
Erst ein Zuhause, dann weitere Hilfe: Housing First setzt in Düsseldorf auf dauerhaften Wohnraum und individuelle Begleitung.
Obdachlosigkeit bedeutet mehr als ein fehlendes Dach über dem Kopf: Oft gehen auch Sicherheit, Privatsphäre und Perspektive verloren. Genau hier setzt Housing First an. Betroffene erhalten zuerst eine eigene Wohnung – ohne klassische Vorbedingungen. In Düsseldorf wird der Ansatz durch Housing First Düsseldorf e. V. umgesetzt, der Wohnraum, Sozialarbeit und privates Engagement verbindet.

Housing First heißt übersetzt: „Wohnen zuerst“. Der Ansatz dreht die klassische Reihenfolge der Wohnungslosenhilfe um: Menschen müssen sich nicht erst über mehrere Hilfestufen für eine eigene Wohnung „qualifizieren“, sondern erhalten direkt dauerhaften Wohnraum. Die Wohnung ist damit keine “Belohnung” am Ende eines Hilfesystems, sondern die Grundlage für Sicherheit, Stabilität und neue Perspektiven. Denn wer auf der Straße lebt, muss jeden Tag Grundsätzliches organisieren: einen Schlafplatz, Schutz, Essen oder Hygiene. Unter diesen Bedingungen ist es schwer, gesundheitliche Probleme, Behördentermine, Schulden oder persönliche Krisen anzugehen. Eine eigene Wohnung schafft einen geschützten Ort, an dem Menschen ankommen können.
Housing First bedeutet dabei nicht Hilfe ohne Begleitung. Nach dem Einzug werden die Menschen weiter unterstützt – freiwillig, individuell und alltagsnah. Dazu können Gespräche mit Sozialarbeiter:innen, Hilfe bei Behörden, Unterstützung bei finanziellen Fragen oder Begleitung im Alltag gehören. Ziel ist, dass Menschen ihre Wohnung langfristig halten und wieder mehr Sicherheit im eigenen Leben gewinnen.
In Düsseldorf setzt Housing First Düsseldorf e. V. das Konzept gemeinsam mit Partnern aus Sozialarbeit, Stadtgesellschaft, privatem Engagement und Wohnungswirtschaft um. Der Verein wurde 2021 gegründet und wird von der Stadt Düsseldorf gefördert. Sein Ziel ist es, obdachlose Menschen dauerhaft in Wohnungen zu bringen und sie beim Wohnungserhalt zu begleiten.
Die Entwicklung zeigt, wie groß die Wirkung sein kann: Nach Angaben der Stadt Düsseldorf wurde im Januar 2024 die 50. Wohnung übergeben, später die 100. und im Juni 2026 die 150. Wohnung. Damit wird Housing First in Düsseldorf nicht nur als soziale Idee sichtbar, sondern als konkreter Weg aus der Obdachlosigkeit.
Sozialarbeit kann viel leisten. Doch ohne verfügbaren Wohnraum stößt auch das beste Konzept an Grenzen. Deshalb sind Vermieter:innen, private Eigentümer:innen, Investor:innen und Wohnungsbaugesellschaften zentrale Partner für Housing First. Wer Wohnraum zur Verfügung stellt, ermöglicht nicht nur einen Mietvertrag, sondern oft einen echten Neuanfang.
Housing First Düsseldorf weist darauf hin, dass weiterhin private Wohnungseigentümer:innen, Investor:innen und Wohnungsbaugesellschaften gebraucht werden. Der Verein unterstützt dabei nicht nur bei der Wohnungsvermittlung, sondern organisiert auch die wohnbegleitenden Hilfen.
Housing First ersetzt nicht alle Angebote der Wohnungslosenhilfe. Notschlafstellen, Beratungsstellen, mobile Hilfen oder Projekte wie der gutenachtbus bleiben wichtig – besonders für akute Notlagen. Housing First setzt jedoch an einem anderen Punkt an: Es möchte Wohnungslosigkeit nicht nur kurzfristig lindern, sondern dauerhaft beenden.
Auch in Düsseldorf gibt es verschiedene Hilfsangebote für Menschen in Wohnungsnot. Die Stadt bietet zum Beispiel Beratung bei Mietschulden, Kündigung, Räumungsklagen oder drohendem Wohnungsverlust an. Ziel ist es, Wohnungslosigkeit möglichst zu vermeiden und bestehende Mietverhältnisse zu sichern.
