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Die Eiszauberer vom ISS Dome

Wie kommen die Linien ins Eis?

Ein blitzschneller Schuss. Der Puck zischt übers Eis. Der Keeper ist fest entschlossen. Doch … TOOOR! Tor für die DEG! Die Menge im ISS Dome tobt. Woran in diesem Moment wohl die wenigsten Menschen dort denken, ist das Eis selbst. Wie entsteht eigentlich so eine Eisfläche? Wird das Eis für jedes Spiel neu aufgebracht? Und wie kommen überhaupt die Linien ins Eis?

Wer dem Eisgeheimnis im ISS Dome auf die Spur kommen möchte, muss die Quelle aufsuchen. Also haben wir uns auf den Weg zur topmodernen Multifunktionshalle in Düsseldorf Rath gemacht, um die Eiszauberer vom ISS Dome bei ihrer Arbeit zu begleiten und Antworten zu finden. Wie komplex die Eisaufbereitung tatsächlich ist, erklärt uns dort Facility Manager Björn Perschau. Er ist von der ersten Minute der Mehrzweckhalle mit dabei und kümmert sich mit seinem Team unter anderem um die Eisfläche. „Ein Aufbereiten dauert schon etwas länger. Wir fangen an mit Wartungsarbeiten, die laufen im Hintergrund.“ Allein diese Wartungsarbeiten können ein bis zwei Wochen Zeit in Anspruch nehmen. „In der Zwischenzeit haben wir die Piste so weit vorbereitet und gereinigt. Dann kühlen wir sie ab.“ Das Abkühlen alleine dauert etwa eine Woche – von einer Ausgangstemperatur von circa +20 °C auf bis zu -10 °C. Die Temperatur darf dabei nur langsam sinken, da sonst Risse im Beton entstehen.

Der ISS Dome – Heimat der DEG. Wer dem Geheimnis der Eisaufbereitung auf die Spur kommen möchte, muss die Quelle aufsuchen.

Der ISS Dome – Heimat der DEG. Wer dem Geheimnis der Eisaufbereitung auf die Spur kommen möchte, muss die Quelle aufsuchen.

Auf die Eiszeit folgt die Kreidezeit

Ab -10 °C können die Männer vom ISS Dome dann das Eis Schicht um Schicht aufbauen. Dabei wird beim Grundaufbau zunächst eine Schicht Wasser mit einem Schlauch aufgetragen. Dann folgt die erste Überraschung: Denn weiter geht es mit dem sogenannten „Whiteman“. Mithilfe dieser Maschine werden circa 360 Kilogramm Kreide auf die Eisfläche aufgesprüht und verteilt. So entsteht die weiße Eisfläche, die jeder von den Eishockeyspielen im Fernsehen kennt.

Eine weitere Lage Eis versiegelt die Kreideschicht. Jetzt muss das Eis Farbe bekennen: Per Hand werden die Grundlinien aufgebracht. Die Eisaufbereiter vom ISS Dome orientieren sich dabei an der ausgemessenen Bande.

Ein Glückscent kommt selten allein

Ein klein bisschen Aberglaube gehört im Sport dazu. Bei der Eisaufbereitung lassen die Eismacher Centstücke in die Torräume und Bullypunkte ein. Sie sind die Glücksbringer für eine gute Saison. Vielleicht bringen sie der DEG ja in dieser Saison endlich die nächste Meisterschaft. Sind die Linien auf dem Eis, folgt die Werbung. Früher wurde sie tatsächlich von Hand gemalt, heute werden ausgedruckte Banner genutzt. Diese Werbefolien legen die Männer vorsichtig per Hand auf das Eis und frieren sie dann mit etwas Wasser an. Dabei nutzen sie Gießkanne und Abzieher. Mit jeder Eisschicht wandern die Folien quasi immer tiefer ins Eis und bekommen ihren plastischen Ausdruck.

Entscheidend für die Eisaufbereitung ist nicht nur das Wasser selbst, sondern auch die Temperatur in der Halle. Gerade bei Außentemperaturen von über +30 °C sind die Lüftungsanlagen des ISS Domes besonders gefordert. Da die Eisaufbereitung in der Regel im Hochsommer – meistens im August – stattfindet, sind solche Temperaturen keine Seltenheit. Neben der richtigen Temperatur und der nötigen Sorgfalt braucht gutes Eis vor allem auch Zeit. Geht es beim Eismachen zu hektisch zu, leidet die Qualität des Eises maßgeblich.

Der sogenannte „Whiteman“ im Einsatz: Mithilfe dieser Maschine wird Kreide auf die Eisfläche gesprüht und verteilt.

Der sogenannte „Whiteman“ im Einsatz: Mithilfe dieser Maschine wird Kreide auf die Eisfläche gesprüht und verteilt.

Von Grund auf

Bei aller Expertise liegt Facility Manager Björn Perschau eines besonders am Herzen: „Das ist hier natürlich nur im Team zu stemmen.“ Die Mannschaft vom ISS Dome kennt sich sehr gut, arbeitet bereits seit über 10 Jahren zusammen. „Von der ersten Minute an sind wir mit der gleichen Crew hier vor Ort“, erklärt Perschau. Angefangen hat alles im Baucontainer im März 2006. Damals hat das Team den ISS Dome komplett mit in Betrieb genommen. Im August 2006 wurde dann das erste Eis gemeinsam aufbereitet, die erste Saison im ISS Dome begann für die DEG kurz danach.

Auch in diesem Jahr haben die Eismacher gezeigt, was sie können. Pünktlich zum Saisonbeginn erstrahlt das neue Eis in wunderbarem Weiß. Wortwörtlich unter dem Eis verbergen sich ungeahnte Zahlen und Fakten. So besteht die fertige Fläche aus bis zu 85.000 Litern Wasser. Und wiegt unglaubliche 85 Tonnen. Die Eisaufbereitung im ISS Dome ist – bis auf die Kreidearbeit mit der Maschine – tatsächlich reine Handarbeit. Aus gutem Grund: Die üblichen Eisaufbereitungsmaschinen haben Spikes und würden Kerben ins Untereis machen. Auf einer solchen „puckeligen“ Fläche einen Puck kontrollieren zu wollen – selbst für die Profis der DEG eine große Herausforderung. Für Björn Perschau ist daher die Verwendung der Maschine keine Option. Ein weiterer Vorteil der Eisaufbereitung per Hand: Das Eis ist wesentlich stabiler. Und das ist auch dringend notwendig. Denn da der ISS Dome eine Mehrzweckhalle ist, finden regelmäßig Veranstaltungen auf der abgedeckten Eisfläche statt. Statt Eishockeyspielern muss das Eis dann Zuschauer plus Bühne und Equipment tragen.

Nach Ende der Play-offs wird die ganze schöne Arbeit wieder abgetaut. Dann ruht die Betonfläche und harrt auf den August 2017, wenn das Team um Björn Perschau wieder anrückt. Bereits zum 13. Mal werden die Eismacher dann quasi aus dem Nichts eine liga-taugliche Eisfläche zaubern. Und das dies auch beim 13. Mal ohne Zwischenfälle funktionieren wird, davon ist er überzeugt. Gekonnt ist eben gekonnt.

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