HeimatLiebe

Der Bäcker mit dem rollenden R.

Warum Heinos Herz dem S.C. Schwarz-Weiß 06 gehört

Heinz Georg Kramm – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Heino – ist der beste Beweis, dass Totgesagte länger leben. Bereits seit über 50 Jahren steht der aus Oberbilk stammende Sänger auf der Bühne. Mehr als 1.500 Lieder hat er aufgenommen, über 50 Millionen Platten und CDs verkauft. Und auch wenn er jetzt in Bad Münstereifel lebt – seiner alten Heimat Düsseldorf ist er nach wie vor sehr verbunden.

Was ist Heimat? Eine Frage, die wahrscheinlich jeder anders beantworten wird. Für Heino, einen der erfolgreichsten Entertainer Deutschlands, ist die Antwort recht einfach: „Oberbilk.“ Dass dies nicht einfach so daher gesagt ist, stellt er regelmäßig unter Beweis. Und zwar immer dann, wenn der S.C. Schwarz-Weiß 06 etwas zu feiern hat. Wie jüngst im Juni. Doch der Reihe nach.

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Mit Fußball konnte man ja damals kein Geld verdienen, daher habe ich mich der Musik gewidmet.

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Bäcker, Fußballer und Sänger

Die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch Düsseldorf leidet unter den Auswirkungen. Viele Straßenzüge sind noch Trümmerfelder, nur langsam normalisiert sich das Leben. Das ist die Zeit, in der Heino aufwächst. In Oberbilk. Eine prägende Phase, wie er selbst zugibt. „Viele Menschen hatten ja gar nichts. Da wurde an allen Ecken gemeinsam versucht, etwas auf die Beine zu stellen“, blickt der blonde Sänger zurück. Auch das Vereinsleben meldet sich aus seiner kriegsbedingten Ausphase zurück. Viele der Mitglieder sind nicht von der Front zurückgekehrt, die Nachwuchsarbeit startet durch. Auch beim S.C. Schwarz-Weiß 06, einer Institution in Oberbilk. Und über die Gemeindegrenzen hinaus. Heino tritt 1948, mit zehn Jahren, in den Verein ein – eine Liebe, die bis heute hält. Und vielleicht auch sportlich weitergegangen wäre, wenn die Zeiten einfach anders gewesen wären. „Mit Fußball konnte man ja damals kein Geld verdienen, daher habe ich mich der Musik gewidmet“, sagt Heino. „Ich habe damals mit Freunden bereits im Volksgarten regelmäßig Musik gemacht“, verrät er und lacht bei dem Blick in die Vergangenheit. „Da kommen natürlich Erinnerungen hoch, die schon fast 78 Jahre alt sind. Das finde ich toll.“

Früher wie heute da für seinen S.C. Schwarz-Weiß 06: Heino.
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Das ist Heino. Heimatverbunden und immer für seine Alten da.

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Auf dem Boden geblieben, trotz Kultstatus

Dass Heino die richtige Wahl bezüglich seines Berufes getroffen hat, dürfte bekannt sein. Mit seinen Liedern begeistert er seit den 60er-Jahren Millionen Fans. Zwar finden sich genügend Menschen, die seine Musik nicht mögen. Aber seine blonden Haare und seine dunkle Sonnenbrille sind mittlerweile Kult. Er ist vielleicht der letzte lebende deutsche Superstar. Dennoch, er ist auf dem Boden geblieben. Das weiß auch Dieter Bergmann zu berichten. Er kennt Heino – oder besser Krammse Geo, wie sein Spitzname lautet – bereits aus Kindertagen. „Wir haben zusammen in den Ruinen gespielt. Bei meiner Großmutter haben wir dann immer gemeinsam gegessen“, berichtet er über die damalige Zeit. „Eine schwere, aber auch schöne Zeit“, wie er gesteht. Gemeinsam mit Heino sei er damals in den Verein eingetreten. Mittlerweile verbinden ihn und Heino nicht nur die Kindheit und der Verein, sondern auch Blutsbande. Dieter Bergmann ist mit Heinos Cousine verheiratet, der Sänger war bei der Hochzeit sein Trauzeuge. „Im Grunde genommen ist er genau der geblieben, der er früher war. Das ist Heino. Heimatverbunden und immer für seine Alten da“, beschreibt Bergmann seinen Jugendfreund. Dem stimmt auch Herbert Stephan zu. Mit 86 Jahren ist er das älteste lebende Klubmitglied. „Schwarz-Weiß ohne Heino hätte es überhaupt nicht gegeben“, sagt der rüstige Senior im Rückblick. Dem stimmt sein Sohn, Dr. Manfred Stephan, zu. „Bereits als kleines Kind kann ich mich daran erinnern, dass wenn irgendwelche Feste anstanden, Heino angesprochen wurde und Heino kam.“ Eine Tradition, an der sich nichts geändert hat. „Wenn der Verein etwas hatte, habe ich mich immer kostenlos zur Verfügung gestellt“, sagt Heino. Es hat fast den Eindruck, als sei es ihm peinlich, darüber zu reden.

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Hier in Oberbilk hat einer dem anderen geholfen, und das Schöne daran war, jeder konnte was.

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Auftritt in der Schulaula

Szenenwechsel, die Schulaula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Oberbilk. Es ist ein verregneter Samstagnachmittag. Gerade hat in der Aula noch die Abiturfeier stattgefunden. Jetzt wird die Bühne hektisch umgebaut. Heino wird hier ein Konzert geben. Mit voller Besetzung und allem Drum und Dran. Insgesamt 20 Musiker und Backgroundsänger werden später dort stehen und Heino bei seinem Auftritt begleiten. Alles zu Ehren des 110. Geburtstages von Schwarz-Weiß 06. 330 Karten wurden zum Preis von 25 Euro das Stück verkauft. Darin enthalten: 12.50 Euro für das Buffet. Der Rest bleibt theoretisch als Gage für Heino. Theoretisch, denn Heino nimmt auch zu diesem Anlass nichts. Im Gegenteil, er gibt. Er trägt nicht nur die Kosten für seinen Auftritt inklusive Band und Aufbau. Er übernimmt auch die Kosten für die Vorband – inklusive Übernachtung in Düsseldorf. „Wichtig war ihm nur, dass die Veranstaltung in Oberbilk stattfindet“, erzählt Dr. Manfred Stephan. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium liegt genau auf der Grenze zu Bilk. „Es muss eben ein Oberbilker Event sein!“ Für Heino ist sein außergewöhnliches Engagement selbstverständlich. „Hier in Oberbilk hat einer dem anderen geholfen, und das Schöne daran war, jeder konnte was.“ Selbst seine dunkle Brille kann in diesem Moment nicht verhindern, dass man sieht, wie sehr ihn die Reise zurück in die Vergangenheit bewegt. „Jeder konnte in dem Verein singen, wir haben Vorträge gehalten. Und auch die anderen Vereine sind zu uns gerne gekommen, weil der Event nach dem Fußballspiel schöner war als das eigentliche Fußballspiel.“ Er lacht. Und dieses Lachen sagt mehr als viele Worte. Jeder merkt, dass Heino angekommen ist. In seiner Heimat. Zu der der S. C. Schwarz-Weiß 06 ganz fest dazugehört. Für den Verein wünscht er sich zwei Dinge: „Ich hoffe, dass der Verein noch lange Jahre so bleibt, wie er ist. Mit ein bisschen mehr Erfolg.“ Er zwinkert, weiß er doch, dass zumindest die Sache mit dem Erfolg im Fußball nicht so einfach zu erreichen ist.

Bereits seit über 50 Jahren steht der aus Oberbilk stammende Sänger auf der Bühne.

Ausflugstipp: Bei Heino in Bad Münstereifel

Heino hat zwar seine Wurzeln in Düsseldorf, aber seit vielen Jahren lebt der Sänger im malerischen Eifelstädtchen Bad Münstereifel. Nicht nur für Heino-Fans ist ein Ausflug dorthin eine Reise wert. Gut 88 Kilometer sind es von der Landeshauptstadt bis zur Stadt aus dem Mittelalter. Denn das ist bereits eine der Attraktionen abseits von Heino, die jeden Besucher dort erwartet. Die mittelalterliche Stadtmauer ist vollständig erhalten und umschließt den Stadtkern. Der zeichnet sich durch eine besonders hohe Dichte an Fachwerkhäusern aus. Neben vielen Cafés warten in Bad Münstereifel auch zahlreiche Attraktionen auf die Besucher. Beispielsweise die Senfmühle, in der die Verarbeitung des Gewürzes im Vordergrund steht. Im Romanischen Haus ist das Hürten-Museum zu finden, das neben heimatlichen Ausstellungsstücken auch zeitgenössische Kunst zeigt. Wer nach so vielen Besuchen einmal verschnaufen möchte, der kann dies im Heino-Café tun. Das Epizentrum für Heino-Fans gehört zwar schon lange nicht mehr dem Sänger persönlich, dennoch ist ein Blick auf viele seiner hier ausgestellten Auszeichnungen ein schöner Abschluss eines Tagesausflugs in das Eifelstädtchen.

Weiterführende Links:

Alles zu Heino – seine neuesten Tourdaten und sonstige Verlautbarungen gibt es hier .

Wer Bad Münstereifel besuchen möchte, bekommt hier detailliertere Infos.

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