WohnKultur

Blockhaus, Stadtvilla und Co. – das Zuhause aus dem Baukasten

Worauf Sie bei einem Fertighaus achten sollten

Damit alles passt, sollten Bauherren einige Dinge beachten.

Klapprig, schnell baufällig, langweilig. Dies sind nur einige der Vorurteile gegenüber Fertighäusern. Allerdings stehen gute Fertighäuser heute ihren gemauerten Vertretern in nichts nach. Experten vermuten, dass in 10 Jahren jeder vierte Neubau aus dem Musterkatalog stammt. Doch auch beim Fertighaus gibt es einiges zu beachten.

Es ist und bleibt die wichtigste finanzielle Entscheidung, die ein Privathaushalt treffen kann: der Bau oder der Kauf eines eigenen Hauses. Aus gutem Grund: Es geht schlichtweg darum, die kommenden Jahrzehnte finanziell eine große Bürde zu schultern. Das will natürlich alles gut überlegt sein. Und vor allem möchte jeder – wenn möglich – Geld sparen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Fertighäuser mit nüchterner und einfacher Bauweise gleichgesetzt. Das Design war karg, die Haustechnik am unteren Limit. Kontern konnten Fertighäuser gegenüber der klassischen Massivbauweise aber beim Preis. Diese Zeiten sind vorbei. Fertighäuser gibt es heute in allen Preiskategorien, selbst die Villa mit mehreren Hundert Quadratmetern ist lieferbar. Wo liegen also heute noch die Vorteile?

Bequem und schnell, aber nicht billig

Der große Vorteil von Fertighäusern ist die Bauzeit. Viele Hersteller versprechen, dass das Haus in zwei bis drei Tagen aufgebaut ist. Andere sogar in einem Tag. Lästige Baustellenbesuche und Baustopps wegen Wetterkapriolen sind da eher ausgeschlossen. So können einige Fertighäuser bereits in nur drei bis vier Monaten einzugsfertig sein. Bei Massivhäusern dauert es in der Regel mit acht Monaten doppelt so lange. Die vergleichsweise kürzere Bauzeit hilft dem Bauherrn, die Baukosten im Griff zu behalten. Doppelbelastungen durch Kreditzinsen und Miete gibt es zwar auch hier, aber unvorhergesehene Verschiebungen des Einzugstermins, weil das Wetter nicht mitspielt oder Handwerker nicht vor Ort sind, spielen bei Fertighäusern oftmals nicht so eine bedeutende Rolle. Aber Achtung: Wer denkt, ein Fertighaus sei damit immer preiswerter als ein vergleichbares Massivhaus, der irrt. Und zwar gewaltig. Tatsächlich sind Fertighäuser in der Regel sogar etwas teurer. Das liegt daran, dass sich die Anbieter die Zeitersparnis beim Hausbau bezahlen lassen.

Sehen, wo man später wohnen wird

Sie sind inzwischen an Autobahnkreuzen großer Metropolen nicht mehr wegzudenken: Musterhausparks. Jedes Wochenende schauen sich Hunderte zukünftige Bauherren hier die Objekte der Begierde an. Designtechnisch gibt es alles: ob Schwarzwaldhaus, Bauhausvilla oder normale Doppelhaushälfte – nichts, was es nicht als Fertighaus zu kaufen gäbe. Der Vorteil für den Bauherrn liegt auf der Hand. Statt sich im besten Fall mithilfe von im Computer generierten Bildern das neue Zuhause vorzustellen, kann er tatsächlich durch seine zukünftige Heimat gehen. Vielfach fallen dabei Dinge auf, die der Laie auf einem Bauplan nicht erkannt hätte.

Vorsicht bei den Ausbaustufen

Bauleistungsbeschreibung nennt sich der wohl wichtigste Bestandteil des Kaufvertrags. Hier legen Käufer und Verkäufer fest, welche Arbeiten und Ausstattungsmerkmale im Kaufpreis enthalten sind. Anders als noch vor ein paar Jahren gibt es so gut wie keine Wünsche, die nicht auch ein Fertighaussteller erfüllen kann. Mit Musterhäusern ist es wie mit Autos im Showroom. Zwischen Ausstellungsstück und normalem Listenpreis klaffen gerne große Lücken. Daher immer darauf achten, welche Leistungen und Materialien tatsächlich in der gewählten Ausbaustufe dabei sind. Lieber einmal mehr nachfragen, statt später eine böse Überraschung zu erleben. Wer keine Ahnung vom Bauen hat, sollte sich einen Berater an seine Seite holen. Das mag zwar Geld kosten, kann aber auf der anderen Seite viel Geld sparen. Auch sollte der finale Vertrag von einem Juristen überprüft werden. Es gibt etliche Klauseln, die von obersten Gerichten für nichtig erklärt wurden, aber immer noch in dem einen oder anderen Vertrag auftauchen.

Planen spart Geld

Anders als bei einem Massivhaus müssen Bauherren von Fertighäusern viel früher in die Planung einsteigen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass das ganze Haus in einer Fabrik komplett auf einmal entsteht. Inklusive aller Hausanschlüsse und Installationen. Da gilt es gut zu überlegen, was wo wie verbaut oder gebraucht wird. Wer hier beispielsweise nicht von Anfang an die richtige Anzahl von Steckdosen im Wohnzimmer bestellt, kommt um teure Änderungen im Nachhinein nicht herum.

An alle Kosten denken

Viele Fertighausbauer vergessen, dass sie nur eines kaufen: das Fertighaus. Ohne Grundstück. Was im Musterpark sehr schön wirkt, kann auf dem eigenen Baugrund zum Fiasko werden. Wer den Anschluss an das städtische Versorgungsnetz nicht penibel plant, wird eine böse Überraschung erleben. In einem Viertel der Fälle sind es gerade die Kosten für die Erschließung und den Anschluss, die das Baubudget sprengen. Denn diese Kosten belaufen sich schnell auf einen fünfstelligen Betrag. Auch wer ein erschlossenes Grundstück mit Anschlüssen für Wasser, Kanalisation, Strom und Telefon bis zur Grundstücksgrenze besitzt – Fertighausanbieter sparen die Kosten für die Verbindungen gerne in ihren Kalkulationen aus.

Fazit: Fertighäuser können heute alles, was auch Massivhäuser können. Sie sind vielfach die bequemere Alternative, aber nicht die preiswertere. Wer einen seriösen Anbieter wählt, sich einen Fachmann für die Planung und den Kauf an seine Seite holt, der kann entspannt dem Einzug entgegensehen.

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