomplexes zum modernen Coworking Space übernimmt der bekannte Düsseldorfer Architekt Karl-Heinz Petzinka zusammen mit seinen ehemaligen Meisterschülern Philipp Bilke und Micky Damm vom Baukunstkollektiv N222.

Fortschritt im Hinterhof

Und das ist nur der Anfang. Hinter dem siebenstöckigen Haupthaus wartet ein mit kunstvollen Graffitis übersätes Hinterhofareal darauf, dass seine Geschichte „weitergebaut“ wird. Darunter zahlreiche Bandproberäume und zwei alternative Clubs. „Normalerweise werden die Bands rausgeschmissen, wenn ein Investor kommt“, sagt Lezaun, „die Investorengruppe, die von Calle Petzinka angeführt wird, denkt anders: Die wollen Kreativität, deswegen legen wir den Bands erst mal ein Highspeed-Internetkabel in den Proberaum – mal gucken, was passiert.“ Der Hinterhof sei „ein urbaner Raum, der selten geworden ist“, sagt Philipp Bilke. „Wir wollen ihn nicht konservieren, sondern transformieren und so seinen Charakter am Leben erhalten.“ Tagsüber also: Coworking, Cothinking und Cocooking. Abends: Codrinking, Coclubbing und Co-was-auch-immer. Denn hier soll jeder machen können, was er will. „Wir haben keinen Masterplan. Und wir haben auch nicht vor, einen zu schreiben“, schließt Lezaun: „Sonst wird es sofort langweilig. Und Langeweile ist der Tod!“

Auferstanden aus Ruinen: In einem skurril-verstrahlten Animationsspot werben die Macher des Super(7000) für ihr Monsterprojekt. Den Spot hat Markus Lezaun mit seiner Digitalagentur Blanko produziert. Budget: ein Kasten Bier und ’ne Pizza!

Auferstanden aus Ruinen: In einem skurril-verstrahlten Animationsspot werben die Macher des Super(7000) für ihr Monsterprojekt. Den Spot hat Markus Lezaun mit seiner Digitalagentur Blanko produziert. Budget: ein Kasten Bier und ’ne Pizza! Unter http://super7000.de/ geht’s zum Film.

Sie lieben Ihren Nine-to-five-Job nicht mehr so sehr? Und können sich etwas Schöneres vorstellen, als täglich bis zur Rente ins Großraumbüro zu gehen? Dann sind Sie im neuen Super(7000) genau richtig!

Sie möchten Mitglied, Unterstützer oder Teilhaber von Super(7000) werden? Unter super7000.de können Sie sich anmelden!

Weitere Coworking Spaces in Düsseldorf:

Gewächshaus Düsseldorf

360 m² voller Möglichkeiten für Start-ups, Freiberufler und Selbstständige. Heute auf der Mindener Straße 30, demnächst mit zweitem Standbein im Super(7000). www.gewaechshaus-duesseldorf.de

Schnelle Hilfe für Start-ups:

StartupDorf

Das unternehmergeführte Netzwerk bietet Start-ups kompetente Unterstützung. Beim monatlich stattfindenden Gründerstammtisch können Firmengründer und Erfinder ihre Ideen und Erfolgsgeschichten einem interessierten Publikum präsentieren. www.startupdorf.de

Digihub

Im Digital Innovation Hub Düsseldorf/Rheinland treffen sich Start-ups, Hochschulen und Industrie, um gemeinsam die digitale Zukunft zu gestalten. Der Hub dient als Drehscheibe für unterschiedliche Digitalakteure und setzt Impulse für die Mobilisierung der digitalen Wirtschaft in NRW. www.digihub.de

Hilfe zur Selbsthilfe:

GarageLab e. V.

Das GarageLab e. V. im Super(7000) bietet Tüftlern, Bastlern und Künstlern die Möglichkeit, ihre Ideen eigenhändig umzusetzen. Auf monatlichen Veranstaltungen wie Repair Café und Open FabLab werden kaputte Elektrogeräte repariert oder neue Ideen präsentiert. Aktuelle Termine finden Sie hier: garage-lab.de/veranstaltungen

Sie interessieren sich für Coworking Spaces?

Ein weiteres Coworking-Projekt, das aus der ehemaligen GarageBilk entstanden ist, ist das Factory Campus. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel: Arbeitsplatz in neu – Factory Campus.