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Da rollt die Kugel!

Das Boule-Spiel bringt französische Lebensart nach Düsseldorf

Beim Boule-Spiel gehört nicht nur ein Schweinchen dazu, sondern auch ein Zentimetermaß.

Sie sind auf den Plätzen unserer Stadt anzutreffen und schwingen im wahrsten Sinne des Wortes eine ruhige Kugel: Boule-Spieler. Etwas Magisches scheint diesen Sport zu umwehen. Denn wer einmal vom „Virus“ infiziert wurde, kommt nicht mehr davon los. Dabei ist Boule mehr als nur ein Sport, es ist so etwas wie eine Lebenseinstellung. Warum? Wir haben die Antworten.

Man kennt sie vom Frankreichurlaub: Ergraute Herren, die auf sandigen Parkwegen mit minutiöser Geduld die Kugeln schwingen. Das Boulespielen ist aber inzwischen längst nicht mehr nur ein Schönwetter- und Altherrensport. Mittlerweile schwingen Menschen jeden Alters und jeder Couleur die Kugel und das Boule- und Pétanque-Spiel hat sich zum richtigen Vereinssport gemausert.

Vom Altherrenzeitvertreib zum Leistungssport

Wie beliebt Boulespielen heute ist, kann man gerade in unserer Stadt Düsseldorf sehr gut beobachten. Allein in diesem Sommer trafen sich über 1.000 Spieler am Düsseldorfer Rheinufer zum 20. Festival de Pétanque für den Präzisionssport und ließen ihre Kugeln über die extra für das Turnierwochenende mit einem Splitbelag versehene Promenade flitzen. Und auch sonst ist unsere Landeshauptstadt nicht um Boule-Spielorte verlegen: Rund sieben Boule-Plätze und eine Boule-Halle gibt es, wo sich die Kugelsportler regelmäßig tummeln, um ihre Geschicklichkeit und zielgenaue Wurftechnik unter Beweis zu stellen. Der Boule-Verein Düsseldorf sur place e. V. zählt mittlerweile 150 Mitglieder.

Allein in diesem Sommer trafen sich über 1.000 Spieler am Düsseldorfer Rheinufer zum 20. Festival de Pétanque.
(c) Klaus Neelen, Düsseldorf sur place e.V.

Allein in diesem Sommer trafen sich über 1.000 Spieler am Düsseldorfer Rheinufer zum 20. Festival de Pétanque.
© Klaus Neelen, Düsseldorf sur place e.V.

Schon mal die Sau gezogen?

Ziel beim Boule & Pétanque ist das Anvisieren und Treffen einer roten Zielkugel: Die Franzosen nennen sie liebevoll Cochonnet – übersetzt bedeutet das so viel wie „Schweinchen“ oder „Sau“. Dass die rote Kugel ursprünglich tatsächlich mal aus Schweineknochen hergestellt wurde, weiß heute kaum noch jemand. Wer dem Schweinchen mit seinen faustgroßen Stahlkugeln beim Boule-Spiel am nächsten kommt, gewinnt den Punkt der jeweiligen Runde. Dafür kommen eine Reihe ausgeklügelter Techniken zum Einsatz: vom sogenannten Legen und Pointieren aus Stand oder Hocke bis zum hohen Bogenwurf. Ja, sogar die absichtliche Lageveränderung des Schweinchens ist erlaubt – und nennt sich in Boule-Sprache „Sau ziehen“. Und wer die gegnerischen Kugeln mit seinen eigenen vom Platz fegt, kann sich ebenso einen Vorteil erspielen. Genau diese taktischen Unvorhersehbarkeiten sind es auch, die den Präzisionssport bei Jung und Alt heute beliebter machen denn je.

Boule, Pétanque, Boccia – wo ist da eigentlich der Unterschied?

Doch was ist Boulespielen eigentlich genau? Im Grunde genommen ist Boule der Überbegriff für die gleiche Kugelsportart – jedoch mit nationalen Besonderheiten. Das Boccia der Italiener wird mit bunten Kunststoffkugeln gespielt, die französische Spielvariante Pétanque dagegen mit Edelstahlkugeln, ohne Anlauf und mit geschlossenen Füßen. Beim Bowls der Briten wiederum jagen abgeflachte Kunststoffkugeln dem „Jack“ hinterher. Angeblich haben sogar schon die Römer das Kugelwerfen für sich entdeckt und mit Steinkugeln praktiziert. Grundsätzlich gilt: Wenn die Deutschen vom Boule-Spiel sprechen, meinen sie meist die im Verein, auf ausgeschriebenen Boule-Plätzen und Hallenbahnen praktizierte Kugelsportart. Auf freien Plätzen, Parks und Wiesen heißt das Freizeitspiel dann wie bei den Franzosen: Pétanque.

Düsseldorfer sind vom Boule-Virus infiziert

Die meisten Spieler kommen durch Zufall zum Boule: Im Sommer stolpern sie im Park in eine Boule-Partie hinein. Oder sie schauen beim Strandurlaub an der Côte d’Azur bei einem fesselnden Boule-Match zu und legen daraufhin selbst mal Hand an die Kugel. Ähnlich erging es auch dem Düsseldorfer Vereinsspieler Daniel Dias, der nicht nur als Turnierspieler aktiv ist, sondern inzwischen als Bundestrainer für den Deutschen Pétanque Verband (DPV) auftritt. „Was mir am Boulespielen so gut gefällt, ist neben den technischen Möglichkeiten die Vielseitigkeit des Spielverlaufs und taktische Intelligenz des Spiels“, sagt Dias in einem Interview. Der Spaß an der Sache hat ihn dann auch zur Trainerausbildung beim Landesverband Boule bewogen. Mittlerweile sei Pétanque ein Leistungssport, berichtet der Trainer hoffnungsfroh, und Deutschland eines der wichtigen Länder, die den Freizeitsport auf ein professionelles Level gebracht hätten.

Auf vielen Plätzen in der Stadt finden sich Gruppen jedes Alter, die eines vereint: der Boule-Sport. 
(c) Kevin Johnson, Düsseldorf sur place e.V.

Allein in diesem Sommer trafen sich über 1.000 Spieler am Düsseldorfer Rheinufer zum 20. Festival de Pétanque.
© Klaus Neelen, Düsseldorf sur place e.V.

Kugeln werfen – ist das überhaupt ein Sport?

Anders als manche vermuten, handelt es sich beim Boule-Spiel tatsächlich um eine anerkannte Sportart, einen Präzisionssport, um genau zu sein. Und der hält fit, nicht nur mental. In seinen Kursen in unserer Nachbarstadt Essen vermittelt Dias Boule-Interessierten die komplexen Bewegungsabläufe für einen erfolgreichen Wurf. Besonders freut es den Trainer, wenn er dabei überraschende Bestleistungen aus einem Boule-Spieler herauskitzelt. Wettkampfvorbereitung, Intensiv- und Mentaltrainings gehören zu seinem spezifischen Angebot für Profis. Anfängern hilft er mittels Fehler- und Wurfdiagnostik sowie in lockeren Einsteigerkursen „Wie in Frankreich“ auf die Sprünge.

Einige Boule-Spieler wirken auf den ersten Blick wie echte Franzosen.
(c) Kevin Johnson, Düsseldorf sur place e.V.

Einige Boule-Spieler wirken auf den ersten Blick wie echte Franzosen.
© Kevin Johnson, Düsseldorf sur place e.V.

Hier rollt die Kugel – Spielorte in Düsseldorf

Nach Essen braucht der Düsseldorfer aber nicht zu fahren. Im Verein Düsseldorf sur place e. V. findet man fachkundige Hilfe mitten in unserer Stadt: Der Boule- und Pétanquesportverein liegt direkt an der Pariser Straße und bietet Spielern im Freien mit dem „Boulodrôme“ ein 32 Bahnen starkes Außengelände mit Flutlicht – für Schlechtwetter geht man in die Boule-Halle mit immerhin 16 Bahnen. Turniere und Spiele kann man hier regelmäßig besuchen.

Auch am Nordpark vor dem Ballhaus, unweit des Aquazoos (Kaiserswerther Straße), rollen winters wie sommers jeden Samstag, Sonntag und Feiertag ab dem frühen Nachmittag die Kugeln. Die altstadtnahe Rheinuferpromenade am Mannesmannufer und das Gelände um die nahe gelegene Mariensäule sind ebenso nahezu täglich von Boule-Spielenden bevölkert.

Auch in den anderen Stadtteilen der Landeshauptstadt kommen Boule-Spieler keineswegs zu kurz: Kugeln werfen kann man am Kolpingplatz (Pempelfort), am Frankenplatz (Derendorf), am Alten Markt (Gerresheim), im Ernst-Abbe-Weg (Wersten) und im Schlosspark der Orangerie Benrath.

Und so geht’s: Die Regeln beim Boule

Gespielt wird im Einzel, Doppel, Dreier- oder Viererteam. Je nach Mannschaftsstärke bekommt jeder Spieler zwei bis drei Kugeln, in England sind es beim Tête-à-tête sogar vier Kugeln. Mit diesen versuchen die Boule-Spieler nun so präzise wie möglich, an die Zielkugel heranzukommen. Dabei dürfen sowohl die Kugeln der Gegner als auch die Zielkugel selbst angestoßen oder ins Abseits geschossen werden. Pro Runde erhält der Spieler den Punkt, dessen Kugel so nah wie möglich bei der Zielkugel landet.

Was sich einfach anhört, ist in der Praxis manchmal gar nicht so leicht. Deshalb legen Trainer wie Daniel Dias Wert auf die richtige Technik: Das sogenannte Legen aus dem Stand oder der Hocke gehört zum Basiswissen jedes Boule-Spielers. Je nach Beschaffenheit des Spielfelds, dem sogenannten Terrain, kommen auch noch der halbhohe und hohe Bogenwurf (Halb- und Hoch-Portée) zum Einsatz.

Boule-Ausrüstung: Das muss drin sein

Fürs Boulspielen braucht es im Grunde nicht viel. Für den Start eignet sich eine Tasche mit einem Satz Spielkugeln (drei Stück), Zielkugel, Tuch zum Abwischen der Kugeln und Messgerät. Denn nicht immer ist eindeutig, wer das Schweinchen am besten anvisiert hat – da nimmt man es beim Boulen dann doch gern genau. Um die 50 bis 100 Euro legt man für mittel- bis hochwertige Kugeln auf den Tisch. Und die Profis? Haben gern noch eine Magnetkordel dabei, um ihre Edelstahlkugeln bequem aus dem Stehen zu angeln.

Das Düsseldorfer Rheinufer im Sommer: Boule-Freunde unter sich

Wen jetzt das Boule-Fieber gepackt hat, der darf sich schon mal das Festival de Pétanque am 10. und 11. Juni 2017 in den Kalender schreiben. Zum 21. Mal werden sich auf dem von den Stadtwerken Düsseldorf gesponserten Event über 1.000 Spieler an der Rheinuferpromenade unserer Altstadt versammeln. Wer in den Boule-Sport einsteigen oder einfach nur mal probehalber die Kugeln schwingen möchte, kann sich hier vor Ort nicht nur die richtige Wurftechnik und den taktischen Spielverlauf von der Pieke auf erklären lassen, sondern sich auch professionelle Kugeln zulegen.

Drei Gründe, warum auch Sie die Kugeln rollen lassen sollten

1. Boule hält fit
Glaubt man kaum, aber wahr: Der Boule-Spielende verbrennt beim Stehen, Werfen und Kugeln holen doch so etliche Kalorien. Vor allem aber ist Konzentration und Körperspannung gefragt – das hält fit.

2. Boule ist gesellig
Keine Frage, beim Boulen treffen Sie auf jede Menge freundlicher Menschen. Ob im Einzelmatch oder in der Gruppe, Gesprächsthemen ergeben sich wie von selbst. Und das Vereinsleben kann das soziale Leben enorm beflügeln.

3. Boule ist einfach typisch französisch
Keiner praktiziert Pétanque mit solcher Hingabe wie die Franzosen. Deshalb ist Boulespielen ein Stück französische Lebensart. Lassen Sie Ihr hoffentlich erfolgreiches Boule-Match gemeinsam mit einem Glas Rotwein, Baguette und Käse ausklingen!

Die Boule-Kugeln sind echtes Handwerkszeug und Zeitzeugen etlicher Partien.

Die Boule-Kugeln sind echtes Handwerkszeug und Zeitzeugen etlicher Partien.

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