HeimatLiebe

Sternenkrieger im Einsatz für die Kinderkrebshilfe

Der Star Wars Stammtisch Aachen ist mit seinen Kostümen für den guten Zweck unterwegs.

Seit 40 Jahren ist es ein Phänomen: Star Wars. Die Sternensaga über die guten Jedis, die gegen die bösen Truppen von Darth Vader und Co. kämpfen, kennt fast jeder. Auch wenn es in den Filmen martialisch zugeht – im echten Leben sorgen Fans in authentischen Kostümen dafür, dass Böse wirklich Gutes tun. Beispielsweise in unserer Nachbarstadt Aachen.

In der alten Kaiserstadt im Dreiländereck Deutschland, Niederlande, Belgien gibt es einen ganz besonderen Stammtisch. Immer am ersten Samstag im Monat treffen sich dort Fans der Science-Fiction-Reihe, um in geselliger Atmosphäre über ihre Helden zu philosophieren. Im Schnitt finden sich rund 20 Begeisterte hier ein – Männer wie Frauen. Vielfach auch neue Gesichter, die über das Internet von diesem etwas anderen Stammtisch gehört haben. Denn – über Star Wars zu sprechen, ist hier nur ein Teil der Sache. In die Rollen der beliebten Charaktere zu schlüpfen, der andere. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn egal, welchen Job die Stammtischgäste im echten Leben ausüben, dank filmreifer Kostüme verwandeln sie sich in Jedis, Kopfgeldjäger, Ewoks, imperiale Soldaten oder eben den Oberschurken Darth Vader persönlich. Diese Kostüme werden immer dann angelegt, wenn der Stammtisch für einen guten Zweck unterwegs ist. Doch dazu später mehr.

Wo immer die Kostümträger auftauchen, sind sie beliebte Foto-Objekte.

Wo immer die Kostümträger auftauchen, sind sie beliebte Foto-Objekte.

Mit einem Kinobesuch fing alles an

Die Idee zu einem Stammtisch kam vier Filmfans vor genau drei Jahren. Alle waren mit der Sternensaga aufgewachsen, kannten jede Zeile des Dialogs in- und auswendig. Und saßen nun in einem Aachener Kino, um sich einen Star-Wars-Marathon anzuschauen. Eher zufällig kam man ins Gespräch. Schnell merkten die vier, dass sie zusammenpassten und beschlossen, einen Stammtisch zu gründen. Da drei der vier im beschaulichen Aachener Stadtteil Eilendorf lebten, wurde kurzerhand die dortige Dorfgaststätte – sonst eher vom Schützenverein und dem lokalen Karnevalsverein belegt – zum Stammtischlokal erkoren. Keiner der vier ahnte zu diesem Zeitpunkt, welch eine Erfolgsstory sich hinter dieser Idee verbergen sollte.

Viele Arbeitsstunden stecken in den Kostümen, die bis ins kleinste Detail den Vorbildern auf der Leinwand entsprechen.

Viele Arbeitsstunden stecken in den Kostümen, die bis ins kleinste Detail den Vorbildern auf der Leinwand entsprechen.

Heute hat sich das „Zum Treppchen“ von einer Dorfgaststätte zu einem nationalen Eldorado für Star-Wars-Fans gewandelt. Besucher des Stammtisches kommen auch gerne aus dem Ruhrgebiet oder von noch weiter her, um das Gespräch mit Gleichgesinnten zu suchen. Auch der Wirt – ebenfalls ein Star-Wars-Fan – spielt mit und hat kurzerhand den Innenraum in großen Teilen der Sternensaga gewidmet. Filmposter, Figuren und ein großes Logo des Star Wars Stammtisch Aachen lassen keinen Zweifel, welcher Stammtisch hier regelmäßig tagt.

Täuschend echte Kostüme im Einsatz für den guten Zweck

Nur über die Star-Wars-Filme zu sprechen, reicht den meisten Gästen allerdings nicht. So hat fast jeder in seinem Kleiderschrank ein oder mehrere Kostüme plus Zubehör wie Laserschwert oder Blaster. Die sind vielfach handgemacht und von den Kostümen und Accessoires des Films oft nicht zu unterscheiden. Der Reiz besteht auch darin, Effekte von der Leinwand so täuschend echt wie möglich, in die reale Welt zu überführen. Beispielsweise bei den Laserschwertern. Die sind in den Filmen ein optischer Effekt, der aufwendig Bild für Bild nachbearbeitet wird. Die Aachener Sternenkrieger hingegen setzen vielfach auf Marke Eigenbau und besonders starke LEDs. Damit kommen die Lichtschwerter bereits sehr nah an die Originale. Vor allem dann, wenn auch noch die originalen Filmgeräusche beim Einschalten oder Aufeinandertreffen der Klingen zu hören sind. Auch was die Kostüme selbst angeht, gibt es viele Sachen einfach nicht von der Stange zu kaufen. Gerade die Rüstungen entstehen in vielen Stunden liebevoller Handarbeit. Und bei der Bemalung dienen Fotos aus den Filmen als Vorlage. Über Kosten spricht man nicht gerne, jeder weiß, dass es ein teures Hobby ist. „Wenn ich einmal sterbe, hoffe ich, dass meine Frau die Sachen nicht für den Preis verkauft, den ich ihr genannt habe“, – ein Witz aus der Star-Wars-Fanwelt, der den Nagel allerdings sehr genau auf den Kopf trifft.

Kinder haben in den seltensten Fällen Berührungsängste. Manchmal möchten allerdings lieber die Väter mit aufs Foto und schicken ihre Kinder vor.

Kinder haben in den seltensten Fällen Berührungsängste. Manchmal möchten allerdings lieber die Väter mit aufs Foto und schicken ihre Kinder vor.

Zum Einsatz kommen diese Dinge immer dann, wenn es um einen guten Zweck geht. In erster Linie, um kranke Kinder zu unterstützen oder ihnen wenigstens für ein paar Minuten etwas Freude zu bereiten. „Es war eine große Freude für uns, dass wir seit Anfang des Jahres nun offiziell für die Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe sammeln dürfen“, sagt Michael Offermanns, einer der Gründer des Stammtisches. „Alle unsere Kostümträger sind eifrig bei der Sache und finanzieren ihre Auftritte – also Kostüm, Anfahrt und Verpflegung vor Ort – aus der eigenen Tasche“, führt er weiter aus. Solche Auftritte finden immer dann statt, wenn der Star Wars Stammtisch Aachen angesprochen wird. In der Regel sind es die Veranstalter von Benefizevents oder Vereinsfesten, die um die Wirkung der Star-Wars-Charaktere wissen. Denn egal, wie böse beispielsweise Darth Vader in den Filmen auch ist, die Kinder lieben den komplett in schwarz gekleideten Mann mit dem mysteriösen Helm, dem asthmatischen Röcheln und dem weiten Umhang. So wurde er erst jüngst bei einem Benefizfußballturnier mit Sprechchören empfangen. Für die Darsteller des Stammtisches sind Menschenaufläufe keine Seltenheit.

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Es war eine große Freude für uns, dass wir seit Anfang des Jahres nun offiziell für die Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe sammeln dürfen.
Michael Offermanns, einer der vier Gründer des Star Wars Stammtisches Aachen

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Bei einem Auftritt in der Aachener Niederlassung eines bekannten Elektronikmarktes sorgte die Truppe für eine Menschenschlange von der DVD-Abteilung bis zu den Kassen. Der Grund: Jeder konnte sich kostenfrei mit seinen Star-Wars-Lieblingsfiguren in passender Kulisse fotografieren lassen. Selbst der Chef des Marktes war von diesem Andrang überwältigt und begeistert zugleich. Ihren größten Auftritt bislang hatten die Sternenkrieger im Jahr 2016 beim Aachener CHIO. Dahinter versteckt sich das wichtigste Reissportturnier der Welt, vom Stellenwert in etwa zu vergleichen mit Wimbledon für den Tennissport. Hier liefen fast 30 Kostümträger im Dressurstadion vor rund 6.000 Zuschauern zu den Klängen der Filmmusik im Rahmen der Eröffnungsfeier auf. Ein unvergesslicher Moment für alle – Teilnehmer wie Publikum gleichermaßen.

Star Wars ist längst ein Phänomen, das den Weg in den Alltag – oder wie hier auf ein T-Shirt – gefunden hat.

Star Wars ist längst ein Phänomen, das den Weg in den Alltag – oder wie hier auf ein T-Shirt – gefunden hat.

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Als Familienvater nimmt einen das schon sehr mit, wenn man mit einem schwerstkranken Kind spricht, das im Alter des eigenen Sohnes ist.
Dietmar Thomas, Darth-Vader-Darsteller

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Wenn der Helm manchmal die Tränen bedeckt

So schön Auftritte vor großer Kulisse auch sind – es sind gerade die Begegnungen mit schwerstkranken Kindern, die für die Kostümträger im Vordergrund stehen. Einmal im Jahr werden sie über einen befreundeten Star-Wars-Fan beispielsweise in die Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin bei Bonn eingeladen. Offiziell zum Sommerfest, tatsächlich sind aber viele der Kostümierten dann auch auf den Stationen zu finden. „Es ist unglaublich, wie sehr die Kinder sich freuen, einen Jedi oder einen Stormtrooper in ihrem Zimmer zu sehen“, weiß Dietmar Thomas zu berichten. Er selbst ist froh, dass er als Darth-Vader-Darsteller unter einem Helm steckt. „Als Familienvater nimmt einen das schon sehr mit, wenn man mit einem schwerstkranken Kind spricht, das im Alter des eigenen Sohnes ist“, gesteht er. Aber er sieht auch das Positive. Denn sowohl die Eltern als auch die Kinder lieben diese Unterbrechung des nüchternen Krankenhausaufenthalts. Auch wenn es nur fünf Minuten sind. „Man sieht die Begeisterung in den Augen der Kinder und das Lachen im Gesicht der Eltern. Dafür nehmen wir alle das gerne in Kauf.“ Manchmal sind es sogar die letzten fröhlichen Momente, die die Kinder erleben. So geschehen im letzten Jahr, als Darth Vader und Prinzessin Leia mit einem scheinbar auf dem Wege der Besserung befindlichen Teenager scherzten. Später dann aber erfuhren, dass der Junge nur noch wenige Wochen leben wird. Von der Mutter erhielt der Stammtisch später die Nachricht über den Tod des Sohnes. Eine Woche nach dem Besuch. Aber mit einem Bild von Leia, Darth Vader und ihm selbst am Bett.

Und es sind genau diese Momente, die die Männer und Frauen des Star Wars Stammtisches Aachen antreiben und bestärken. Bestärken, ihre Freizeit auch weiterhin für den guten Zweck einzusetzen. Da unterscheiden sie sich nicht wirklich von ihren filmischen Vorbildern wie Luke Skywalker, Han Solo oder Prinzessin Leia. Die waren auf einer Mission, der Galaxis den Frieden wiederzugeben. Die Mission der Aachener Sternenkrieger lautet: Hoffnung zu schenken.

Übrigens ...

Wenn Sie sich von unserem Bericht über die Laiendarsteller aus Aachen haben anstecken lassen, und jetzt einmal echte Schauspieler an ganz besonderen Orten erleben möchten, sollten Sie den Bericht über das Düsseldorfer Schauspielhaus und seine etwas andere Inszenierung des „Faust“ lesen.