GaumenFreude

Mission Bananenbrot: Das zweite Leben einer Banane

Ein Düsseldorfer Start-up macht Bananenbrot aus Wegwerfbananen

Bananenbrot lässt sich vielseitig kombinieren. Je nach Saison auch mit Erdbeeren.

Start-ups gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die erfolgreichen unter ihnen verbinden häufig zwei Ideen. Wie „Be Bananas“ von Lars Peters und Tim Gudelj. Die Düsseldorfer Studenten wollten Bananenbrot verkaufen und stellten fest, dass Wegwerfbananen die perfekte Zutat dafür sind. Jetzt retten sie mit jedem verkauften Brot braune Bananen vor dem Müll.

Morgens um acht Uhr in Düsseldorf. Überall herrscht geschäftiges Treiben. Hektisch laufen Menschen in Anzügen über die Straße. Da ein Blick auf die Uhr, dort ein hastiger Kommentar ins Smartphone. Einige Menschen brechen kurz aus dem Strom aus, schnell noch ein Frühstück mitnehmen, bevor der Arbeitstag beginnt. Aus der Bäckerei Schüren auf der Nordstraße dringt vielversprechender Geruch. Frisch gebackene Brötchen, knuspriges Roggenbrot, appetitlich aussehende Teilchen. Die Frau im Kostüm hält kurz inne, ihr Blick schweift umher. Dann entscheidet sie sich. „Ein Bananenbrot, bitte.“ Bananenbrot?

Eins, zwei oder drei? Wer mit einem Stück Bananenbrot anfängt, kann nur schwer wieder aufhören.

Eins, zwei oder drei? Wer mit einem Stück Bananenbrot anfängt, kann nur schwer wieder aufhören.

Drehen wir die Zeit etwas zurück. Die frischgebackenen Akademiker Lars Peters und Tim Gudelj wollen nach ihrem Bachelorabschluss in BWL ihren Kopf freibekommen. Sie entscheiden sich für einen Work-and-Travel-Aufenthalt in Sydney, Australien. Hier begegnen sie selbst in einem Café zum ersten Mal Bananenbrot. „Aus Düsseldorf kannten wir das nicht, aber in Sydney gab es das an jeder Ecke“, erzählt Peters. Schnell gewöhnten sich die beiden an das etwas andere Brot und wollten nicht mehr darauf verzichten. Da ihr neues Lieblingsgebäck der beiden aber nicht ganz billig war, versuchten sie es in Eigenregie im Ofen ihrer Unterkunft herzustellen. Über die nächsten Wochen beschäftigten sie sich immer mehr mit Bananenbrot. Bald war beiden klar: Daraus wollten sie ein Business machen. Eine Idee, von der sie so begeistert waren, dass sie schließlich ihren Aufenthalt in Australien vorzeitig abbrachen, um Düsseldorf mit einem Start-up für Bananenbrot zu bereichern.

Bananenbrot erobert die Welt

Während ihrer Recherchen hatten die beiden festgestellt, dass Bananenbrot zwar auf der ganzen Welt sehr beliebt ist, aber in Deutschland noch nicht den ihrer Meinung nach gebührenden Durchbruch geschafft hatte. Eigentlich so etwas wie ein kleines Backwunder, immerhin wurde es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals in einem amerikanischen Kochbuch erwähnt. Aber wieso überhaupt Brot aus Bananen? Die Legende will, dass es während der großen Depression in den USA entstand. Dort wollten sparsame Hausfrauen überreife Bananen nicht wegwerfen und sie stattdessen beim Brot backen verwenden. Bananenbrot wurde so zu einer beliebten Ergänzung fürs Frühstück und zu einem begehrten Energielieferanten für Sportler. In Australien ist Bananenbrot mittlerweile so beliebt, dass es mit dem 23. Februar sogar seinen eigenen Feiertag hat. Warum Down Under so auf Bananenbrot steht, weiß übrigens niemand.

Bananenbrot zum Frühstück liegt voll im Trend. Dazu einen frischen Kaffee und der Tag kann starten.

Bananenbrot zum Frühstück liegt voll im Trend. Dazu einen frischen Kaffee und der Tag kann starten.

Im Selbsttest zum perfekten Rezept

Zurück zu den Backmeistern Peters und Gudelj. Statt in einem schickem Büro startet ihr Start-up in der heimischen Küche. Unglaubliche zwei Wochen schlossen sich die beiden jungen Männer ein, um das perfekte Bananenbrotrezept zu finden. Eins stellten sie schnell fest: Das Ergebnis wurde besser, je reifer die Bananen sind. Das Problem: Im Supermarkt finden sich diese reifen Bananen, die dem Brot den typischen, süßlich-bananigen Geschmack verleihen, eben nicht. Sie forschten nach und fanden die Antwort. Die Bananen, die zum Backen perfekt sind, werden bereits im Großhandel aussortiert und weggeworfen. Denn keiner möchte Bananen einkaufen, die nicht makellos sind. Daher kaufen Supermärkte nur Bananen in Topzustand. Weil die Kunden es eben so wollen. Unglaublich, fanden Peters und Gudelj. Und so entstand die zweite Säule des neuen Start-ups mit dem Namen „Be Bananas“: Im Bananenbrot sollten nur Bananen landen, die sonst weggeworfen würden. So bekamen Wegwerfbananen eine zweite Chance und „Be Bananas“ setzte ein Zeichen für Nachhaltigkeit. Ein weiterer Vorteil: Die „unschönen“ Bananen kosten weniger als ihre ästhetisch einwandfreien Kollegen. Mit den richtigen Produkten ausgestattet, dauerte es nicht mehr lange, bis sie das überzeugende Rezept fanden. Jetzt brauchte „Be Bananas“ nur noch eine Bäckerei als Partner, die das Produkt herstellen konnte.

Bäckerei Schüren backt Bananenbrot

Zum Glück war ihr Wunschkandidat, Roland Schüren, genauso begeistert von ihrer Geschäftsidee wie sie selbst. Denn der Familienbetrieb aus Hilden legte schon immer großen Wert auf Nachhaltigkeit. Gemeinsam begab man sich an die Herstellung eines Prototyps unter Berücksichtigung des bereits gefundenen Rezeptes. Für Lars Peters war es eine große Überraschung, als auch die Profibäcker nach einigen Versuchen schließlich zum Rezept der beiden Backanfänger zurückkehrten. „Das waren schließlich Profis. Und wir hatten vorher noch nie gebacken.“ Seitdem sind „Be Bananas“ und die Bäckerei Schüren ein Team, das gemeinsam verkostet und über neue Sorten nachdenkt. Und das nach einer Entwicklungszeit von nur drei bis vier Monaten.

Zitat Anfang

Innerhalb von drei bis vier Monaten hatten wir unseren Prototyp und konnten starten.
Lars Peters, Be Bananas

Zitat Ende

Wenn man die Entwicklungszeit anderer Unternehmen bedenkt – eine Rekordzeit. Die echte Arbeit begann dann erst mit dem Start. Ein Onlineshop wurde aufgesetzt, immer mehr Cafés beliefert. Fertige Brote mussten abgeholt, verpackt und versandt werden. Gleichzeitig wartete der Rohstoffnachschub in Form von Wegwerfbananen beim Großhandel auf Abholung. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand und eine echte Herausforderung neben Masterstudium und Nebenjob.

Neben der Produktion lief die Optimierung weiter. Während beim ersten Bananenbrot noch Eier in den Teig wanderten, sind heute alle Sorten vegan. Und alle bedeutet zwölf. Manche so naheliegend wie Apfel-Zimt, andere ungewöhnlicher wie Johannisbeere-Mandel. „Die Sorten entwickeln wir zusammen mit Roland Schüren. Aber Grundlage ist immer unser Ausgangsrezept für Bananenbrot“, erklärt Peters. Dabei gab es natürlich auch Rückschläge. Das Bananenbrot Karamell ließ sich zum Beispiel nicht umsetzen, da sich der Karamell mit dem Teig nicht gut vertrug. Mit Abschluss des Masters verließ Gudelj das Unternehmen. Dafür hat Peters mit Sven Eul und Uwe Platen tatkräftige Unterstützung in den Bereichen Kommunikationsdesign und Logistik bekommen. Und der Erfolg ist der beste Beweis für eine Idee, die in Australien ihren Anfang nahm. Das Be Bananas Bananenbrot findet sich mittlerweile in vielen Auslagen von Düsseldorfer und Kölner Cafés und Bäckereien. Aber auch im weiteren Umland wie Aachen, Duisburg und Ratingen wird es verkauft. Und natürlich können Privatpersonen direkt bestellen. Die Kooperation mit Be Bananas ist auch für das Café Greentrees ein Glücksgriff. Denn die haben sich nicht nur auf Frühstück mit vielen Säften und tollen Müslis spezialisiert. Da ihr Konzept dem australischen Vorbild folgt, darf in ihren Filialen auf der Münster- und der Lorettostraße natürlich Bananenbrot nicht fehlen. Und was wäre da besser als das nachhaltige Bananenbrot der Düsseldorfer Kollegen?

Im Greentrees wird das Bananenbrot verkauft. Und ist meist schneller weg, als man „Be Bananas“ sagen kann.

Im Greentrees wird das Bananenbrot verkauft. Und ist meist schneller weg, als man „Be Bananas“ sagen kann.

Neue Ideen retten Obst

Mittlerweile steht „Be Bananas“ nicht nur auf festen finanziellen Füßen, sondern es werden auch viele Bananen einem zweiten Leben zugeführt. Und damit ist jetzt auch Raum für neue Ideen im Kopf von Peters und seinem Team. Denn natürlich sind es nicht nur Bananen, die im Müll landen. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Genießbare Lebensmittel.

Zitat Anfang

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Die Hallen voller Müll, der noch nutzbar ist, entsetzt jeden, der das sieht.
Lars Peters, Be Bananas

Zitat Ende

Das ist mehr als eine Lkw-Ladung, die pro Minute entsorgt wird. Dazu gehören auch Lebensmittel wie Mangos, Avocado oder Kiwis, die vorher erst einen langen Weg zu uns zurückgelegt haben. Nachhaltig ist das nicht. Daher ist es gut, wenn Unternehmer darüber nachdenken, wie sich gerade solche Lebensmittel nutzen lassen. Aber nicht nur für Unternehmer gibt es da Ideen. Auch Privatpersonen können Lebensmittel leicht vor dem Wegwerfen bewahren und ihnen noch eine zweite Chance geben.

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Im Müll landen Lebensmitte nicht nur, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht wurde und sie damit vermeintlich schlagartig ungenießbar werden. Allein zwei Millionen Tonnen landen dort, weil sie unseren ästhetischen Ansprüchen nicht genügen. Mit ein paar einfachen Tipps kann jeder ganz leicht etwas zur Lebensmittelrettung beitragen:

  • Obst und Gemüse nicht nach Aussehen kaufen, sondern beispielsweise nach Geruch. Das verrät viel mehr über das Aroma.
  • Nur das kaufen, was man wirklich braucht. Auch wenn das hungrig im Supermarkt nicht einfach ist.
  • Apps nutzen, die Foodsharing anbieten oder zeigen, wo man Lebensmittel abholen kann, die sonst weggeworfen werden.

Und wenn „Be Bananas“ eines zeigt, dann das: Nachhaltig essen kann unheimlich lecker sein. Zum Beispiel, wenn man aus unschönen Bananen Bananenbrot macht.

Regional und saisonal

Statt Avocados und Mangos kann auch regionales Obst im Einkaufswagen landen. Das ist häufig ein erster Schritt gegen Lebensmittelverschwendung. Lesen Sie mehr darüber in unserem Artikel „ Es muss nicht immer Kaviar sein “.