HeimatLiebe

Der Thrill hinter verschlossener Tür

Gemeinsam Rätsel lösen in Escape Rooms

Ungnädig: Die Sanduhr läuft, während die Spieler versuchen, die Rätsel zu lösen und dem Raum zu entkommen

Immer mehr Rätselfreunde lassen sich freiwillig einsperren. Das hat allerdings nichts mit Masochismus zu tun, sondern ist eine neue Form der Freizeitgestaltung. Die nennt sich Escape Rooms und richtet sich an alle die, die gerne einmal gemeinsam mit Freunden oder Kollegen die sprichwörtlich harte Nuss knacken wollen. Was sich genau dahinter verbirgt, erfahren Sie hier.

Die Nacht hat sich über das herrschaftliche Haus gelegt. Alle Zimmer sind dunkel, bis auf das im Erdgeschoss. Es ist das Arbeitszimmer. Spärlich beleuchtet ist ein mit Geschäftspapieren beladener Sekretär zu erkennen. Direkt daneben, unter einer Büste des Gründers der Dynastie, steht ein gewaltiger Tresor. Ein Schlüssel steckt, aber ohne die richtige Kombination wird der Tresor seine Geheimnisse nicht preisgeben. Wie aus dem Nichts legt sich eine Hand auf das Zahlenrad, dreht es nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links. Spannung liegt in der Luft, doch nichts geschieht. Die sieben Personen, die vor dem Safe stehen, schütteln den Kopf. Schon wieder der falschen Fährte gefolgt.

Was im ersten Moment anmutet wie die Szene aus einem Krimi, ist tatsächlich das, was sich so oder so ähnlich tagtäglich in vielen Escape Rooms der Republik abspielt. Menschen versuchen gemeinsam Rätsel zu lösen. Und das unter Zeitdruck. Ob es sich dabei um die Geheimnisse im Tresor, die Jagd nach einem Mörder oder eine Schatzsuche dreht, ist fast schon nebensächlich. Tatsächlich stehen der Spaß und der Teamgeist im Vordergrund. Und natürlich die grauen Zellen, die bei der Lösung der Rätsel so richtig auf Touren kommen. Die Jagd nach der Lösung findet immer mehr Freunde, kein Wunder, dass Escape Rooms auch in Düsseldorf Konjunktur haben.

Der Safe könnte genau die Hinweise enthalten, nach denen die Spieler gesucht haben. Doch fürs Öffnen wird die richtige Kombination benötigt. Und die gilt es, zuerst zu finden.

Der Safe könnte genau die Hinweise enthalten, nach denen die Spieler gesucht haben. Doch fürs Öffnen wird die richtige Kombination benötigt. Und die gilt es, zuerst zu finden.

Abgeschlossen, aber nicht allein gelassen

Der Reiz von Escape Rooms, egal wo man spielt und in welchem Szenario, geht auch davon aus, dass die Spieler tatsächlich in den Räumen eingeschlossen werden. Rauskommt nur der, der die Lösung findet. Da ist Teamwork angesagt. Allein lassen sich die Aufgaben in der Regel nicht lösen. Hier gilt es, verschiedenste Fähigkeiten zu kombinieren. Logisches Denken ist hier ebenso angesagt wie „Out-of-the-Box“-Denken und unkonventionelle Ideen. Angst haben muss aber keiner. Im Notfall hängt direkt neben der Tür ein Schlüssel und die Rätselfreunde werden bei ihrer Suche nach der Lösung durch den Gamemaster im Auge behalten. Per Kamera und Mikrofon hält er Kontakt zu den Spielern und gibt gerne eine Hilfestellung, wenn die sicher geglaubte Lösung nicht in die Freiheit, sondern wieder in eine Sackgasse führt.

Von der virtuellen Welt in die reale

Wer kommt aber auf die Idee, Spieler in einen Raum zu sperren, aus dem sie sich durch Knobeln und Lösen von Rätseln befreien müssen? Wie so oft, wenn es um die etwas andere Spielidee geht, findet sich die Antwort auf diese Frage im Land der aufgehenden Sonne: Japan. Dort entwickelt der Programmierer Toshimitsu Takagi im Jahr 2004 ein Online-Computerspiel namens „Crimson Room“. Das Ziel: Der Spieler muss einen Ort, an dem er virtuell gefangen ist, möglichst schnell verlassen. In der Egoperspektive gilt es, verschiedene Rätsel innerhalb des Raumes zu lösen oder geschickt miteinander zu verbinden. Eine einfache Grundidee, die aber förmlich süchtig macht. Das Spiel ist ein solcher Erfolg, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es seinen Weg aus der virtuellen Welt in die echte findet. Das geschieht drei Jahre später. Die ersten Live Escape Games werden in Japan ausgerichtet. Die Spielidee wird eins zu eins aus dem Computerspiel übernommen. Innerhalb einer vorgegebenen Zeit müssen die Spieler einem realen Raum entkommen und dazu Gegenstände enträtseln. Obwohl sich diese Live Escape Games in Japan seitdem großer Beliebtheit erfreuen, schwappt die neue Spielidee erst 2011 nach Europa. In Budapest öffnet der erste europäische Escape Room seine Türen. Mit überragendem Erfolg. Der Escape-Room-Virus ist nun in Europa und breitet sich weiter aus. 2015 öffnet hierzulande der erste Escape Room, seitdem findet sich in jeder größeren Stadt mindestens ein Anbieter.

Jedes Foto oder Detail hat einen Sinn und bringt die Rätselfreunde der Lösung näher

Jedes Foto oder Detail hat einen Sinn und bringt die Rätselfreunde der Lösung näher

Mehr als nur ein Zimmer: von der Idee zum Escape Room

Auch in unserer Landeshauptstadt gibt es zahlreiche Escape Rooms. Relativ neu und mit einem besonderen Konzept an den Start gegangen, ist im letzten November LiveEscape Germany, gelegen an der Rather Straße. Hier entstanden auch die Fotos, die diesem Beitrag die besondere Note geben. Die Frage, die sich die Macher stellten: Wie setzt man sich vom Wettbewerb ab, wenn man nicht der Erste ist, der einen neuen Trend in eine Stadt wie Düsseldorf bringt? Katerina Paca und Naader Kaake – heute Geschäftsführer – und ihr Team fanden darauf die passende Antwort. „Wir haben zunächst selbst ganz viele Live Escape Games gespielt und geguckt: Was funktioniert und was könnte man verbessern?“, erzählt Sebastian Weilandt, Gesellschafter und insbesondere fürs Marketing zuständig. Bei ihren Ausflügen durch die Escape Rooms der Region fiel ihnen auch auf, dass der Fokus der Angebote in der Mehrzahl auf Freizeitspielern lag. Weder die Art der Spiele noch die Räumlichkeiten oder die Art des Caterings waren für Firmenevents geeignet. Hier sah das Team nicht nur großes Potenzial, sondern vor allem die Möglichkeit, sich von den anderen Escape Rooms in der Region positiv abzugrenzen. „Wir haben dann sogar auf einen weiteren Raum zum Spielen verzichtet, um den Firmen nach dem Spiel ausreichend Raum zum Feiern bieten zu können“, so Weilandt weiter.

Die Spieler tauchen sehr schnell ein in die Welt des Escape Rooms. Dazu tragen auch viele liebevolle Details bei wie beispielsweise dieses Tagebuch einer Königsfamilie. Natürlich ist alles frei erfunden.

Die Spieler tauchen sehr schnell ein in die Welt des Escape Rooms. Dazu tragen auch viele liebevolle Details bei wie beispielsweise dieses Tagebuch einer Königsfamilie. Natürlich ist alles frei erfunden.

Ausreichend Platz und vier verschiedene Storys

Von der Idee, sich für Firmenveranstaltungen ins Gespräch zu bringen, profitieren auch die „normalen“ Besucher. Denn wie kaum ein anderer Escape Room in der Region bietet LiveEscape Germany vor allem eines: Platz. Bis zu 25 Spieler gleichzeitig können sich hier in der Lösung der Rätsel beweisen. Ist die Gruppe größer, wird in zwei Slots gespielt. Damit sind diese Knobelräume auch für Schulklassen beim nächsten Schulausflug geeignet. Das Rätsellösen der Gruppe ist generell nicht nur gut fürs Köpfchen, sondern sorgt auch für einen besseren Teamgeist. Kann also auch Klassen enger zusammenschweißen. Firmen nutzen genau das aus, um eine Kick-off-Veranstaltung oder gezieltes Team Building einerseits spannend und unterhaltsam und andererseits aufschlussreich und sinnvoll zu gestalten. Catering inklusive.

Egal wer spielt, und egal wo er spielt: In der Regel hat er die Auswahl aus verschiedenen Escape Rooms, sprich Szenarien, die die Grundlage für die Rätsel bilden. Bei LiveEscape Germany sind es beispielsweise drei verschiedene Szenarien, die für jeden Geschmack etwas bieten. Bei „Das Königshaus ist in Gefahr“reisen die Rätselfreunde z. B. zurück ins Jahr 1788 und suchen mithilfe des königlichen Tagebuches nach einem Schatz. Mord, Geldwäsche und das organisierte Verbrechen stehen bei „Das Mafiosi Casino“ im Mittelpunkt. Eindeutig in Düsseldorf spielt das Szenario „Die Rethel Story“. Die Spieler sind im hiesigen Rotlichtmilieu unterwegs. Allerdings auf der Seite des Gesetzes. Es gilt so viele Beweise wie möglich zu sichern, bevor ein spektakulärer Prozess gegen Zuhälter beginnt. Alle drei Szenarien sind ausdrücklich auch für Kinder geeignet, wobei Kinder ab 14 Jahren das Spiel erst so richtig genießen können.

Bleibt noch die Antwort auf eine Frage offen: Wer spielt so etwas? Die Antwort ist einfacher als manches Rätsel im Escape Room selbst – jeder! Familien treffen hier zusammen, genau wie Junggesellenabschiede oder Geburtstagsfeiern. Oder eben Knobelfreunde, die den besonderen Kick erleben möchten. Einen ganz prominenten Besucher konnte übrigens ein Escape Room in den USA begrüßen: US-Präsident Barack Obama samt seiner Familie ließ sich auf Wunsch seiner jüngsten Tochter für eine Stunde einschließen. Nicht bekannt ist allerdings, ob der Secret Service bei der Lösung der Rätsel geholfen hat.

Escape Rooms in der Nähe

Wir haben Sie neugierig auf Escape Rooms gemacht? Gut! Nachstehend finden Sie eine kleine Liste von Escape Rooms in der Landeshauptstadt.

LiveEscape Germany

Bis zu 25 Spieler können sich gleichzeitig auf die Suche nach des Rätsels Lösung machen. Somit bestens auch für den Firmenevent oder den Schulausflug geeignet. Drei der vier Escape Rooms sind auch für Kinder ab 14 Jahren geeignet, einer ist nur für Erwachsene ab 21 Jahren freigegeben.

Rather Straße 1
Tel.: 0211 984 689 26
www.liveescape-germany.de

TeamEscape Düsseldorf

Die Düsseldorfer Location ist Teil des deutschlandweit größten Anbieters, der auch in unzähligen anderen Städten Escape Rooms betreibt. In Düsseldorf sind es fünf Räume, die bis zu 31 Spieler aufnehmen können. Also auch für größere Gruppen geeignet.

Alexanderstraße 31
Tel.: 0211 936 733 40
www.teamescape.com

ExitDoors – Escape Room Düsseldorf

Bis zu sieben Spieler haben hier die Auswahl aus zwei Missionen. Ideal für die kleine Gruppe, wie beispielsweise der gemeinsame Familienabend.

Friedrich-Ebert-Straße 37
Tel.: 0211 975 332 70
www.exitdoors.de

Quexit

Sage und schreibe zwölf Escape Rooms bietet der nach eigenen Angaben größte Anbieter Deutschlands. Alle Räume beziehen sich auf bekannte Kinofilme – von „James Bond“ über „Alien“ bis hin zu „Pretty Woman“ oder „Stirb langsam“ – hier kommen besonders knobelnde Filmfreunde auf ihre Kosten.

Dreieckstraße 10
Tel.: 0211 933 666 44
www.quexit.de

Sie sind nicht aus Düsseldorf und wollen dennoch gerne einen Escape Room in Ihrer Stadt besuchen? Auf www.escaperoomgames.de finden Sie den passenden ganz in Ihrer Nähe.

Übrigens …

Wenn Sie nach einer Knobelrunde auch etwas für Ihre Fitness und Ihre Muskeln tun wollen, dann sollten Sie unbedingt unseren Bericht über das Indoorklettern lesen.