WohnKultur

Alleskönner Flur: Stiefkind oder doch Entree?

Im Handumdrehen wird aus der Problemzone ein Showroom

Mehrere Paar Schuhe liegen durcheinander im schmalen Flur vor der Eingangstür.

Mögen Sie Ihren Flur? Nein? Damit sind Sie nicht allein. Doch mit nur wenigen Tipps und Tricks lässt sich hier Abhilfe schaffen – und dafür müssen Sie keine Regalmeter mit Wohnratgebern lesen. Sie brauchen nur ein paar unserer Vorschläge umzusetzen und schon wird aus Ihrem Flur ein „Entree“, statt einem Auffangbecken für Alltagskram wie Jacken, Schuhe, Taschen, Regenschirme, Kinderwagen und Hundeleine.

Langer, schmaler unmöblierter Flur mit Buchendielen
Auf den ersten Blick schwer einzurichten: lange schmale Flure. Aber auch hier gibt es Tipps und Tricks.

Bevor wir uns der Flurbereinigung zuwenden, gilt es, die bisweilen nicht ganz einheitlich verwendeten Begriffe „Flur“ und „Diele“ zu klären: Im Eingangsbereich einer Wohnung oder eines Hauses befindet sich die Diele oder der Flur. Während die Diele eher geräumig ist, kann ein Flur auch schmal und lang sein. Regional bedingt wird einem der beiden Ausdrücke schon mal der Vorzug gegeben, wenngleich der Begriff „Diele“ zwischenzeitlich etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint. Doch egal, wie man den Eingangsbereich nun nennt, wichtig ist vor allem eins: Er verrät eine Menge über ein Zuhause und über die Menschen, die darin leben. Sind sie ordnungsliebend oder chaotisch, mögen sie es konventionell oder doch eher etwas extravagant? Der Flur ist oftmals der meistbetrachtete und meistdurchschrittene Raum des Hauses. Noch dazu ist er der Raum, der Besuchern den ersten Eindruck vermittelt. Dieser erste Eindruck ist besonders für die Menschen prägend, die es im Grunde nie weiter als zu Ihrer Haustüre schaffen: Der neugierige Nachbar, der sich unter dem Vorwand, ein Ei leihen zu wollen, den Hals verrenkt, um vielleicht doch noch etwas mehr zu sehen als nur den Flur. Oder der Postbote, der Ihnen die Päckchen noch bis an die Haustüre liefert. Doch zugleich – und dies scheint bei näherem Betrachten geradezu unsinnig – ist gerade der Flur oftmals ein vernachlässigter Raum. Er ist sozusagen das Stiefkind unter den Räumen, denn er muss zunächst vor allem eins sein: zweckmäßig. Er muss all die Dinge des Alltags beherbergen und auffangen, die man so täglich durch die Eingangstüre trägt: Schuhe, Jacken, Taschen, Regenschirme, Schlüssel und manchmal auch Kinderwagen sowie Haustiere. Alles möchte bei der Ankunft einen Platz finden, landet also erst einmal im Flur und bleibt im schlechtesten Fall dort stehen (abgesehen von dem Haustier) – so lange, bis es wieder benötigt wird. Wenn es gut läuft, am nächsten Tag ... andernfalls steht es rum und im Weg, aber oftmals weiß man ja auch auf Anhieb nicht so recht wohin mit diesen Dingen des Alltags.

Wer ein paar Tipps beherzigt, zaubert auch auf kleinem Raum große Wirkung– sowohl in Funktion als auch in der Ästhetik. Mittel der Wahl hier: multifunktionale Möbel, Geradlinigkeit, sanfte Farben.
Wer ein paar Tipps beherzigt, zaubert auch auf kleinem Raum große Wirkung– sowohl in Funktion als auch in der Ästhetik. Mittel der Wahl hier: multifunktionale Möbel, Geradlinigkeit, sanfte Farben.

Damit Ihr Flur mehr ist als ein Auffangbecken für Alltagskram und die Chance bekommt, so etwas wie ein „Entree“ zu werden, gilt es, mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Zunächst einmal: Stauraum, Stauraum, Stauraum. Denn Ordnung schafft Ruhe und trägt dazu bei, Accessoires – wie Spiegel oder Bilder – in Szene setzen zu können. Denn Accessoires, die Ihre Persönlichkeit widerspiegeln, sowie ein geschicktes Zusammenspiel von Licht und Farbe wirkt schier Wunder und macht das scheinbar Unmögliche möglich: Funktionalität und Optik gekonnt miteinander zu verbinden.

Die Mischung macht´s: persönliche Bilder neben Architekturfotos, Rahmen unterschiedlicher Größe und Form kombiniert auf kleinem Raum. So wird strukturierte und doch individuelle Wirkung erzeugt.
Die Mischung macht´s: persönliche Bilder neben Architekturfotos, Rahmen unterschiedlicher Größe und Form kombiniert auf kleinem Raum. So wird strukturierte und doch individuelle Wirkung erzeugt.

Damit dies gelingt, haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt, die natürlich nicht nur für den Flur hilfreich sind, sondern für alle Wohnräume – insbesondere für kleine – große Möglichkeiten eröffnen:

Schaffen Sie Stauraum und damit Ordnung

So ist beispielsweise eine Bank im Flur nicht nur ein toller Blickfang mit persönlicher Note und dient ganz praktisch als Sitzgelegenheit beim Schuhe anziehen, sondern bietet zugleich auch Stauraum. Bei einigen Modellen lässt sich die Sitzfläche der Bank hochklappen und im Bauch der Bank verschwinden auf diese Weise z. B. Mützen, Schals und Tücher. Alternativ bietet sich auch eine Bank an, unter deren Sitzfläche sich ein oder mehrere Regalböden befinden, auf denen sich Schuhe abstellen lassen. Wer es auch hier effektiv und aufgeräumt mag: Es gibt auch Bänke, deren Stauraum hinter platzsparenden Schiebetüren verschwindet. In einem sehr kleinen Flur lässt sich ein vergleichbarer Effekt übrigens auch mit einem befüllbaren Hocker erzielen. Eine innovative Stauraummöglichkeit – insbesondere für hohe Räume – ist ein Treppenschrank, dessen untere Schubladen sich so ausziehen lassen, dass sie Treppenstufen bilden, über die man die höher gelegenen Schrankelemente komfortabel erreichen kann. Kurz gesagt: Wählen Sie vorzugsweise multifunktionale Möbelstücke.

Bitte keine Kleiderberge!

Vermeiden Sie klassische Wandgarderoben oder Kleiderhaken. Schnell bilden sich unförmige Kleiderberge und machen jedes noch so ambitionierte Gestaltungskonzept zunichte. Eine Kleiderstange ist hier immer die bessere Wahl – egal, in welcher Form. Ob als Rollständer oder als feststehendes Regal, wobei bewegliche Möbelstücke gerade in kleinen Räumen von Vorteil sein können. Wer hingegen über einen geräumigen Flur verfügt und es sehr aufgeräumt mag, kann natürlich auch auf den Wandschrank zurückgreifen – Hauptsache, Sie verbannen die Kleiderberge aus Ihrem Flur.

Arbeiten Sie mit Kontrasten

Kombinieren Sie Altes und Neues. Altes kann antik sein und so bleiben, wie es ist. Oder Sie folgen dem Trend des Upcyclings und verleihen Omas altem Schuhschrank ein frisches, neues Aussehen. Wer sich dann von Zeit zu Zeit noch ein edles Designerstück gönnt, kombiniert auf diese Weise auch Teures und Preiswertes miteinander und macht zugleich auf sympathische Weise klar, dass Qualität selbstverständlich ihren Preis hat, aber dass Geld allein nicht über Optik entscheidet.

Mit Farben Akzente setzen

Egal, ob Sie zurückhaltende Ton-in-Ton-Kombinationen bevorzugen oder gerne mit Kontrasten arbeiten: Farben spielen bei der Gestaltung eines jeden Raumes eine wichtige Rolle. Und während es lange Zeit gängige Meinung war, dass nur helle Farben Räume größer erscheinen lassen (was grundsätzlich auch stimmt), greift man heute durchaus auch bei kleinen Räumen zu starken Farben! Wer das wagt, muss jedoch geschickt mit Lichtquellen arbeiten. Wer hingegen nur ein farbliches Highlight setzen möchte, begnügt sich damit, eine Stirnseite des Raums zu betonen oder hebt sogar nur einzelne Wandteile – zum Beispiel zwischen zwei Türen – farbig hervor. Apropos Türen: Wenn Sie für die Türen dieselbe Farbe wählen wie für die Wände, wirkt ein kleiner Flur ebenfalls direkt größer.

Licht ist in vielen Fluren ein dunkles Thema. Dabei lässt sich gerade durch geschickte Platzierung mehrerer kleiner Lichtquellen die Problemzone Flur schmeichelhaft inszenieren.
Licht ist in vielen Fluren ein dunkles Thema. Dabei lässt sich gerade durch geschickte Platzierung mehrerer kleiner Lichtquellen die Problemzone Flur schmeichelhaft inszenieren.

Licht, Licht, Licht

Gut platzierte Lichtquellen und vor allem eine gut gewählte Lichtfarbe schaffen im Flur eine angenehme Atmosphäre. Wer dabei auf moderne LED-Lampen setzt, der trägt nicht nur Sorge für die Umwelt, sondern spart auch bares Geld. Das warmweiße Licht der LED-Lampen ist vom Licht der klassischen Glühbirne nicht mehr zu unterscheiden und heißt Bewohner wie Gäste einladend willkommen. Technikbegeisterte können hier auch noch mit den Möglichkeiten des „Smart Home“ spielen: Das Licht geht an, wenn der Raum betreten wird, und erlischt, wenn der Raum verlassen wird. Eine elegante Art, Strom und Geld zu sparen – Energieeffizienz pur.

Spiegel – raumvergrößernd und praktisch

Ein Spiegel im Flur ist natürlich vor allem eins: praktisch! Kurz vor Verlassen des Hauses kann man noch einen schnellen Blick hineinwerfen, sich selbst noch einmal zulächeln und kurz prüfen, ob man so, wie man in diesem Moment gerade aussieht, das Haus auch wirklich verlassen möchte. Zudem vergrößert ein Spiegel jeden Raum. Gut platziert (beispielsweise an der Stirnseite eines Flurs) lassen sich auf diese Weise mit einem Spiegel erstaunliche Effekte von Tiefe und Weite erzielen. Das Design des Spiegels trägt wiederum zur persönlichen Note bei und vom barock anmutenden Goldrahmen bis hin zur reinen Spiegelfläche ohne Schnick und Schnack ist alles möglich.

Alleskönner Spiegel: Sie vergrößern, erhellen und bringen den persönlichen Stil zum Ausdruck.
Alleskönner Spiegel: Sie vergrößern, erhellen und bringen den persönlichen Stil zum Ausdruck.

Dem Raum mit Bildern eine persönliche Note geben

Ob Kunst oder Selbstgemachtes – Bilder und Fotografien verleihen jedem Raum eine sehr persönliche Note und bieten auch sofort Gesprächsstoff. Dabei ist es das A und O, die Bilder richtig zu platzieren: Es sollte eine Wand ohne direktes Sonnenlicht sein, um ein Verblassen der Bilder zu vermeiden. Zudem sollten sie eng an einer Stelle arrangiert werden, denn das wirkt ruhiger, als Bilder großzügig über eine Wand zu verteilen. Einen besonderen Effekt erzielt man zudem mit der geschickten Kombination verschiedener Bilderrahmen – das erfordert jedoch etwas Fingerspitzengefühl. Wer sich das nicht zutraut, liegt mit Rahmen aus einer Stil- und Farbfamilie immer richtig.

Von Kopf bis Fuß klug wählen

Lampen und Leuchten, Möbel und Farben – alles ist im Flur von Bedeutung. Nicht unerheblich ist auch die richtige Wahl des Bodenbelags. Natürlich ist ein weicher Teppichboden etwas Wunderbares, aber im Flur vermutlich nicht die klügste Entscheidung. Doch die Alternativen an strapazierfähigen und leicht zu reinigenden Bodenbelägen, die auch mal schmutzige Gummistiefel und ebensolche Hundepfoten verzeihen, sind vielfältig und geben Ihrem Eingangsbereich ebenfalls einen ganz individuellen Touch. Für Experimentierfreudige: Fotoböden mit 3-D-Effekt – damit bleibt Ihr Eingangsbereich ganz sicher im Gedächtnis.

Doch ungeachtet der Fülle an Tipps, die Sie nun erhalten haben, denken Sie immer daran: „Weniger ist mehr“. Dieses geflügelte Wort hat auch für die Flurgestaltung seine Berechtigung. Überfrachten Sie diesen Raum nicht mit Möbelstücken, Bildern und herumliegenden Einzelteilen, dann wird er eine wohltuende Klarheit versprühen und jedem Besucher den richtigen Eindruck vermitteln. Und – das ist das Wichtigste – Sie jedes Mal erfreuen, wenn Sie ihn durchqueren.

Machen Sie den Flur zu Ihrer Visitenkarte, immerhin ist er der meisteingesehene Raum, sowohl für geladene Gäste als auch für Nachbarn und Paketboten.
Machen Sie den Flur zu Ihrer Visitenkarte, immerhin ist er der meisteingesehene Raum, sowohl für geladene Gäste als auch für Nachbarn und Paketboten.

Und zu guter Letzt: Arbeiten Sie mit dem, was Sie haben! Denn egal, ob Ihr Flur einem Ballsaal gleicht, winzig klein ist oder endlos lang und schmal – mit etwas Kreativität können Sie jeden Flur zu Ihrer Visitenkarte machen.

Übrigens…

…Flur oder Diele sind nicht die einzigen Räume, die manchmal vernachlässigt werden. Wenn Sie Tipps für eine clevere Badgestaltung suchen, werden Sie hier fündig.