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Hooligans mit Knopfaugen oder: Die Besonderheiten der Rotkehlchen

Hooligans mit Knopfaugen oder: Die Besonderheiten der Rotkehlchen

Happy Birding – Fröhliches Vogelgucken: Mit Freude schauen wir heute gemeinsam auf das Rotkehlchen.

Sie sind zauberhaft, zutraulich und friedlich. Rotkehlchen erfreuen uns mit ihrem Gesang und sind stets ein hübsches Foto-Motiv. Aber: Rotkehlchen sind auch streitsüchtige, brutale kleine Hooligans, die den ganzen Tag lautstark in den Garten trällern: „Bleibt weg, ihr anderen Rotkehlchen. Das hier ist alles meins!“ Und die ihr Revier buchstäblich bis aufs Blut verteidigen. 

In den christlichen Legenden kommt die rote Brust der kleinen Fliegenschnäpper mal vom Blut des Gekreuzigten, das den Piepmatz getroffen haben soll, mal von der Glut des Feuers, mit der so ein Vögelchen das Jesuskind in der Krippe wärmte. 

Auch gilt das Rotkehlchen als Mittler zwischen Verstorbenen und Lebenden. Vermutlich auch deswegen, weil Friedhöfe recht stattliche Rotkehlchen-Populationen aufzuweisen haben. Fest steht: Unser prominentester Gartenvogel genießt unter Menschen ein hohes Ansehen. Die Briten wählten ihn sogar zum inoffiziellen Wappenvogel ihres Landes.  

Erfrischendes Nass

Unsere Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet erfreuen die Düsseldorfer:innen von Frühling bis Herbst. Und auch das ein oder andere Vögelchen. 

Rotkehlchen sind prominente Gartenvögel

Ein Rotkehlchen isst einen Wurm
Der frühe Vogel fängt den Wurm – dieses Motto gilt beim Rotkehlchen eigentlich zu jeder Tageszeit © Yvonne Hofer

Wer selbst regelmäßig mit Gartenarbeit beschäftigt ist, hat mit Sicherheit schon diesen Moment erlebt: Plötzlich sitzt da ein Rotkehlchen. Und es schaut erwartungsvoll da. Die plötzliche Freundschaft entspringt einer einfachen, im Laufe der Evolution verinnerlichten Gewissheit: Wo große (zweibeinige) Tiere sind, gibt es Futter. Wo Gärtner graben, gibt es Würmer. 

Wer eine solche Freundschaft vertiefen möchte, dem sei zu lebenden Mehlwürmern geraten. Eine Delikatesse, der absolut kein Rotkehlchen jemals widerstehen kann. 

Des „Gärners Freund“, wie die Briten den Vogel liebevoll nennen, ist ein ungemein erfolgreicher Kulturfolger. Neugierig, lern- und anpassungsfähig. Für ein Lebewesen, das in der Regel nicht älter als zwei bis drei Jahre wird, ein beachtliches Päckchen.  

Dennoch: Wenn es irgendetwas gibt, das Rotkehlchen von Herzen hassen, dann sind das andere Rotkehlchen! Mit einer Ausnahme. 

Romantik im Frühling: Alles für die Familie

Beginnt im Frühling die Paarungszeit, kann man in Gärten und Parks plötzlich Szenen beobachten, die an den legendären Spagetti-Moment in Disneys „Susi und Strolch“ erinnern. Liebevoll füttert ein Rotkehlchen-Mann seine Herzensdame. Wer das beobachtet, darf ziemlich bald mit kleinen Rotkehlchen rechnen. Denn das Füttern stärkt die Paar-Beziehung. 

Voller Leidenschaft stürzen sich dann die Rotkehlchen-Eltern ins Brutgeschäft. Kaum hat der Nachwuchs das Nest verlassen, wird zunächst weiter gefüttert als gäbe es kein Morgen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Nachwuchs noch in schlichtem braunen Federkleid. Doch kaum dass die erste, leicht rötliche Farbe auf der Brust erscheint, mutiert auch der liebevollste Rotkehlchen-Vater zum Schläger-Typen. Eine ziemlich kalte Dusche für die Vogelkinder, die eine auf die andere Sekunde verstoßen werden.  

Ist die Futterlage gut, kann das mehrfach hintereinander im Jahr passieren. Bis im Spätsommer die Luft raus ist. Von da an gehen Herr und Frau Rotkehlchen wieder ihre eigenen Wege. Und wehe, jemand anders betritt das jeweilige Revier. In solchen Momenten sind die charismatischen kleinen Vögel ausgesprochen humorlos. 

Zwei Rotkehlchen sitzen auf einer Fensterbank
Schau mir in die Augen, Kleines: Auch bei Rotkehlchen wird geturtelt © Yvonne Hofer

Stadtnachbarn mit Revieranspruch

Als echte Kulturfolger sind Rotkehlchen für uns lieb gewordene Mitbewohner in der Stadt geworden. Oftmals sitzen sie in Straßenbäumen – gerne am frühen Morgen oder in der abendlichen Dämmerung, und singen, was die Kehle hergibt. Mit ihren großen Augen sind sie gut darin, auch wenig Licht zu nutzen. Was für uns bezaubernd melancholisch klingt, ist ein ganz und gar nicht bezauberndes: „Das ist mein Revier, sieh zu, dass du Land gewinnst!“ Das gilt übrigens für Männchen und Weibchen. Und da im Herbst so mancher Kollege aus dem Norden zusätzlich anreist, gilt es auch ganzjährig das Revier zu verteidigen. Stress für die Vögel und Wohltat für uns. Sonst müssten wir auf den bezaubernden Gesang im Winter verzichten. Und auf viele hübsche Foto-Motive!

Oben auf dem Dach

Der Blick nach oben offenbart nicht nur das ein oder andere Rotkehlchen – auch Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern.

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