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Richtiges Lüften: So sorgen Sie für ein gesundes und angenehmes Raumklima

Ob Sommer oder Winter, mit der richtigen Lüftungsstrategie schützen Sie Ihre Gesundheit und sparen Energie.

Richtiges Lüften: Eine Frau öffnet ihre Fenster, um frische Luft reinzulassen.

Richtiges Lüften ist wichtig für ein gesundes und angenehmes Raumklima. Der Austausch der Zimmerluft gegen frische Luft von draußen sorgt für eine ideale Luftqualität, die sowohl Ihrer Gesundheit guttut als auch Schimmel vorbeugt. Wie Sie diese das ganze Jahr über aufrechterhalten und welche Tipps Sie vor allem im Hinblick auf das Heizen und den Energieeinsatz noch beherzigen sollten, erklären wir Ihnen im Folgenden.

Richtiges Lüften für ein gesundes Raumklima

Beim Atmen wandeln Mensch und Tier Sauerstoff in Kohlendioxid um. Wird dieses und die im Alltag entstehende Luftfeuchtigkeit nicht regelmäßig rausgelüftet, sinkt die Qualität der Raumluft und es kann sogar zu Schimmelwachstum kommen. Ebenso verschlechtern Schadstoffe und Geruchsstoffe aus Möbeln und Baumaterialien die Luftqualität erheblich, was sich wiederum negativ auf das allgemeine Wohlbefinden und auch auf die Konzentration auswirkt. Um all dem vorzubeugen und fit durch den Alltag zu kommen, ist richtiges Lüften das A und O.

Das ideale Raumklima liegt bei 20 bis 22 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Beides lässt sich mittels eines Thermo-Hygrometers kontrollieren. Sinkt die Feuchtigkeit im Raum unter 30 Prozent, entsteht zwar kein Schimmel, doch die Luft ist zu trocken, was Ihre Schleimhäute reizt. Dauerhaft über 60 Prozent Luftfeuchtigkeit bringt Schimmelgefahr mit sich. Die Kunst liegt also darin, ein gesundes Maß konstant zu halten – und das im Sommer wie auch Winter. Für Sie bedeutet das konkret: Passen Sie Ihr Lüftungsverhalten an die Jahreszeiten an, um eine ideale Luftqualität herzustellen und auch zu halten. Wer es noch genauer wissen möchte, kann auch einen CO2-Messer aufstellen. Ab einem Wert von 1.000 ppm pro Kubikmeter Luft sinkt die Konzentrationsfähigkeit des Menschen nachweislich ab. Dann ist es Zeit, die Fenster wieder aufzumachen.

Richtiges Lüften bedeutet, die Luft zwischen den Innenräumen und Außen so auszutauschen, dass Ihr Raumklima durch sauerstoffreiche und schadstoffarme Raumluft geprägt ist. Wenn Sie Ihre Fenster öffnen, strömt die verbrauchte Luft heraus und neue Frischluft herein. Dabei erfüllt das richtige Lüften vor allem drei wesentliche Vorteile:

  • Vermeidung von Schimmelbildung: Durch richtiges Lüften weicht Feuchtigkeit nach außen, die eine der Grundlagen für das Wachstum von Schimmel ist.
  • Förderung Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit: Frische und saubere Luft sorgt für ein besseres Leistungsvermögen und höhere Konzentration. Auch für Allergiker und Menschen mit Atemwegserkrankungen ist regelmäßiges Lüften notwendig.
  • Heizkostenminderung: Richtiges Lüften und Heizen ersparen Ihnen unnötige Heizkosten, die aufkommen würden, wenn Sie Ihre Heizungsluft sofort wieder durchs Fenster jagen. Ein abwechselndes Heizen und Lüften in kalten Monaten schont also Ihr Portemonnaie.
Eine Frau steht vor ihren weit geöffneten Fenstern und schaut auf die Straße.
Die ideale Raumtemperatur beträgt 20-22 Grad. Richtiges Lüften hilft Ihnen dabei, diese konstant zu halten. © Westend61

So lüften Sie richtig

Richtiges Lüften – wie funktioniert das eigentlich? Der wohl häufigste Fehler beim Lüften ist die Annahme, dass das Kippen der Fenster über einen längeren Zeitraum um einen Spaltbreit genüge, um die Luftqualität signifikant zu steigern und das Raumklima angenehm und ausgeglichen zu halten. Der Luftaustausch beim Kippen ist nur sehr gering. Er bewirkt in der Regel eine leichte Abkühlung des Raums, was zusätzliche Heizkosten verursachen kann. Im Winter besteht die Gefahr, dass die Fensterlaibungen zu stark abkühlen und sich dort Schimmel bilden kann.

Unter richtigem Lüften ist viel eher das Stoßlüften sowie Querlüften zu verstehen. Beim Stoßlüften öffnen Sie Ihre Fenster soweit, wie es geht, sodass die Luft ungehindert zirkulieren kann. Ziehen Sie Vorhänge zur Seite und öffnen Sie Ihre Innentüren, um den bestmöglichen Effekt zu erzielen. In der Regel beträgt die ideale Stoßluftzeit in etwa fünf bis zehn Minuten. Beim Querlüften sieht das sehr ähnlich aus, nur das Sie hier alle sich gegenüberliegenden Fenster für ca. fünf Minuten weit öffnen, sodass ein Durchzug entsteht.

Im Alltag gibt es viele verschiedene Quellen, die die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöhen. Ob beim Duschen, Kochen oder Schlafen – große Mengen Wasser werden von der Luft aufgenommen. Somit ist es wichtig, während oder nach solchen Tätigkeiten die Fenster weit zu öffnen und feuchte Luft durch frische zu ersetzen. Heizen Sie anschließend den Raum schnell auf die gewünschte Temperatur wieder auf. Beim fünfminütigen Querlüften dauert das nicht lange, denn 80 Prozent der Wärme bleibt in den Wänden und Möbeln gespeichert.

Auch das Aufstellen Ihrer Möbel spielt eine bedeutende Rolle. Achten Sie daher darauf, dass Ihre Möbel genug Abstand zu Boden, Decke und Wänden haben, damit die Luft dort ungehindert zirkulieren kann. Bei zu geringem Abstand würde die Luft lediglich in der Zimmermitte ausgetauscht werden, weshalb die Temperatur hinter den Möbelstücken stark abkühlen und die relative Feuchtigkeit dort einen kritischen Wert erreich kann. In der Regel sollten Sie wenig genutzten Räumen mindestens zwei Mal am Tag stoßlüften – in viel genutzten Räumen (Schlafzimmer) oder bei hohem Feuchteeintrag (Bad) sollten

Sie sich sogar vier oder mehr Zeitpunkte zum Lüften aussuchen. Verteilen Sie diese möglichst gleichmäßig über den Tag und heizen Sie dazwischen alle Räume, auch das Schlafzimmer.

Richtig Lüften während der Corona-Pandemie

Während der Corona-Pandemie hat richtiges Lüften eine zusätzliche Dimension erhalten. In geschlossenen Räumen verteilen sich Coronaviren über sogenannte Aerosole (feine luftgetragene Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne) leicht im ganzen Raum. Regelmäßiges Lüften hilft, die Virenlast und Infektionsgefahr zu senken. Dies gilt vor allem für Räume, in denen sich mehrere Personen aufhalten, wie Büros, Schulen und Kitas. Folgende Lüftungstipps sind daher zu beherzigen:

  • Stündlich möglichst viele Fenster für circa fünf bis maximal zehn Minuten öffnen.
  • Räume, in denen Besprechungen oder Seminare abgehalten werden, sollten sogar alle 20 Minuten mit frischer Luft geflutet werden.
  • Einen CO2-Messer aufstellen, der Sie an das regelmäßige Lüften erinnert. Untersuchungen haben ergeben, dass die Aerosol-Konzentration parallel mit der CO2-Konzentration in der Luft steigt. Spätestens bei 1.000 ppm CO2-Moleküle pro Kubikmeter Raumluft sollte gelüftet werden.
  • Beim Stoßlüften sollten für mehr Effektivität auch Türen zusätzlich geöffnet werden.
  • Eine automatische Außenluftzufuhr ist zu empfehlen und Umluftbetrieb zu vermeiden.
  • Zusätzlich sind Luftfilter, die Partikel und mikrobielle Kontaminationen aus der Luft entfernen, eine sinnvolle Ergänzung. Diese stellen aber keinen Ersatz für das Lüften dar, denn einige Aerosole sind viel kleiner als die Filter in den Anlagen.

Richtig Lüften im Schlafzimmer

Für ein gutes Raumklima im Schlafzimmer sollten Sie mehrmals täglich stoßlüften, mindestens nach dem Aufstehen, nach der Arbeit und vor dem Schlafengehen. Das ist besonders wichtig, da wir im Schlaf durch unser Atmen und Schwitzen bis zu einem Liter Flüssigkeit ausdünsten. Wer möchte, kann die Fenster im Sommer nachts gekippt lassen, das bringt einen stetigen Luftaustausch. Im Sommer kühlen die Wände ja auch nicht aus. Im Winter empfiehlt es sich jedoch, das Fenster über Nacht zu schließen und lediglich die regelmäßigen, intensiven Stoßlüftungen durchzuführen. Achten Sie darauf, dass Ihr Schlafzimmer im Winter auch ausreichend geheizt wird, damit die Außenwände nicht zu sehr abkühlen. Wenn Sie nachts gerne kühler schlafen, drehen Sie die Heizung abends im Schlafzimmer rechtzeitig runter und morgens wieder rauf. Eine indirekte Beheizung durch eine geöffnete Zimmertüre führt oft zu einem erhöhten Feuchtetransport ins Schlafzimmer aus den anderen Räumen und zu einem Auskühlung der Außenwände.

Richtig Lüften in der Küche

Beim Kochen entsteht Wasserdampf, der die Luftfeuchtigkeit deutlich beeinträchtigen und bei unzureichender Belüftung zu Schimmelbildung führen kann. Beim Kochen können Sie auf die Kippstellung der Fenster und zusätzlich auf eine Dunstabzugshaube mit Außenabzug setzen. Sind Sie mit dem Kochen fertig, ist stoßlüften bei geschlossener Zimmertüre angesagt. Denn die Feuchtigkeit soll ja raus und nicht in Ihre Wohnung.

Richtig Lüften im Bad

Im Badezimmer können Luftfeuchtigkeit und -temperatur stark variieren. Um hohe Spitzen, die durch Duschen, Baden und Co. entstehen, loszuwerden, lüften Sie den Raum direkt nach dem Verlassen, sodass die Feuchtigkeit ungehindert nach draußen gelangt. Öffnen Sie das Fenster so weit wie möglich und halten Sie die Türe zum Badezimmer geschlossen. Besitzen Sie mehr als ein Fenster in Ihrem Bad, öffnen Sie gleich alle, damit ein schneller Luftwechsel herbeigeführt wird. Eine Lüftungsanlage kann hier unterstützend wirken.

Haben Sie kein Fenster im Badezimmer, achten Sie darauf, dass die Entlüftung richtig funktioniert und auch lange genug nachläuft. Am besten eignen sich Entlüfter mit eingebautem Hygrostat. Die springen bei einer voreingestellten Luftfeuchtigkeit automatisch an und laufen, bis diese wieder unterschritten wird.

Besonders im Badezimmer ist mehrfaches über den Tag verteiltes Lüften sehr wichtig. Die Feuchtigkeit aus Handtüchern und Badematten wird nach und nach von der Luft aufgenommen und will herausgelüftet werden.

Richtig Lüften im Wohnbereich

In anderen Wohnbereichen ist regelmäßiges richtiges Lüften ebenso das A und O. Spätestens, wenn Sie die Luftqualität durch Geruch oder anderes Empfinden als schlecht wahrnehmen, sollten Sie Ihre Fenster weit öffnen und frische Luft hereinlassen. Auch hier sind zweimal am Tag für jeweils mindestens 5 Minuten ein guter Richtwert.

Richtig Lüften im Keller

Da die Wände in Kellerräumen meist relativ kalt sind, kondensiert die Luftfeuchtigkeit von warmer Luft leichter, wodurch sich Schimmel schneller bilden kann. Im Sommer sollten Sie die Räume daher möglichst wenig und nur bei sehr trockener Luft nachts oder in den frühen Morgenstunden lüften. Im Winter kann jederzeit gelüftet werden, wobei die Fenster nicht dauerhaft geöffnet sein sollten, da sonst die Keller auskühlen und Frostschäden entstehen können.

Eine Hand betätigt den Griff eines Fensters, um richtig zu lüften.
Richtiges Lüften variiert je nach Jahreszeit. © Aitor Diago

Lüften im Sommer

Im Sommer ist in der Außenluft meist mehr Feuchtigkeit gespeichert als in der Innenluft. Somit steigt die Luftfeuchtigkeit in Ihren Wohnräumen an, wenn die Frischluft drinnen abkühlt. Das ist besonders für das Schlafzimmer wie auch für den Keller sehr ungünstig, da diese Räume zumeist die kühlsten Orte im Haus sind. Lüften Sie Ihre Räumlichkeiten daher früh am Morgen und spät abends, wenn die Luft draußen ein wenig abgekühlt ist, und nur, wenn es trocken ist. Stoßlüften ist auch hier die richtige und effektivste Lüftungsstrategie. Die Stoßluftzeiten dürfen im Sommer ruhig länger ausfallen: zwischen 20 und 30 Minuten sind kein Problem. Dauerhafter Durchzug ist zu vermeiden.

Richtig Heizen und Lüften im Winter

Im Winter sind die Außentemperaturen deutlich kälter als die ideale Raumtemperatur. Wenn Sie lüften, tauschen Sie warme Luft gegen kalte Frischluft, die in Ihren Wohnräumen erwärmt wird. Durch die Erwärmung sinkt die relative Luftfeuchtigkeit. Stoßlüften Sie daher mehrmals am Tag. Die Lüftzeiten können Sie ruhig etwas kürzer halten als im Sommer: zwischen fünf bis zehn Minuten sind optimal. So verhindern Sie, dass Ihre Wohnung zu sehr auskühlt. Die Zimmertüren sollten Sie beim Lüften von Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Bad oder Küche geschlossen halten. Sammelt sich Kondenswasser an Fensterscheiben, ist dies umgehend wegzuwischen.

Richtiges Lüften: Eine Frau steht vor ihren geöffneten Fenstern.
Sollten Sie nicht in jedem Raum die Möglichkeit fürs richtige Lüften haben, gibt es verschiedene Alternativen, auf die Sie zurückgreifen können. © Kathrin Ziegler / DigitalVision

Lüften ohne Fenster zu öffnen – geht das?

Gerade in Wohnräumen, die über wenige Fenster verfügen, fällt das richtige Lüften natürlich schwer. Somit sind Alternativen wie Lüftungsanlagen oder zusätzliche kleine

Helferlein, wie Pflanzen gefragt, die das Raumklima verbessern. Vorher sollten Sie jedoch versuchen, alle betroffenen Räume durch Nachbarräume mitzulüften. Halten Sie daher die Innentüren weit geöffnet, während Sie in naheliegenden Zimmern stoßlüften.

Hilft dies nicht und die Luftfeuchtigkeit sowie die Raumtemperatur lassen sich nicht regulieren, ist die Anschaffung einer Lüftungsanlage eine Überlegung wert.

Lüftungsanlagen

Wenn richtiges Lüften nicht mehr ausreicht, kann eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eine optimale Ergänzung sein, um das Raumklima gesund und angenehm zu halten. Für Einzelräume oder die Nachrüstung gibt es extra dezentrale Anlagen, die keinen großen Installationsaufwand benötigen. Eine Lüftungsanlage sorgt für einen gleichmäßigen und kontrollierten Luftaustausch – je nach Bedarf und Einstellung. Dies ist vor allem dann eine lohnende Investition, wenn…

  • … die Zeit und/oder Gelegenheit zum regelmäßigen Lüften fehlt
  • … aufgrund eines Lärm- oder Einbruchschutzes Fenster nur selten geöffnet werden können.
  • … Schadstoffe und Pollen von außen aus der Frischluft gefiltert werden sollen.
  • … die Gebäudehülle nach Erneuerung der Fenster oder Sanierung des Dachs wesentlich luftdichter geworden ist.

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