HeimatLiebe

Klein-Paris ganz groß in Düsseldorf

Warum der Grand Départ die Krönung einer ganz besonderen Verbindung ist

Das Baguette – das Symbol für französisches Leben schlechthin.

Bald startet mit dem Grand Départ in Düsseldorf die Tour de France. Eine tolle PR-Maßnahme? Ja, aber Düsseldorf verbindet tatsächlich viel mehr als nur das Radfahren mit Frankreich. Wir setzen uns auf die Spur der Freundschaft, die bereits im 16. Jahrhundert ihren Anfang nahm und jetzt mit dem Grand Départ einen weiteren Höhepunkt erreicht.

Er ist der Auftakt zum wichtigsten Radrennen der Welt, der Moment, auf den Millionen Radfans in aller Welt hinfiebern – der Grand Départ. In der über 100-jährigen Geschichte der Tour de France hat sie erst viermal in Deutschland Station gemacht. Das letzte Mal 1987 im damals noch geteilten Berlin. Jetzt kommt das Großereignis in unsere Landeshauptstadt, darauf sind viele Düsseldorfer stolz. Der Start rückt Düsseldorf ins Scheinwerferlicht, weltweite Berichterstattungen über unsere Landeshauptstadt sind garantiert. Wer hier einen PR-Coup des Düsseldorfer Touristenamtes vermutet, kennt nur die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich ist dieses große Ereignis gewissermaßen das i-Tüpfelchen auf einer lange währenden Freundschaft.

Es war einmal – oder warum Düsseldorf eine besondere Verbindung zu Frankreich hat

Die Verbindung zwischen Düsseldorf und Frankreich blickt auf eine mehr als 500-jährige Geschichte zurück. Angefangen hat alles mit der Hochzeit zwischen Wilhelm dem Reichen und der französischen Gräfin Jeanne d’Albret. Was sich anhört wie eine grenzüberschreitende Romanze, war allerdings ein geplanter politischer Schachzug. Wilhelm wollte nichts weiter, als Frankreich in einer Erbfolgefrage um das Herzogtum Geldern auf seine Seite ziehen. So endete die Ehe auch wenig romantisch: Sie wurde bald annulliert. Aber abgesehen von diesem leicht missglückten Start, lieferte Frankreich im 18. Jahrhundert dem geistigen Leben in Düsseldorf sehr wichtige Impulse. So sind zum Beispiel Teile der Düsseldorfer Architektur an den französischen Baustil angelehnt. Zwei Prachtexemplare dafür sind das Schloss Benrath und das Schloss Jägerhof. Als dann 1811 Napoleon höchstpersönlich nach Düsseldorf kam, erreichten die Düsseldorfer Beziehungen zu Frankreich einen Höhepunkt. Napoleon ließ hier zum Beispiel den Code civil einrichten, der bis ins Jahr 1900 als „Rheinisches Recht“ das Düsseldorfer Zivilrecht prägte. Kein Wunder, dass Düsseldorf bis heute liebevoll Klein-Paris genannt wird. Der Besuch von Charles de Gaulle 1962 im Rahmen einer Staatsvisite war ein weiterer Beweis für die guten Beziehungen zwischen Frankreich und der Landeshauptstadt.

Wenn sich in Düsseldorf ein französischer Oldtimer an den nächsten reiht, findet hier wieder einmal das Fest zu Ehren Frankreichs statt. © Destination Düsseldorf

Wenn sich in Düsseldorf ein französischer Oldtimer an den nächsten reiht, findet hier wieder einmal das Fest zu Ehren Frankreichs statt. © Destination Düsseldorf.

Zurück in die Gegenwart – Frankreich in Düsseldorf heute erleben

Soweit die Vergangenheit. Die Dichter, Denker und Staatsmänner haben natürlich bis heute ihre Spuren hinterlassen. Manchmal kann man Frankreich hier sogar hautnah erleben, ohne dafür verreisen zu müssen. So zum Beispiel beim Frankreichfest. Wenn Austern, Champagner und Flammkuchen sowie französische Chansons entlang des Rheins einen Hauch Savoir-vivre versprühen, findet es wieder statt – das große Fest zu Ehren der Grande Nation. Drei ganze Tage widmet Düsseldorf seit nunmehr 16 Jahren der deutsch-französischen Freundschaft. Mit mehr als 100.000 Besuchern pro Jahr ist das Fest zudem das größte dieser Art in ganz Deutschland.

Ebenso kitschig wie authentisch: Eine französische Ente mit auffälliger Dekoration fährt durch Düsseldorf. © Destination Düsseldorf

Ebenso kitschig wie authentisch: Eine französische Ente mit auffälliger Dekoration fährt durch Düsseldorf. © Destination Düsseldorf.

Baskenmütze, Schnurrbart und die Farben Blau, Weiß und Rot. Typisch französisch eben und mitten in Düsseldorf.

Baskenmütze, Schnurrbart und die Farben Blau, Weiß und Rot. Typisch französisch eben und mitten in Düsseldorf.

Französische Gaumenfreuden – das ganze Jahr über in Düsseldorf

Für viele ist das Frankreichfest vor allem wegen der vielen französischen Köstlichkeiten immer einen Besuch wert. Dabei lassen sich in einer frankophilen Stadt wie Düsseldorf das ganze Jahr über französische Köstlichkeiten genießen. Im „plaisir“ auf der Grünstraße 15 zum Beispiel gibt es ausgezeichnete französische Weine. Die „Fromagerie“ auf der Neusser Straße 131 ist jedem Käseliebhaber ein Begriff. Und auch nach einem authentisch französischen Bistro muss man nicht lange suchen. Beispielsweise das „Bistro Erminig“ auf der Mutter-Ey-Straße bietet hervorragende Galettes, Crêpes sowie klassischen Cidre an. Selbstverständlich sind auch die süßen französischen Sünden in Düsseldorf vertreten. In der „Pâtisserie Passion“ auf der Kaiserstraße zum Beispiel ist der Name Programm: Ein junges Team kreiert hier Tag für Tag mit jeder Menge Leidenschaft raffinierte Torten und andere Köstlichkeiten. Selbst eine Markthalle nach französischem Vorbild befindet sich seit Kurzem in Düsseldorf – und zwar auf der Nordstraße 31. Von Gebäck über Käse bis hin zum passenden Wein findet man hier alles, was das frankophile Herz begehrt. Und das ist nur eine kleine kulinarische Auswahl, denn die Liste ließe sich noch weiterführen.

Düsseldorf und Frankreich – eine mehr als nur symbolische Verbindung

In Düsseldorf wird auch französischer Alltag gelebt. Daher gibt es hier auch eine französische Schule. Um genauer zu sein das Lycée français de Düsseldorf auf der Graf-Recke-Straße. Hier wird unter anderem nach französischem Schulprogramm unterrichtet und es besteht die Möglichkeit, das Baccalauréat (was in etwa dem deutschen Abitur entspricht) zu machen. Wer jetzt gedacht hat, an dieser Schule seien nur Franzosen anzutreffen, hat weit gefehlt. Denn auch das deutsche Abitur steht hier auf dem Stundenplan. Dementsprechend freut sich die Schule derzeit über Schüler aus 27 verschiedenen Nationen.

Ob Café américain, Café au lait oder Noisette – die Franzosen lieben Kaffee und das macht sich auch in Düsseldorf bemerkbar.

Ob Café américain, Café au lait oder Noisette – die Franzosen lieben Kaffee und das macht sich auch in Düsseldorf bemerkbar.

Im Zeichen der Freundschaft – Deutsch-Französischer Kreis Düsseldorf

Seit fast 70 Jahren beheimatet Düsseldorf auch einen sogenannten Deutsch-Französischen Kreis. Dieser zählt heute um die 400 Mitglieder und stellt in all seinen Aktivitäten die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland in den Mittelpunkt. Zu diesen Aktivitäten gehören diverse Veranstaltungen zur Kultur, Politik und Wirtschaft. Außerdem sieht sich der Kreis als eine Art Brückenschläger. Denn einander verstehen, setzt auch ein gewisses Maß an Informationen voraus. Und genau diese bietet der Deutsch-Französische Kreis seinen Mitgliedern an.

Doppelt gut – zwischen Freundschaft und Wirtschaftlichkeit

Düsseldorf ist auch ein sehr wichtiger Standort für die französische Wirtschaft. Die Industrie- und Handelskammer bezeichnet die Stadt sogar als den wichtigsten französischen Wirtschaftsstandort in ganz Deutschland. Daher befinden sich hier auch viele große französische Unternehmen. Zu den bekanntesten gehören L’Oréal, Air Liquide, Targobank, Total und Technip. Zusätzlich unterhält die Düsseldorfer Prachtmeile Königsallee eine Marketingpartnerschaft mit der luxuriösen Avenue de Montaigne in Paris. Schließlich haben viele französische Nobelmarken sowohl auf der Königsallee als auch auf der Avenue de Montaigne eine Niederlassung. Auch die seit 2015 bestehende Partnerschaft zu Toulouse stärkt die Beziehungen.

Der Grand Départ in Düsseldorf ist also wirklich keine reine PR-Maßnahme. Angesichts der langen Verbundenheit von Düsseldorf und Frankreich ist es vielmehr so etwas wie eine logische Schlussfolgerung. Ja, man könnte fast schon sagen, mit Düsseldorf findet der Grand Départ des wichtigsten Radrennens der Welt wieder einmal zu Hause statt.

Übrigens … auch beim Boulespielen können Sie Frankreich hautnah in Düsseldorf erleben.