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Die Kiefernstraße in Düsseldorf: Geschichte und Gegenwart einer berühmten Straße

Bunt und geschichtsträchtig – die Kiefernstraße im Stadtbezirk 2.

Graffiti an einer Hauswand an der Kiefernstraße in Düsseldorf © herbert2512 via Pixabay

Mitten in Flingern-Süd liegt die Kiefernstraße – bekannt für ihre lebendige Alternativkultur und beeindruckenden Graffiti-Kunstwerke. Während die Fassaden der Häuser als Leinwand für Künstler:innen dienen, birgt die Kiefernstraße selbst eine mindestens genauso bunte Historie. Wir werfen einen Blick in die Vergangenheit und erklären, warum sie beinahe einer Gewerbefläche hätte weichen müssen.

Ein Rückblick auf die Geschichte der Kiefernstraße – von 1902 bis heute

Die Kiefernstraße in Düsseldorf hat eine bewegende Geschichte geschrieben. Die Historie führt zurück in die 1900er-Jahre und verdeutlicht, dass die Kiefernstraße schon immer ein besonderes Fleckchen der Landeshauptstadt war. Werfen Sie gemeinsam mit uns einen Blick in die Vergangenheit:

Vor 1902 hieß die Kiefernstraße noch Ruhrtalstraße und lag inmitten eines großen Schwerindustriegebiets, in dem vorwiegend Stahl hergestellt wurde. Damals waren in einem solchen Arbeiterbezirk mehrere Zehntausend Menschen beschäftigt. Sie mussten teils weite Wege zurücklegen, um von ihren Wohnungen zu ihren Arbeitsplätzen auf den Fabrikanlagen zu gelangen.

Zwischen 1905 und 1910 errichteten die Klöckner-Werke daher für die Angestellten der umliegenden Stahlwerke Arbeiterwohnungen in der Kiefernstraße. Der Betreiber einer benachbarten Kesselschmiede engagierte ein Architekturbüro, das Musterwohnungen in der Kiefernstraße errichtete: ein 15-Quadratmeter-Zimmer, eine Wohnküche sowie ein separater Abort – also eine Toilette außerhalb der Wohnung, die sich meist in den Treppenhäusern auf halber Höhe zwischen den Etagen befand. Die Bewohner:innen teilten sich das stille Örtchen, denn richtige Badezimmer gab es damals nicht. Diese Art des Wohnungsbaus war für damalige Verhältnisse neu.

Die 80er: Unruhe macht sich in der Kiefernstraße breit

Im Jahr 1975 schlossen die Klöckner-Werke, und die Wohnungen der Kiefernstraße gingen in den Besitz der Stadt Düsseldorf über. In den 1980er-Jahren machte die Kiefernstraße dann vermehrt Schlagzeilen aufgrund von Hausbesetzungen. Die Aktivist:innen demonstrierten gegen den vorherrschenden Wohnungsleerstand auf der Kiefernstraße und gegen den Abriss der Gebäude. Die Menschen besetzten die Wohnungen zunächst illegal und renovierten sie in Eigenleistung, um selbst darin zu wohnen. Auch in anderen Stadtteilen wie Bilk und Benrath besetzten die Aktivist:innen leerstehende Häuser. Die Situation auf der Kiefernstraße spitzte sich durch Räumungen, Besetzungen und Demonstrationen immer weiter zu. Leidtragende war dadurch vor allem auch die Kiefernstraße selbst, die zusehends verfiel und herunterkam. Im Sommer 1981 dann eine Entscheidung: Die ersten 60 Düsseldorfer:innen durften mit offiziellem Vertrag in Wohnungen der Kiefernstraße einziehen. Doch nur ein Jahr später gab der Stadtrat die Abrisspläne für die umkämpften Häuser bekannt. Statt der Wohnungen sollte ein Gewerbegebiet entstehen. Die Aktivist:innen begannen daraufhin erneut, sämtliche Wohnungen zu besetzen. Sie bauten teilweise sogar Bäder in Wohnungen ein, in denen zuvor keine vorhanden waren.

Mehrere Hundert Menschen besiedelten in den 80er-Jahren die Kiefernstraße und prägten ihre multikulturelle Gemeinschaft. Im Jahr 1984 fanden in Düsseldorf Kommunalwahlen statt, deren Ausgang eine Wende in der Geschichte der Kiefernstraße einleiteten. Die damalige Bezirksvertretung 2 verwarf den Abrissbeschluss und forderte stattdessen die Sanierung der Häuser. 1988 wurden die Mietverträge der Bewohner:innen der Kiefernstraße schließlich von den Behörden anerkannt. Aus den Besetzer:innen wurden legale Mieter:innen.

Das Fahrrad eines Postboten steht vor einer Hauswand auf der Kiefernstraße in Düsseldorf.
Heute wohnen Hunderte Menschen glücklich auf der bunten Kiefernstraße – doch bis hierhin war es ein langer Weg. © herbert2512 via Pixabay

Die Kiefernstraße heute: Kunst, Kultur und vieles mehr

Heute ist die Kiefernstraße selbst zu einem Symbol für Vielfalt und Kreativität geworden und dient als Ort der Gemeinschaft und des sozialen Miteinanders, in dem über die Jahre viele künstlerische Projekte entstanden sind. Die Straße, die damals Schlagzeilen aufgrund der Besetzungen machte, ist mittlerweile hauptsächlich für die bunten Fassaden bekannt. 2003 initiierte das Kulturbüro Kiefernstraße erstmals die Bemalung der Häuser. Daraufhin folgten durch unterschiedliche Projekte immer mehr Kunstwerke in Form von Urban Street-Art . Inzwischen gilt die Kiefernstraße als Herzstück der Düsseldorfer Street Art-Szene. Auf den Häuserfassaden haben sich namhafte Künstler:innen wie Daniel Mac Lloyd verewigt.

Die rund 800 Bewohner:innen der Straße verstehen sich laut ihrer eigenen Website Kiefern.org als Dorfgemeinschaft, die zusammenhält, und in der zwischenzeitlich bis zu 45 unterschiedliche Nationen mit verschiedenen Religionen aufeinandertrafen. Die Straße im Herzen der Landeshauptstadt bietet einen (wortwörtlich) bunten Kontrast zu bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Königsallee und dem Medienhafen. Zwischen den Hausnummern 1 und 37 befinden sich Begegnungsorte wie die Kunstgalerie K4 Kulturbureau , in der neben Ausstellungen auch Konzerte und andere Events stattfinden, sowie das AK47 – eine Bar, in der regelmäßig Livemusik gespielt wird.

Aufnahme einer Hauswand der Kiefernstraße samt Street-Art
Wer die Kiefernstraße entlang spaziert, kann etliche Kunstwerke bestaunen. © herbert2512 via Pixabay

An der Mentalität der Bewohner:innen änderte sich in all den Jahren kaum etwas – auch heute setzen Sie sich dafür ein, dass ihre Kiefernstraße und die direkte Umgebung das bleiben, was sie schon immer waren: ein Ort der Begegnung, des künstlerischen Ausdrucks und des Zusammenhalts. So protestierten die Anwohner:innen beispielsweise gegen einen Bauplan, der die Errichtung eines Hotels auf einer angrenzenden Baufläche vorsah. Stattdessen entsteht auf der Fläche von ca. 6.100 Quadratmetern nun das Cube Central 378 – ein neues Stadtquartier, das sich insbesondere durch die Unterbringung von Ateliers und sozial geförderten Wohnungen perfekt in die Nachbarschaft der Kiefernstraße integriert.

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