WohnKultur

Frischer Wind für die eigenen vier Wände

Oder wie Sie ungeliebten Schimmel vermeiden

Die ideale Voraussetzung zur Schimmelbildung: falsche Belüftung!

Schimmel in den eigenen vier Wänden – ein leidiges Thema, das viele kennen. Um genauer zu sein, jeder sechste Deutsche. Dabei ist Schimmel in vielen Fällen vermeidbar. Erfahren Sie, wie Sie dem ungeliebten Pilz den Kampf ansagen, noch bevor er entsteht, und was Sie tun können, wenn er schon da ist.

Bloß keine dicke Luft riskieren – das ist wohl die Devise eines jeden, der es bereits mit Schimmel zu tun hatte. Aber soviel vorweg: Prinzipiell besteht bei dem Wort Schimmelpilz nicht gleich Grund zur Panik. Denn Schimmelpilze sind ganz natürliche und sogar notwenige Bestandteile unserer Umwelt. Besondere Formen, wie die im Schimmelkäse, werden schließlich sogar gegessen. Und zwar ganz ohne Gesundheitsrisiko. Aber im Wohnraum ist er zu Recht nicht gern gesehen. Denn hier gefährdet er auf Dauer die Gesundheit und schädigt die Bausubstanz.

Der ungeliebte Schimmel – wie entsteht er überhaupt?

Auf Platz eins der Ursachen, die zu einer Schimmelbildung führen, steht falsches Lüften und Heizen. Aber auch verschiedenste Baumängel können für die Schimmelbildung verantwortlich sein. Von verrutschten Dachziegeln und defekten Anschlussblechen am Schornstein über Risse im Außenputz und Lecks in der Wasserleitung bis hin zu verstopften Regenrinnen. Die Liste der möglichen Ursachen ist lang und könnte hier entsprechend weitergeführt werden.

Auf das richtige Lüften kommt es an. Lieber morgens und abends für ein paar Minuten stoßlüften, statt den ganzen Tag die Fenster auf Kipp.
Auf das richtige Lüften kommt es an. Lieber morgens und abends für ein paar Minuten stoßlüften, statt den ganzen Tag die Fenster auf Kipp.

Der ausschlaggebende Punkt ist am Ende immer die relative Luftfeuchte. Denn sei es durch falsches Lüften oder durch einen Mangel am Bau: Nur da, wo es feucht genug ist, kann auch Schimmel entstehen. Um genauer zu sein, wird es bei einer Luftfeuchte von dauerhaft über 60 Prozent kritisch. Und da in Wohnräumen beispielsweise geduscht, gewaschen und gekocht wird, übersteigt der Feuchtigkeitswert schnell diesen Wert. Wenn da der ganze Dampf nicht durchs Fenster entweichen kann, ist es kein Wunder, dass es irgendwann zu schimmeln anfängt. Wenig überraschend ist ebenfalls, dass es besonders oft im Bad schimmelt. Heißes Duschen, feuchte Handtücher und oft fensterlose, schlecht durchlüftete Bäder sind der perfekte Nährboden für Schimmel.

Schuldig oder nicht schuldig – das ist hier die Frage

Gerade zwischen Mieter und Vermieter ist Schimmel ein leidiges Thema. Zumal einfaches Streichen bei einem Befall nicht reicht. Die Ursache muss gefunden und der Schaden behoben werden. Das kann allerdings mitunter teuer werden. So sieht ein nicht allzu seltenes Szenario aus, wenn eine Mietswohnung vom Schimmel befallen ist. Zeigt sich der Schimmel, kontaktiert der Mieter den Vermieter, um den Befall zu melden. Natürlich ist er auch der Meinung, dass der Vermieter den Schimmel beseitigen muss. Der Vermieter seinerseits aber sieht das – natürlich – ganz anders. Schließlich ist aus seiner Sicht einzig und allein sein Mieter schuld an der Misere. Tatsächlich kann Schimmel ein Mietmangel sein. Die Ursachenfindung ist nicht ganz einfach. Daher ist es in vielen Fällen ratsam, einen neutralen Sachverständigen hinzuzuziehen. Schließlich endet ein vermeintlich harmloses Problem wie Schimmel in der Mietswohnung nicht selten vor Gericht.

Bevor es zu spät ist – so entsteht Schimmel erst gar nicht

Damit es erst gar nicht zur Auseinandersetzung zwischen Mieter und Vermieter kommt, ist Vorbeugung die oberste Devise. Der Feuchtigkeitsgehalt in Ihren Räumen bleibt immer dann unter 60 Prozent (ab diesem Wert droht Schimmel), wenn Sie gut Lüften und genügend Heizen. Mindestens 17 Grad Celsius sollten Sie in allen Räumen erreichen, Wohnräume natürlich entsprechend wärmer. Uneingeschränktes Energiesparen kann also mitunter teuer werden! Und wer das Fenster den ganzen Tag gekippt hat und in der Annahme ist, so etwas gegen Schimmelbildung zu tun, liegt falsch. Zwar findet so ein Luftaustausch statt, allerdings zu langsam. Außerdem treten neben dem Fenster kalte Stellen auf, an denen der Taupunkt unterschritten wird und Schimmel entstehen kann. Daher ist es ratsam, gerade während der Heizperiode, stoßzulüften – am besten morgens und abends für etwa 10 Minuten. Dann wäre da noch die Nasszelle: Gerade wenn diese über kein Fenster verfügt, sollte immer ordentlich geheizt und – falls vorhanden – der Lüfter verwendet werden. Dann hat eine jede Wohnung ja auch noch das Schlafzimmer. Besonders kühl soll es hier sein, empfehlen viele Gesundheitsexperten. Daher kommt vielleicht auch die relativ weitverbreitete Annahme, dass im Schlafzimmer nicht geheizt werden soll. Ein Fehler. Denn das begünstigt die Schimmelbildung. Der Grund: Im Schlafzimmer ist der Mensch durch Atem und Transpiration selbst für einen besonders hohen Feuchtigkeitsgehalt verantwortlich. Für ein perfektes Raumklima sollte hier daher nach dem Aufstehen und vor dem ins Bett gehen intensiv stoßgelüftet und tagsüber geheizt werden. So bleibt es hier zum Schlafen zwar angenehm kühl, aber auch der Schimmel hat so gut wie keine Chance.

Gerade im Badezimmer fühlt sich Schimmel besonders wohl. Kein Wunder, denn hier ist es warm und feucht. Der ideale Nährboden für Schimmelpilze.
Gerade im Badezimmer fühlt sich Schimmel besonders wohl. Kein Wunder, denn hier ist es warm und feucht. Der ideale Nährboden für Schimmelpilze.

Moderne Technologie – auch die sorgt für Abhilfe bei Schimmel

Manchmal nützt alles nichts und der Schimmel hat sich klammheimlich doch in der Wohnung oder im Haus ausgebreitet. Was also tun? Luftreiniger und Luftentfeuchter beispielsweise können Abhilfe schaffen. Es ist aber zu beachten, dass bei jedem Schimmelbefall zuerst unbedingt die Ursache ermittelt werden sollte. Wurde der Ursprung des „Bösen“ ausfindig gemacht und der Schimmel in erster Instanz entfernt, befinden sich meist immer noch Schimmelsporen in der Luft. Diese kann zum Beispiel ein Luftreiniger zuverlässig aus der Luft entfernen. Wichtig dabei ist, dass der Luftreiniger über einen sogenannten HEPA-Filter verfügt. Dieser ist für die Feinfilterung unerwünschter Stoffe in der Raumluft verantwortlich. Luftreiniger ohne diesen speziellen Filter können sogar dafür sorgen, dass sich Schimmelsporen erneut ausbreiten. Und auch der Geruch in den eigenen vier Wänden wird mit solch einem Luftreiniger sehr viel angenehmer werden. Modriger Geruch, wie er bei Schimmelsporen häufig vorkommt, wird beispielsweise eliminiert. Wer besonders auf die Qualität des Reinigers achten möchte, sollte zu Geräten mit TÜV-Zertifizierung greifen.

Schimmelflecken lassen sich relativ leicht mit Spezialreiniger aus dem Supermarkt beseitigen. Doch diese Reinigung ist in erster Linie kosmetischer Art. Wer den Grund für die Schimmelbildung nicht aufdeckt, muss regelmäßig nachwischen.
Schimmelflecken lassen sich relativ leicht mit Spezialreiniger aus dem Supermarkt beseitigen. Doch diese Reinigung ist in erster Linie kosmetischer Art. Wer den Grund für die Schimmelbildung nicht aufdeckt, muss regelmäßig nachwischen.

Auch ein Luftentfeuchter kann helfen. Denn neben dem richtigen Lüft- und Heizverhalten sorgt dieser dafür, dass erst gar kein Nährboden für Schimmelsporen entsteht. Laut verschiedenster Hersteller können die kleinen Helferchen bei einer Leistung von 180 bis 500 Watt bis zu 40 Liter Wasser aus der Raumluft ziehen. Dabei sollte natürlich darauf geachtet werden, dass die Raumluft nicht zu trocken ist. Moderne Geräte halten den Luftfeuchtewert automatisch bei den empfohlenen 40 Prozent.

Wir halten also fest: Schimmel ist am Ursprung zu packen. Selbst die besten elektronischen Geräte, wie beispielsweise hochwertige Luftreiniger oder Luftentfeuchter nützen nichts, wenn der Ursprung allen Übels nicht bekannt ist. Ist er das aber, sind die technischen Helfer durchaus eine sinnvolle Ergänzung zu richtigem Lüften und Heizen.

Übrigens …

Dass Heizkörper noch mehr können, als für das richtige Raumklima sorgen, lesen Sie im Heizkörper-Abc .