InnovationsKraft

Handwerk hat leuchtenden Boden

Hans-Ulrich Kainzinger von den Enke-Werken weiß, was Böden, Balkone und Flachdächer brauchen

Vom Showroom zum Glowroom: Der Sneaker Store Afew auf der Oststraße in Düsseldorf erstrahlt über dem nachleuchtenden Boden von Enke. Die lösemittelfreie Spezialbeschichtung nimmt das Licht auf, speichert es und gibt es in der Dunkelheit wieder ab. Sneaky!

Er ist grau und unscheinbar. Er wird jeden Tag mit Füßen getreten. Und er muss immer draußen liegen, bei Regen, Schnee und Hitze. Doch trotz der Strapazen, die er auf sich nimmt, würdigt ihn keiner eines Blickes. Es sei denn, jemand lässt sich etwas Besonderes für ihn einfallen. Wie Hans-Ulrich Kainzinger, Chef des Enke-Werks im Düsseldorfer Hafen.

Sicher haben Sie es schon erraten: Die Rede ist vom Fußboden. Genauer gesagt von dem, was den Boden schützt vor Wind und Wetter, vor Tausenden von Füßen, vor Lkw-Rädern und Baggerketten. Und vor dem Zahn der Zeit, der unermüdlich an ihm nagt. Untergründe aller Art langfristig gegen äußere Einflüsse zu wappnen, das hat sich die Firma Enke aus Düsseldorf auf ihre roten Fahnen geschrieben. Ganz gleich, ob es sich um Ausstellungsflächen oder Industrieböden, Balkone oder Terrassen, Flachdächer, Mauern oder Fenstersimse handelt.

90 Jahre Bodenständigkeit: Hans-Ulrich Kainzinger führt das Enke-Werk in dritter Generation – nach seinem Vater Hans-Helmut Kainzinger (rechts) und seinem Großonkel Johannes Enke, der das Unternehmen 1924 im Düsseldorfer Hafen gründete.

90 Jahre Bodenständigkeit: Hans-Ulrich Kainzinger führt das Enke-Werk in dritter Generation – nach seinem Vater Hans-Helmut Kainzinger (rechts) und seinem Großonkel Johannes Enke, der das Unternehmen 1924 im Düsseldorfer Hafen gründete.

Vom Showroom zum Glowroom: mit nachleuchtenden Böden

Wer nicht nur Witterungseinflüssen trotzen, sondern dem grauen Alltag entfliehen möchte, der sollte Dr. Mirko Krüger ins Enke-Labor hinter dem Haupthaus auf der Hamburger Straße folgen. Hier präsentiert der promovierte Chemiker, der seit 2013 für Forschung & Entwicklung verantwortlich zeichnet, „Bodenproben“ aller Art: in unterschiedlichen Farben, gewischt, gegossen, marmoriert, strukturiert, mit aufgebrachten Muschelreliefs oder eingelassenen Glückscents. Dann geht es in die Dunkelkammer, wo er das jüngste Highlight aus seiner Experimentierküche hochhält: den nachleuchtenden Boden – ein neuartiger Flüssigkunststoff, der mit phosphoreszierenden Pigmenten gespickt ist. Sie nehmen das Licht auf, speichern es und geben es in der Dunkelheit wieder ab. Erstmals zum Einsatz kam der Leuchtboden in der MBS-Arena in Potsdam. Dort wurden die Stadionstufen beschichtet, um Besuchern im Falle eines Stromausfalls im Dunkeln den Weg zu weisen. Auch die Betreiber des Sneakers Stores Afew auf der Düsseldorfer Oststraße setzen ihre Kulttreter mit Enke ins rechte, das heißt grüne Licht. Die Bodenpigmente sind so lichtempfindlich, dass man sie mit dem Handy oder der Taschenlampe „beschreiben“ kann und die Linienführung nachleuchtet.

Zitat Anfang

„Manchmal sind irgendwelche krummen Hunde dabei. Wie jetzt dieser nachleuchtende Boden.“ Hans-Ulrich Kainzinger, Geschäftsführer von Enke

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Selbst ist der Mann: Alle Produkte von Enke werden im eigenen Labor entwickelt, geprüft und hergestellt. „Wir haben keine Zweigniederlassungen. Wir sind exklusiv hier in Düsseldorf und da werden wir auch bleiben“, sagt Kainzinger.

Selbst ist der Mann: Alle Produkte von Enke werden im eigenen Labor entwickelt, geprüft und hergestellt. „Wir haben keine Zweigniederlassungen. Wir sind exklusiv hier in Düsseldorf und da werden wir auch bleiben“, sagt Kainzinger.

Innovation in dritter Generation

Erdacht, entwickelt und produziert werden alle Innovationen im eigenen Haus. „Jemand sieht etwas, hat eine Idee oder bekommt neue Rohstoffe in die Hand“, sagt Hans-Ulrich Kainzinger, „und manchmal sind irgendwelche krummen Hunde dabei. Wie jetzt dieser nachleuchtende Boden“. Ein solch „krummer Hund“ muss schon seinen Großonkel Johannes Enke angebellt haben. Woraufhin dieser schwer verarbeitbaren Bitumen und Rohöl zu einer leicht applizierbaren Dichtmasse mischte – und damit die Dachsanierung revolutionierte. Diese Spezialanstriche bildeten das „Dach“, unter dem Enke senior 1924 seine gleichnamige Firma gründete. Ein halbes Jahrhundert später kamen strapazierfähige Fußbodenbeschichtungen hinzu, die den rechtsrheinischen Mittelständler auf ein noch solideres Fundament stellten. „Mein Großonkel hat das irgendwann mal zusammengemischt – und der Rest hat sich entwickelt“, resümiert Kainzinger die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens, das er heute in dritter Generation führt.

So bodenständig wie seine Produkte

Das Angenehme: Der Erfolg ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. Hans-Ulrich Kainzinger ist genauso bodenständig geblieben wie die Produkte, die ihn zu einem der deutschen Marktführer für die Sanierung von Böden, Balkonen und Flachdächern machen. Vielleicht liegt das daran, dass er mit seinen Produkten groß geworden ist. „Mit drei Jahren bin ich das erste Mal hier gewesen, mit kurzer Hose und Erbsenpistole, und hab auf die Jungs da unten geschossen.“ Seitdem ist er nicht mehr weggegangen, kam erst in den Sommerferien, dann in den Semesterferien. „Mein Vater hat viel Wert darauf gelegt, dass ich genau weiß, wie hier was läuft.“ Der junge Kainzinger „machte alles, was anstand“, vom Hallenfegen über Laborarbeiten bis zum Staplerfahren. Neben technischem Know-how weihte ihn sein Vater in das Geheimnis des Wirtschaftens ein: „Mein Vater hat mich angemessen bezahlt, aber Wert darauf gelegt, dass ich mir anschließend was kaufte. Das Geld musste sofort wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden. Denn nur das macht wieder hungrig. Und man muss weiterarbeiten.“

Eine Nummer für sich: „Sonderausführungen in kleinen Chargen und jeder gewünschten RAL-Farbe sind unsere Stärke“, sagt Kainzinger. „Das können große Anbieter nicht.“ Den Gestaltungswünschen seiner Kunden sind kaum Grenzen gesetzt.

Eine Nummer für sich: „Sonderausführungen in kleinen Chargen und jeder gewünschten RAL-Farbe sind unsere Stärke“, sagt Kainzinger. „Das können große Anbieter nicht.“ Den Gestaltungswünschen seiner Kunden sind kaum Grenzen gesetzt.

„Die Freibewitterung draußen ist durch nichts zu ersetzen“: Im Werkshof lagern Materialproben bis zu 40 Jahre. „Das ist für die Neuproduktentwicklung zu lange“, sagt Kainzinger. Aber ein guter Beweis für die nachhaltige Qualität von Enke-Produkten.

„Die Freibewitterung draußen ist durch nichts zu ersetzen“: Im Werkshof lagern Materialproben bis zu 40 Jahre. „Das ist für die Neuproduktentwicklung zu lange“, sagt Kainzinger. Aber ein guter Beweis für die nachhaltige Qualität von Enke-Produkten.

Hungrig, aber nicht gefräßig

Dieser Hunger hält bis heute an, ist aber nie maßlos geworden. „Wir machen alles sehr traditionell, arbeiten bevorzugt ohne Bank, mit bewährten, aber bezahlten Maschinen und leben von dem, was wir tatsächlich haben“, sagt der Pragmatiker ohne Fünfjahresplan. Als kleines Familienunternehmen mit 60 Angestellten sei das umso wichtiger: „Wir können Ende des Jahres nicht zu einer Konzernmutter gehen und sagen: Schieb mal ein Milliönchen rüber!“ Statt sich auf den aggressiven Preiskampf großer Anbieter einzulassen, konzentriert sich Enke auf kleine bis mittelgroße Flächen, bietet dafür aber viele individuelle Gestaltungsmöglichkeiten an, abgerundet durch einen roten Extra-Eimer-Service: „Wo andere den Rotstift ansetzen, setzen wir noch einen drauf“, sagt Kainzinger. „Der Trick ist, nicht überzuschnappen und den Verlockungen des Marktes zu widerstehen.“

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„Wenn unsere Böden uns überstehen, überstehen sie alles.“
Hans-Ulrich Kainzinger

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Kein bisschen wasserscheu: Die Enkolit-Else räkelt sich vor dem gleichnamigen Blechkaltkleber, der seit über 50 Jahren zum Aufkleben von Metallprofilen eingesetzt wird, unter anderem für die „Attikaverblechung“ im Düsseldorfer Ständehaus. Enkolit® dämpft die Regengeräusche und hält Feuchtigkeit von unten ab.

Kein bisschen wasserscheu: Die Enkolit-Else räkelt sich vor dem gleichnamigen Blechkaltkleber, der seit über 50 Jahren zum Aufkleben von Metallprofilen eingesetzt wird, unter anderem für die „Attikaverblechung“ im Düsseldorfer Ständehaus. Enkolit® dämpft die Regengeräusche und hält Feuchtigkeit von unten ab.

Auf „Harz“ und Nieren geprüft

Apropos Widerstand: Kainzinger und seine Kollegen kennen gegenüber ihren eigenen Produkten keine Gnade. Sie beschießen, begießen, betreten und befahren sie mit allem, was sie haben, bevor sie sie – gegebenenfalls harzbeschichtet ¬ in die freie Wildbahn entlassen, wo sie viele Jahre allen äußeren Einflüssen standhalten müssen. Damit das gut geht, werden sie im Labor im Zeitraffer durch den künstlichen „Klimawandel“ gejagt: im „Accelerated Weathering Tester“ zum Beispiel mit aggressiven UVB-Strahlen beschossen und intensiv bewässert, um den Strahleneffekt zu verstärken. Ein paar Wochen im Aqua-Solarium entsprechen etwa einem Jahr draußen. Ein weiterer Klimaschrank simuliert Umweltbedingungen von arktischem bis tropischem Klima: Derzeit schwitzen die Materialproben hier bei 40 °C Hitze und 93 % Luftfeuchtigkeit ihrer Marktreife entgegen. „Wenn sie uns überstehen, überstehen sie alles“, kommentiert Kainzinger die Tour de Force. „Wir mussten jedenfalls noch nie ein Produkt vom Markt zurückziehen.“

Den Boden der Zukunft bereiten

So wie Kainzinger seine Produkte bewittert, bewässert er auch den Boden, auf dem der Nachwuchs der Branche gedeihen soll. Dabei verlässt er sich nicht auf die Pflicht von Berufsschulen und Verbänden, sondern lieber auf die Kür im eigenen Betrieb: „Wir legen Wert auf professionelle Verarbeitung, deshalb schulen wir die Handwerker am liebsten selbst.“ Fast jeden Tag ist eine Klasse bei Enke zu Gast. „Wir ziehen von Januar bis April ungefähr 1.000 Leute hier durch. Das geht Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag“, sagt Kainzinger. Und manchmal geht es sogar hoch hinaus: wie im Sommer 2016, als 131 junge Dachdecker, Klempner und Fachhandelskaufleute aus sieben Ländern zum 1. Internationalen Enke Impuls-Camp in Südtirol anreisten. Auf der Agenda standen Disziplinen wie Flachdachabdichten, Tauziehen oder Klettern mit Sicherheitsgeschirr. „Was wir damit erreichen wollen? Dass die jungen Leute begreifen, dass sie verantwortlich sind: für sich selbst, für ihre Arbeitsplätze, für ihre Kollegen. Und dass Höflichkeit kostenlos ist.“ Das nächste Impuls-Camp ist 2018 in Polen geplant. Kostenlos, versteht sich!

Bis dahin konzentriert sich Hans-Ulrich Kainzinger auf das, was er am besten kann: auf dem Boden bleiben. Oder der Terrasse oder dem Flachdach – um sie für viele Jahre vor Regen, Sonne und Verschleiß zu schützen. Solange gutes Handwerk so gewissenhaft betrieben wird wie bei Enke, hat es goldenen Boden. Selbst wenn er grau ist. Oder grün leuchtet.

Weitere „Bodenschätze“ von Enke! www.enke-werk.de

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