GaumenFreude

Weg vom Einheitsgeschmack: Jedem sein Bier

Was verbirgt sich hinter dem Craft-Beer-Trend?

Craft Beer bietet für jeden Geschmack das passende Bier.

Bier ist das liebste alkoholische Getränk der Deutschen. Etwa acht Milliarden Liter werden davon im Jahr getrunken. Die meisten davon gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot. Aber muss ein Bier so gebraut sein, um zu schmecken? Die Craft-Beer-Kultur fasst langsam auch bei uns Fuß und will weg von der Biermonotonie hin zur hopfenhaltigen Vielfalt.

Brechend voll sind die Läden in der Ratinger. Es sind die klassischen Altbierkneipen, vor denen sich Junggesellenabschiede, Afterwork-Feiernde und Fußballfans an diesem Abend sammeln. So unterschiedlich die Menschen, so ähnlich die Gläser, die sie halten. Fast jedes mit Alt, dem dunklen Lieblingsgetränk der Düsseldorfer, gefüllt. Und egal, ob die Brauerei Uerige, Schlüssel, Füchschen oder Schlösser heißt, sie haben eins gemeinsam: Genau genommen sind es ebenfalls Craft Biere. Warum? Dazu weiter unten mehr.

Eine Querstraße weiter, in der Liefergasse 11, sieht es etwas anders aus. Denn hier gleicht kein Getränk dem anderen. Jede Bierflasche ist ein Original. Es gibt Label in allen Farben, manche Logos in dezenten, andere in verspieltem Design. Das Durchzählen der verschiedenen Sorten wird zur Herausforderung. Die Holy Craft Beer Bar ist die logische Verlängerung des Ladengeschäftes Holy Craft Beer Store von Sebastian Knepper und Thorsten Kulmann. Die beiden haben aus ihrer Leidenschaft für Bier ein Unternehmen gemacht.

Bier ist nicht gleich Bier

Aber was ist Craft Beer überhaupt? Selbst Kenner sind sich bei der Unterscheidung nicht ganz einig. Ist es Bier im eigenen Kessel gebraut? Oder darf es nur in einer gewissen Menge hergestellt werden? Nein, am besten folgt man der Bezeichnung „Craft“ also „Handwerk“. Craft Beer ist handwerklich hergestelltes Bier außerhalb eines industriellen Prozesses. Häufig gebraut von einer einzigen Person, die ihrem eigenen Rezept folgt. Dazu gehört auch, dass Craft Biere obergärig sind. Die Herstellung solcher Biere erfolgt unter relativ normalen Bedingungen. Ein großer Vorteil gegenüber untergärigen Bieren, die ohne einen aufwendigen Kühlprozess während des Brauens nicht entstehen können. Ursprünglich stammen Craft Biere aus den USA. Hier waren es Bierfreunde schlichtweg leid, das immer gleich schmeckende Hopfenwasser der großen Braukonzerne zu trinken. Sie nahmen also den Braukessel selbst in die Hand und eine Bewegung war geboren, die jetzt auch Deutschland erreicht hat.

Gar nicht so einfach, hier den Überblick zu behalten. Die Welt der Craft Biere ist umfangreicher, als man denkt.

Gar nicht so einfach, hier den Überblick zu behalten. Die Welt der Craft Biere ist umfangreicher, als man denkt.

Craft Beer in Düsseldorf

Zurück zu Sebastian Knepper und Thorsten Kulmann. Für die beiden ist Craft Beer eine Leidenschaft, die sie seit ihrem ersten USA-Besuch fesselt. Die Tausende von Microbreweries dort haben es ihnen angetan. Und als der Trend sich in Deutschland ausbreitete, wollten sie solchen Brauereien eine Bühne bieten. Zunächst mit ihrem Craft Beer Store, in dem sie seit 2015 bis zu 200 unterschiedliche Sorten anbieten. Allerdings weniger mit Fokus auf die USA. Bis zu 70 Prozent der angebotenen Craft Biere stammen mittlerweile aus Deutschland. Der Rest setzt sich hauptsächlich aus skandinavischen und osteuropäischen Bieren zusammen. „Wir konzentrieren uns auf europäisches Craft Beer“, sagt Knepper. „Aber viele unserer Kunden sind Amerikaner, die ihr heimisches Craft Beer vermissen.“ Auch Düsseldorfer und Touristen gehören zum Publikum, das so zahlreich ist, dass die beiden sich jetzt den Traum von ihrer eigenen Craft Beer Bar erfüllen konnten. Und damit den Trend noch mehr Leuten zugänglich machen. Denn für sie ist es weit mehr als nur ein Trend.

eidenschaft für Craft Beer zeichnet alle Mitarbeiter der Holy Craft Beer Bar aus.

Leidenschaft für Craft Beer zeichnet alle Mitarbeiter der Holy Craft Beer Bar aus.

Abgefahrene Biersorten für jeden Geschmack

Allein in Düsseldorf gibt es zahlreiche Kleinbrauereien oder englisch Microbreweries. Onkel Biere zum Beispiel oder Sarton Bräu. Viele dieser Biere sind unfiltriert und unpasteurisiert. Manche sind sauer, andere rauchig, fruchtig oder würzig. Sie unterscheiden sich im Alkoholgehalt oder in der Zusammensetzung der Zutaten, denn Hopfen ist nicht gleich Hopfen und Malz nicht gleich Malz. Kein Wunder, dass es neben Wein- und Wassersommeliers jetzt auch Biersommeliers gibt. Aber den braucht man ja gar nicht, wenn man sich auch selbst von der Geschmacks- und Aromenvielfalt der Biere überzeugen will. Allerdings fällt hier die Wahl schwer. Denn Bierfreunde müssen sich nicht nur für die Brauerei, sondern auch für eine Biersorte entscheiden. Und je nach Sorte wird davon vielleicht nur ein Durchgang gebraut. Das heißt, viele Biere sind limitiert und lassen sich nur für kurze Zeit genießen. Allein schon, weil sie nicht in großen Mengen gebraut werden. Das belegen auch die Zahlen. Zwischen 1.000 und 5.000 Liter pro Sud stellen die kleinen Brauereien her. Zahlen, die ein Tropfen im Bierglas der großen Hersteller wie Bitburger oder König Pilsener sind. Die brauen pro Stunde mehr als 95.000 Liter.

Ist das Kunst oder kann man das trinken? Nicht nur der Inhalt, auch die Flaschen zeigen Liebe zum Detail.

Ist das Kunst oder kann man das trinken? Nicht nur der Inhalt, auch die Flaschen zeigen Liebe zum Detail.

Craft Beer selbst brauen

Viele, die auf den Geschmack gekommen sind, wollen irgendwann auch ihr eigenes Craft Beer brauen. Je nachdem wie professionell der Hobbybrauer an sein erstes Bier herangehen möchte, kann der Einstieg 500 bis 1.000 Euro kosten. Dafür gibt es eine semiprofessionelle Ausrüstung. Es geht aber auch preiswerter. Speziell dann, wenn man erst einmal testen möchte, ob man Spaß am Eigengebräu hat. Beispielsweise mit der online erhältlichen Braubox. In der sind alle Zutaten für einen ersten Versuch enthalten. Die benötigten Geräte für den ersten Versuch sollten in fast jedem Haushalt vorhanden sein: ein großer Kochtopf, ein Kochlöffel, ein Messbecher, ein Küchensieb, ein Trichter und natürliche leere Bierflaschen. Vielleicht sogar mit eigenem Etikett? Wer mehr Bier als für das gesellige Zusammensein mit Freunden brauen will, sollte auch über Platz verfügen. Denn nicht jeder Partner reagiert entspannt, wenn die Badewanne zum Braubehältnis umfunktioniert wird.

Wer nicht zum Wasser greift, kommt schnell in Entscheidungsnöte. Bei so vielen leckeren Craft-Beer-Sorten.

Wer nicht zum Wasser greift, kommt schnell in Entscheidungsnöte. Bei so vielen leckeren Craft-Beer-Sorten.

Na, dann Prost

Wer also mehr über Craft Beer „erschmecken“ möchte, hat in Düsseldorf eine gute Ausgangsposition. Aber auch in unserer Nachbarstadt Köln und dem Ruhrgebiet gibt es genügend Anlaufstellen. Und wer den Krimiabend mit einem Bier-Tasting verbinden möchte, kann sich auch direkt unterschiedliche Sorten nach Hause kommen lassen. Prost!

Die perfekte Grundlage

Was passt besser zum Craft Beer als ein herzhafter Burger? Ein anderes Start-up hat es sich zum Ziel gesetzt, den perfekten Burger per Truck an die Frau und den Mann zu bringen. Mehr darüber sehen und lesen Sie im Beitrag Burger für Büromenschen .