WohnKultur

Handgemachte Glasperlen

Aus dem Feuer geboren

Perlenbrennerei: Glas wird zu einer Perle geschmolzen

Hat Kaiser Cäsar die letzte ägyptische Pharaonin Kleopatra mit funkelnden Glasperlen zu becircen versucht? Denkbar wäre es, denn Glasperlen gibt es tatsächlich seit einer Ewigkeit. Sie gehören zu den ältesten Schmuckstücken der Menschheit und bezaubern uns seit Jahr und Tag. Buntes Glas gestaltet mit Licht, es ziert monumentale Kirchenfenster ebenso wie Handgelenk und Hals.

Die alten Ägypter stellten Glasperlen schon ganze 25 Jahrhunderte vor der kaiserlichen Liaison im Schein des Feuers her. Glas war zuvor wahrscheinlich im „fruchtbaren Halbmond“ der arabischen Halbinsel erfunden worden, wo heute Israel, Jordanien, Libanon, Syrien, Palästina und Irak liegen.

Spätestens im 14. Jahrhundert v. Chr. entstanden auch in Europa die ersten Perlen aus Quarzsand und großer Hitze. Sie schimmerten vor allem in Grün- und Blautönen und waren damit farbenprächtiger als ihre Vorgänger: Die Glasperlen der Bronzezeit waren meist einfarbig und opak. Dass man im Spätmittelalter begann, mit Farben zu experimentieren, zeigen auch Funde aus der Türkei und Italien. Ein etwa 1320 v. Chr. vor der türkischen Küste gesunkenes Handelsschiff hatte große Mengen Rohglas in Türkis, Violett und Blau an Bord, in Italien fand man blaue und rote Glasperlen aus dieser Zeit.

Äthiopische Kreuz-Halskette mit alten, handgefertigten Glasperlen.
Äthiopische Kreuz-Halskette mit alten, handgefertigten Glasperlen.

Die Glasperlen werden immer bunter

Ab 1.200 v. Chr. setzte ein regelrechter Perlenboom ein. Jetzt wurden die gläsernen Kunstwerke in großer Stückzahl produziert und erstmals mit Punkten, Noppen und Mustern verziert. Pigmente, die bei der Metallverarbeitung abfallen, gaben dem Glas seine Farbigkeit.

Zu allen Zeiten, also auch im frühen Mittelalter, schmückte man sich mit den glänzenden Unikaten. Bei den Merowingern fand man zunächst eher plump wirkende Perlen, deren Qualität Archäologen erst einmal als minderwertig einschätzten. Doch ihre raffinierte Färbung verriet außergewöhnliches Talent und fortgeschrittene Kenntnisse chemischer Zusammenhänge – man hatte den Merowingern Unrecht getan. Aus der Zeit der Merowinger stammen schließlich auch jene komplexen Kleinstkunstwerke, die man als Millefiori-Perlen kennt. Diese Glasperlen sind aus mehreren Teilen zusammengesetzt, die vorab gestaltet und dann im Querschnitt als Plättchen zusammengesetzt werden. Mit dieser auch heute noch genutzten Technik erhält man ein sehr kleinteiliges, buntes Muster oder sogar gegenständliche Abbildungen in der Glasoberfläche.

Seit Jahrtausenden modern: Millefiori-Glasperlen.
Seit Jahrtausenden modern: Millefiori-Glasperlen.

Während die Merowinger zumindest nicht sofort für raffinierte Kunstschätze aus buntem Glas berühmt wurden, eilte Murano, einer Inselgruppe bei Venedig, der Ruf als Quell besonders edler Glaskunst voraus – und das bis heute.

Glänzende Kunst aus glühendem Glas

Erst bei etwa 800 bis 1.000 Grad Celsius beginnt der Ausgangsstoff Weichglas richtig flüssig zu werden. Dann schmilzt er zu einer glühenden, zähflüssigen Masse, deren Konsistenz an Honig erinnert. Kühlt die Glasmasse wieder ab, wird sie fest und durchsichtig. Früher wurden Glasperlen mühsam am offenen Feuer und in speziellen Öfen hergestellt, heute bedient man sich gern eines Zweigasbrenners, um das Ausgangsmaterial mit Propangas und Sauerstoff auf die benötigte Temperatur zu bringen.

Wir umgeben uns so selbstverständlich mit Glas, dass uns gar nicht immer bewusst ist, dass wir es mit geschmolzenem Sand zu tun zu haben. Quarzsand, Soda, Kalk und Pottasche sind die vier Hauptbestandteile von „softem“ Kalk-Natron-Glas, aus dem die bunten Perlen entstehen.

Das farbige Glas dient in Form schlanker Stäbe als Ausgangsmaterial für Glasperlen und wird über der Flamme geschmolzen.
Das farbige Glas dient in Form schlanker Stäbe als Ausgangsmaterial für Glasperlen und wird über der Flamme geschmolzen.

Kontemplative Kunst im Schein der Flamme

Die filigrane Optik und der schöne Schein der farbenprächtigen Preziosen machen nur einen Teil des Faszinosums Glasperlen aus. Perlen unterschiedlichster Farb- und Formgebung an der Flamme sitzend herzustellen, hat auch einen entspannenden, meditativen Charakter. Während unter den eigenen Händen mit wachsender Erfahrung immer raffiniertere Schmuckstücke entstehen, kann man wundervoll vom Alltag abschalten.

Wer sich für das Perlenbrennen interessiert, wendet sich am besten an einen passionierten Experten wie Elke Wagner. Auch das meditative Element der Tätigkeit hat sie 2008 motiviert, sich mit dem Perlenkeller in Düsseldorf-Eller ein eigenes Perlenparadies zu schaffen – Jahrzehnte, nachdem sie als Kind Kirchenfenster bewundert, Glasflaschen gesammelt und aus bunten Scherben, die sie am Meer gefunden hat, Schmuck gebastelt hat. Sie schwärmt von der beseelenden Wirkung ihrer kontemplativen Tätigkeit: „Das Besondere an der Arbeit mit Glas und Feuer ist, dass sie sehr meditativ ist.“ Man muss sich Zeit nehmen, Glasperlen macht man nicht mal eben nebenbei. „Man lässt sich auf die Flamme und auf das Glas ein. Das ist für mich eine sehr meditative Aufgabe und das erdet einen auch wieder.“ Die Kunst von Kontemplation und Kreation bringt sie in Kursen auch Anfängern näher. Vorsicht ist die Mutter der Glaskiste, man darf dabei weder das Feuer noch das Arbeiten mit zwei Händen unterschätzen.

Perlen brennen, wie geht denn das?

Man stellt sich das Schmuckstück, das entstehen soll, vor und macht sich dann auf den Weg, es zu formen. Soll es ein Accessoire werden oder Teil einer Dekoration? Die Auswahl der Farben bestimmt den Charakter der entstehenden Glasperlen.

Das farbige Glas dient in Form schlanker Stäbe als Ausgangsmaterial, das über der Flamme geschmolzen wird. Ein Metallstab wird mit einem Trennmittel benetzt und erhitzt, dann wird das zähflüssige Glas auf dem Stab gedreht, geformt und gestaltet.

Glasperlen entstehen in wenigen Schritten, die man zum Teil oft wiederholt:

1. Farben aussuchen und Objekt ausdenken

2. Metallstab (Mandrell) mit Trennmittel erhitzen

3. Glas schmelzen und an den Stab bringen

4. Runde Perle formen oder eigene Form wählen

Möchte man einen Ring gestalten, arbeitet man die Perle direkt auf einen Rohling. Eine weitere Technik heißt „off mandrell“, denn sie kommt ohne den Metallstab aus. Hier arbeitet man direkt am Glasstab.

Inspiration für Perlenkreationen findet man überall: in der Natur, aber auch in Kursen oder im anregenden Austausch mit anderen Perlenbrennern. In Deutschland gibt es eine gut vernetzte Glasperlenzunft, die sich auch in Foren trifft, um Tipps und Techniken weiterzugeben. Sie pflegen die uralte Tradition und tragen dazu bei, den Wert der Handwerkskunst hochzuhalten.

Frau hält selbst gemachte Glasperlen in den Händen.
Der schöne Schein und die Farbenpracht machen einen Teil des Faszinosums Glasperlen aus.

Von Hand und von Herzen

Na, neugierig aufs Perlenbrennen? Vielleicht ist ein Schnupperkurs eine prima Idee und der erste Schritt zu einem Hobby, das nicht nur hübsche Schmuckstücke, sondern auch viel Gelassenheit ins Leben bringt. Die gestalteten Kleinode sind nicht nur zu Weihnachten als individuelle Schmuckstückchen begehrt. Nicht nur im Dezember, sondern auch für Geburtstag, Osterfest oder Namenstag gilt: Wer Geschenke von Hand macht, schenkt von Herzen. Ganz gleich, mit welchem Material er arbeitet und mit welchem Talent er ans Werk geht

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