
Düsseldorf ist nur schickimicki? Von wegen! Lernen Sie mit diesem Interview unsere schöne Stadt von einer ganz neuen Seite kennen.
Ein Düsseldorfer, der über unsere schöne Stadt schreibt – und das alles andere als langweilig. Wir waren mit Autor Colja Schliewa im Gespräch und haben ihn ins Verhör genommen. Viel Spaß beim Interview.
Ihr Buch trägt den Titel „Düsseldorf – Altbier, Schnaps und Rock ’n’ Roll“. Was macht diese Mischung so typisch für die Stadt – und was sagt sie über den Düsseldorfer Charakter aus?
Das sind die drei Zutaten, die die Altstadt ausmachen. Sozusagen die heilige Dreifaltigkeit der “längsten Theke der Welt”. Man steht am Biertisch und unterhält sich bei einem Alt oder Killepitsch und lauter Rockmusik. Das ist der Basischarakter der Altstadt, wegen dem erst die ganzen Dönekes entstehen konnten.
Düsseldorf wird oft zwischen Tradition und Moderne beschrieben. Wo haben Sie bei Ihrer Recherche die spannendsten Brüche oder überraschendsten Geschichten entdeckt?
Wenn man mal richtig in die Geschichte der Altstadt als Vergnügungsviertel eintaucht merkt man, wie sehr sich hier im Laufe der Zeit alles verändert hat, während zu gleicher Zeit doch irgendwie beim Alten geblieben ist. Das klingt zunächst paradox. Ist aber so. Im Moment macht die Altstadt wohl ihren größten Umbruch durch. Viele Ketten drängen an die “längste Theke der Welt”, weil die normalen Wirte die explodierenden Pachten nicht mehr bezahlen können. Und natürlich die Kioske. Eine schwere Zeit. Aber auch die wird die Altstadt überstehen.
Viele verbinden Düsseldorf mit Mode, Kunst und Luxus – Sie erzählen eher die raueren, musikalischen und nächtlichen Seiten. Warum ist genau diese Perspektive wichtig?
Das ist doch genau das, was die Altstadt ausmacht. Obwohl die Königsallee nur einen Steinwurf entfernt ist, ist sie das genaue Gegenteil. Trotzdem wird der Düsseldorfer immer nur von Auswärtigen auf Kö-Schickimicki-Stereotypen reduziert. Bis sie mal in die Altstadt gehen. Da sehen sie dann, wie der Banker gemeinsam mit dem Punk am Biertisch steht. Das ist Düsseldorf.



Altbier ist mehr als nur ein Getränk – es ist fast schon ein Lebensgefühl. Welche Rolle spielt die Kneipenkultur für die Identität Düsseldorfs heute noch?
Wenn man sich jetzt mal vorstellt, wie die Altstadt schmeckt, welchen Geschmack hat man dann im Mund. Richtig - den von kühlem erfrischendem Altbier. Meiner Meinung nach produzieren unsere Düsseldorfer Hausbrauereien das beste Bier der Welt.Und natürlich ist es auch ein Lebensgefühl. Es ist der Anker der uns das Gefühl gibt, dass trotz aller Veränderungen doch irgendwie alles beim Alten bleibt. Denn eine Altstadtkneipe ohne Altbier - das wird immer undenkbar sein.
Was sind denn die vergessenen Schätze der Kneipenkultur, die es heute nicht mehr gibt?
Bei meinen Recherchen bin ich auf echte Schätze gestoßen, die die Düsseldorfer Altstadt sehr geprägt haben. Angefangen von der Diskothek "Die Spitze" in der Nähe des Burgplatzes, die man traditionell über eine Rutsche betrat. Oder "Old Smuggler" auf der Kurzestraße. Nicht zu vergessen auch das Café Littfass auf der Andreasstraße. Und da könnte ich viele weitere nennen. Auch wenn es diese Kneipen und Clubs nicht mehr gibt: Die Altstadt wandelt sich und passt sich auch den Wünschen der Besucher:innen an. Das erklärt dann auch, warum es manche Lokale noch gibt und andere in der Versenkung verschwunden sind.
So manchen Kult kriegste einfach nicht kaputt.Colja Schliewa • Zu der Frage: "Warum bleiben manche Läden über Jahrzehnte bestehen?"
Welche Orte in Düsseldorf verkörpern für Sie persönlich am stärksten das „Rock ’n’ Roll“-Gefühl der Stadt?
Das lässt sich nicht nur auf gewisse Kneipen und Brauhäuser reduzieren. Man merkt es am Wind, der durch die Gassen weht. An den Menschen, die in der Altstadt arbeiten. Daran, dass an jedem zweiten Biertisch einer winkt, den man kennt. Wenn man in die Altstadt geht, ist das so, als ob man auf ein Festival geht.
Gab es bei Ihren Recherchen eine Begegnung oder Geschichte, die Sie besonders überrascht oder vielleicht sogar Ihre Sicht auf Düsseldorf verändert hat?
Mir ist bei den Recherchen ein Buch über Altstadtkneipen von Ende der 60er Jahre in die Hände gefallen. Da drin wurden legendäre Kneipen beschrieben, von denen ich zu 80 Prozent noch nie gehört hatte. Es stellte sich heraus, dass sie dort waren, wo mittlerweile andere legendäre Kneipen existieren. Kneipen von denen ich annahm, dass sie schon immer da waren. Das gibt einem zu denken. Und zeigt, dass die Altstadt immer im Wandel ist.
Wenn Sie Düsseldorf in drei Songs beschreiben müssten – welche wären das und warum?
“One Bourbon, One Scotch, One Beer” von George Thoroughgood. Weil dazu ein so schönes Trinkspiel gehört, das wir vor vielen Jahren erfunden haben.
“Keep Your Hands To Yourself” von den Georgia Satellites. Weil den DJ Gary immer im Auberge auflegt, wenn er mich sieht.
“Whole Lotta Shaking Going On” von Jerry Lee Lewis. Der wohl gleichzeitig coolste und heißeste Rock ‘n’ Roll-Song gleichzeitig. Passt zur Altstadt wie der Deckel aufs Mosterttöpfchen.
