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Open Air mit Heizung

Die ESPRIT arena in Stockum ist nicht nur eine Multifunktionsarena. Auch technisch und architektonisch ist sie ein echtes Highlight. Und war eine Herausforderung.

Die bunten Sitze der ESPRIT arena sind auch leer ein Hingucker.

Vor elf Jahren stand hier noch das ehrwürdige Rheinstadion. Jetzt schmückt sich der Düsseldorfer Stadtteil Stockum mit der ESPRIT arena, einer der größten und innovativsten Multifunktionshallen Europas. 218 Millionen Euro hat sie gekostet und eine Menge Diskussionen ausgelöst. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Als die Stadt Düsseldorf im Jahr 2001 bekannt gab, das in die Jahre gekommene Rheinstadion durch eine moderne Multifunktionsarena zu ersetzen, hatten der damalige Oberbürgermeister Erwin und der Stadtrat noch die Fußball-WM 2006 im Visier und rechneten mit Düsseldorf als Austragungsort. Zudem lief noch die Bewerbung Deutschlands für Olympia 2012. Beide Hoffnungen wurden jedoch enttäuscht. Und viel Kritik wurde laut: Braucht Düsseldorf überhaupt eine Arena dieser Größe? Die Fortuna spielte damals nur in der Oberliga, als Austragungsort für ihre Heimspiele war die neue Arena mit ihren 54.600 Plätzen überdimensioniert. Dass hier zunächst nur die American-Football-Profis von Düsseldorf Rheinfire spielten, tröstete auch nur wenige, da sich trotz gut gefüllter Halle bei den Spielen nicht alle Düsseldorfer für die amerikanische Sportart begeistern konnten. Auch dass die Arena als Konzertbühne zum Magneten für große Stars werden könnte, bezweifelten viele, denn die Konkurrenz in der Region war groß. Doch das perfekt ausgeführte Baukonzept und der breit angelegte Mix verschiedener Einnahmequellen überzeugen bis heute und lassen Skeptiker und Kritiker verstummen.

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Schon die Sprengung des ehrwürdigen Rheinstadions im Jahr 2002 war eine technische Meisterleistung.

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Ein Musterbeispiel für perfekte Zusammenarbeit

Schon die Sprengung des ehrwürdigen Rheinstadions im Jahr 2002 war eine technische Meisterleistung. Was darauf folgte, war nicht minder beeindruckend: Im Januar feierte man noch die Grundsteinlegung, ein Jahr später bereits das Richtfest. In dieser kurzen Zeit wurden über 7.500 Betonfertigteile mit einem Gewicht von bis zu 65 Tonnen und einer Länge von fast 40 Metern verbaut. Möglich war dies nur durch eine perfekt geplante und durchgeführte Logistik. Der ambitionierte Zeitplan wurde exakt eingehalten, und die veranschlagten Kosten wurden nicht überschritten, sondern sogar gesenkt. Ein Novum, wenn man sich andere Großprojekte der jüngeren Vergangenheit anschaut, ist diese Leistung nicht hoch genug zu loben. Und nicht nur der Bau der Arena setzte neue Maßstäbe, auch die Konstruktion selbst ist mehr als beeindruckend.

Durchdacht gemacht

Der Gesamtentwurf der Arena allein ist schon beeindruckend. Verantwortlich hierfür ist die Architektengruppe JSK, die neben internationalen Projekten auch für den Ausbau der Hafenspitze an der Speditionsstraße bekannt ist. Eines der Highlights ist sicherlich die gigantische 8.000 Tonnen schwere Dachkonstruktion, die von zwei 180 Meter langen Stahlträgern gehalten wird. Gut, dass die Arena in unmittelbarer Nähe zum Rhein liegt, denn die gewaltige Masse dieser Bauteile ließ sich nur auf dem Wasserweg transportieren. Besonders beeindruckend ist das riesige Schiebedach. Die beiden Hälften sind je 127 Meter lang, 19 Meter breit und 9 Meter hoch und können das komplette Innenfeld mit einer Fläche von 113 mal 70 Metern verschließen – und das in nur 30 Minuten. Eine simple Idee, aber: Das Schließen eröffnet ganz neue Möglichkeiten und macht aus einem reinen Fußballstadion erst eine echte Multifunktionsarena.

Genial multifunktional

Ein entscheidender Aspekt für den Erfolg der Arena ist es, nicht nur von einem Hauptnutzer abhängig zu sein, sondern durch eine Vielfalt von Vermarktungsmöglichkeiten Einnahmen zu erzielen. Dank des Schiebedachs bietet sie nicht nur Raum für große Sportereignisse, sondern auch für Musik-, Show- und Messe-Events. Mehr als 20 VIP-Logen, ein luxuriöser Business-Club und ein Hotel mit über 500 Betten stehen bereit und ermöglichen auch große Tagungen und Kongresse. Ergänzt wird die Multifunktionalität noch durch großzügige Büro- und Ausstellungsflächen. Und es gibt sogar eine 1.900 Quadratmeter große Bowlingbahn.

Eine weitere Einnahmequelle ist die Vergabe von Catering-Rechten: 24 Gastronomie-Stände sorgen für das leibliche Wohl der Besucher. Demnächst erweitern asiatische, italienische und mexikanische Leckereien das kulinarische Angebot über Currywurst und Co hinaus.

Name wechsle dich

Als die Arena im Jahre 2005 eröffnet wurde, hieß sie noch LTU Arena. Die traditionsreiche Düsseldorfer Fluglinie wurde allerdings zwei Jahre später von Air Berlin geschluckt, die drei Buchstaben verschwanden vom Markt und auch aus dem Namen der Arena. Seit Juli 2009 heißt das Stadion nun ESPRIT arena. Auch ein Name mit Düsseldorfer Bezug, denn die Modemarke hat in Ratingen einen ihrer beiden weltweiten Hauptsitze. Nur im Jahr 2011 wurde sie kurzfristig umgetauft in Düsseldorf Arena. Aus einem rein rechtlichen Grund: Der Eurovision Song Contest fand in der Arena statt, ESPRIT war allerdings kein Sponsor der Veranstaltung. Zwei Jahre später sorgte das Unternehmen für Verstimmung, als es versuchte, frühzeitig aus dem laufenden Vertrag auszusteigen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied jedoch, dass ESPRIT noch bis 2019 Namenssponsor bleiben muss. Was danach kommt, bleibt abzuwarten. Wer weiß – vielleicht heißt das Stadion dann Killepitsch Arena. Man darf jedenfalls gespannt sein.

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Über 100 Ventilatoren können bis zu 900.000 Kubikmeter Luft in der Stunde umsetzen.

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Innovativ bis in kleinste Detail

Neben der monumentalen Schiebedachkonstruktion ist die einzigartige Heizungsanlage das Prunkstück der ESPRIT arena: Die Kombination aus Luftheizung, Gasstrahlern und Fußbodenheizung ermöglichen selbst bei Außentemperaturen von -15 °C auf den Rängen angenehme 15 °C – das gibt es nirgendwo auf der Welt. Dafür wurden alleine zehn Kilometer Heizleitungen verbaut. Über 100 Ventilatoren können bis zu 900.000 Kubikmeter Luft in der Stunde umsetzen. Das entspricht dem Ladevermögen von 36.000 Schüttgut-Lkw! Insgesamt durchströmen pro Stunde drei Millionen Kubikmeter Luft die gesamte Klima- und Lüftungstechnik. Mit den Stadtwerken Düsseldorf hat die ESPRIT arena dabei einen zuverlässigen Partner an ihrer Seite, der die Versorgung mit Strom und Gas sicherstellt.

Innovation findet sich auch im kleineren Maßstab – mit ebenfalls großer Wirkung. So sind die Sitze der Arena nicht einfarbig, sondern bunt. Was im ersten Moment chaotisch anmutet, ist absolut beabsichtig und hat nichts mit gestalterischem Wagemut zu tun. Tatsächlich beruht die Verteilung der farbigen Sitzschalen auf einem exakten Plan der Architekten. Auf diese Weise erscheint das Stadion im Fernsehen selbst bei leeren Rängen gut gefüllt. Denn aus der Ferne interpretiert das menschliche Auge die farbigen Flächen als Zuschauer. Einfach genial! Zudem passten die bunten Sitze zu dem Motto und dem Logo der Olympiabewerbung „So bunt wie die Welt“, wobei die Farben Gelb, Rot, Blau und Schwarz zusammen mit dem Grün des Rasens für die Farben der olympischen Ringe stehen. Anstelle der sechsten Farbe Weiß wurden jedoch mehrere Grautöne verbaut.

Allerdings muss sich die Arena selten um leere Sitze sorgen. Die Fortuna hat sich mittlerweile in der 2. Bundesliga fest etabliert und lässt Hunderttausende Fans im Jahr auf den Rängen mitfiebern. Allein in der Saison 2015/16 lag der Zuschauerschnitt bei Heimspielen bei über 26.000. Kleine Randnotiz: Anfangs verfügte die Arena ausschließlich über Sitzplätze. Auf Drängen der Fans wurden jedoch nachträglich noch 10.000 Stehplätze geschaffen, die im weiten Rund für mehr Stimmung sorgen.

Große Bühne für Mega-Events

Neben den widererstarkten Fortunen bietet die ESPRIT arena deutschen wie internationalen Stars eine große Bühne. Für ihre Konzerte lässt sich der Innenraum mitnutzen und so die Arena auf über 66.000 Plätze erweitern. Zur Eröffnung im Jahre 2005 spielte Herbert Grönemeyer vor ausverkauftem Haus und begeisterte insgesamt 100.000 Fans. Rock- und Popgrößen wie die Düsseldorfer Kultband Die Toten Hosen, Phil Collins, Depeche Mode, Madonna, Bon Jovi, Bruce Springsteen oder die Rolling Stones machten hier bereits Station. Stefan Raab ließ in der Arena Stock Cars ihre Runden drehen, und auf einer eigens angefertigten Rennstrecke lieferten sich Michael Schumacher und Sebastian Vettel spannende Duelle im „Race of the Champions“. Wie multifunktional die Arena tatsächlich ist, bewies das zweite DEL Winter Game im Januar 2015: Bei geschlossenem Dach standen sich die Rivalen der Düsseldorfer EG und der Kölner Haie in einer Eishockey-Partie gegenüber. Den Klassiker unter den Eishockeyspielen feuerten 51.125 Zuschauer an. Ein neuer Besucherrekord für ein Eishockeyspiel auf Vereinsbasis in Europa.

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Der Bau hat neue Maßstäbe in Sachen Planung, Logistik, Effizienz und Innovation gesetzt.

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Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Was anfangs noch bezweifelt wurde, ist heute Realität: Die ESPRIT arena ist ein voller Erfolg. Der Bau hat neue Maßstäbe in Sachen Planung, Logistik, Effizienz und Innovation gesetzt. Und das multifunktionale Gesamtkonzept lockt Showgrößen aus aller Welt in unsere Landeshauptstadt. So war beispielsweise Mitte Juli Superstar Beyoncé zu Gast. Und die Fortuna wird wieder vor vollen Rängen um den Aufstieg in die 1. Bundesliga kämpfen. Das freut die Stadtwerke Düsseldorf als Premium-Partner des Traditionsvereins und Energielieferant der ESPRIT arena natürlich besonders.

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