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Stromexport in der Energiewende – Das ändert sich für Deutschland

Spannende Entwicklungen im deutschen Strom-Exportüberschuss.

Hochspannungsleitungen auf dem Land

Während sich der Strommix in Deutschland seit einigen Jahren zugunsten der erneuerbaren Energien verschiebt, geht der deutsche Stromexport zurück. Was genau das bedeutet und wie sich die Möglichkeit des Imports und Exports künftig auf die Stromversorgung auswirkt, erfahren Sie hier.

Stromexport und -import: Deutschland als Drehscheibe der europäischen Stromflüsse

Deutschland liegt inmitten des dichten europäischen Stromnetzes und ist aufgrund seiner zentralen geographischen Lage ein wichtiger Partner im europäischen Strommarkt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes hielten sich Stromerzeugung und -verbrauch bis zum Jahr 2003 etwa die Waage. Seither produziert Deutschland mehr Strom als hier verbraucht wird. Dieser überschüssige Strom wird ins Ausland exportiert. Im Jahr 2017 erreichte der Stromexport einen Höchststand von 52 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Diese Menge reicht aus, um ganz Portugal ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Der physikalische Stromaustausch erfolgt mit elf Nachbarländern innerhalb des europäischen Stromverbundes UCTE (Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity). Dazu gehören Dänemark, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen und über Seekabel auch Schweden und Norwegen. Doch warum ist der Import und Export von Strom wichtig?

Stromerzeugung unterliegt immer gewissen Schwankungen. Die Stromexporte und -importe im gleichen die Differenzen zwischen Verbrauch und Erzeugung aus. Je nachdem, wo gerade viel benötigt oder gebraucht wird, fließen hohe Mengen an Strom zwischen den Ländern. Beispielsweise exportierte Deutschland im Jahr 2021 hauptsächlich nach Österreich, gefolgt von Polen und der Schweiz. Im selben Jahr jedoch importierte Deutschland mehr Strom von Belgien als dorthin exportiert wurde – der Stromaustauch ist also ein ständiges Wechselspiel.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie sich der Stromexport in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat und welche Auswirkungen die Energiewende auf den Stromaustausch hat.

Blick auf Windkraftanlage
Die Windenergie spielt in Deutschland die tragende Rolle beim Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Bruttostromerzeugung in Deutschland und Auswirkungen auf den Stromexport

Die in Deutschland produzierte Strommenge wird als Bruttostromerzeugung bezeichnet. Sie wird vor der Einspeisung in das Stromnetz gemessen. Von diesem Wert wird der Eigenverbrauch der Kraftwerke und die Verluste durch den Stromtransport abgezogen, um die Nettostromerzeugung zu ermitteln – also jene Strommenge, die dem Endverbraucher zur Verfügung steht. Die Menge an produziertem Strom hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt:

  • 1990-1993: Nach der deutschen Wiedervereinigung werden zahlreiche, meist veraltete Industrie- und Kraftwerksanlagen in den neuen Bundesländern stillgelegt. Die Bruttostromerzeugung nimmt folglich ab.
  • 1993-2009: Die Stromerzeugung steigt aufgrund des wachsenden Bedarfs wieder an.
  • 2009: Der starke konjunkturelle Einbruch sorgte für einen kurzzeitigen deutlichen Rückgang in der Stromerzeugung, anschließend stieg sie wieder stark.
  • Seit 2017: Im Jahr 2017 zählte Deutschland als größter Stromexporteur in Europa. Aufgrund der Außerbetriebnahme von konventionellen Kraftwerken, nimmt die Stromerzeugung allerdings seit 2018 stetig ab. 2020 war der Rückgang durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders stark. 2021 stiegen Erzeugung und Verbrauch gegenüber zum Vorjahr wieder an. Dennoch lagen sie weiterhin unter den Werten des Jahres 2019.

Tendenziell hat sich die Bruttostromerzeugung seit den 1990er Jahren stetig nach oben entwickelt. Allerdings geht der Ausfuhrüberschuss seit 2020 zurück. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig, liegen jedoch vor allem in den Klimaschutzzielen und der Energiewende begründet. Beispielsweise gehören der im europäischen Emissionshandel gestiegene CO2-Preis und der sinkende Anteil von Kohle- und Kernkraftwerken zu den Faktoren.

Eine Photovoltaikanlage mit Kohlekraftwerk im Hintergrund
2017 folgte ein Stromrekord auf den anderen: Noch nie zuvor wurde so viel Ökostrom und konventioneller Strom produziert. Das führte zu einem erheblichen Exportüberschuss.

Auch die Struktur der Bruttostromerzeugung hat sich seit 1990 deutlich geändert, was sich im Stromexport widerspiegelte. So war bis zum Jahr 2000 war der Anteil von Ökostrom noch gering. Er lag in Deutschland bei rund 7 Prozent. Der Anteil der Erneuerbaren Energien nahm bis 2017 kräftig zu – gleichzeitig wurde aber die Stromproduktion mit Braunkohle gar nicht und die mit Steinkohle nur mäßig reduziert. Seit wenigen Jahren steht der Klimaschutz stärker im Fokus und der Ausbau von nachhaltigen Energiequellen wie Photovoltaik, Windkraftanlagen oder Wasserkraftwerken nimmt zu.

So sicher ist die Stromversorgung in Deutschland

Klimaschutzmaßnahmen wie der Kohle- und Atomausstieg und der gestiegene CO2-Preis haben also große Auswirkungen auf den Stromexport. Im Jahr 2020 hat Deutschland deutlich mehr Strom importiert als in den vergangenen Jahren. Der Exportüberschuss hat sich halbiert. Bisher wurde der wegfallende Atomstrom durch Strom aus erneuerbaren Energiequellen und Importen aus anderen Ländern kompensiert. Laut Bundesverbands Erneuerbare Energie ist ein deutlicher Ausbau der erneuerbaren Energiequellen nötig, um eine Ökostromlücke zu vermeiden. Doch reicht reiner Ökostrom aus, um die Netzstabilität in Deutschland sicherzustellen?

Düsseldorfer Medienhafen in der Dämmerung
Düsseldorfer Medienhafen in der Dämmerung

Fakt ist: Die Stromversorgung in Deutschland ist sicher und wird es bleiben, auch mit Ökostrom und erhöhtem Stromverbrauch durch Elektromobilität. Es ist gut möglich, dass der Stromtausch im zukünftigen Energiesystem eine größere Rolle spielen wird als heute. In Zeiten, in denen nicht ausreichend erneuerbarer Strom aus Sonne und Wind erzeugt wird, kann vermehrt Strom aus den Nachbarländern importiert werden. In den vergangenen Wintern wurde deutlich, dass diese Maßnahme greift. Im Gegenzug kann Strom zu Zeiten negativer Residuallasten exportiert werden. Auch ausgebaute Speicherkapazitäten in den Alpenländern oder in Skandinavien unterstützen die dauerhafte Stromversorgung. Ein totaler Stromausfall, der stunden-, tage- oder sogar wochenlang anhält, ist im kontinentalen Stromverbund in Europa sehr unwahrscheinlich.

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