WohnKultur

Alles auf null

Mit Umzügen das Konto entrümpeln

Umzüge ziehen Kosten nach sich. Doch mit den richtigen Tipps und Tricks könne sie auch für ein Plus auf dem Konto sorgen.

Umzüge kosten. Leider. Und zwar Geld und Nerven. Das können wir nicht ändern. Doch wir können Ihnen zeigen, wie Sie beide Ressourcen schonen und für Schöneres verwenden. Denn wer die (Neben-)Effekte eines Umzugs geschickt nutzt, der kann sogar für ein Plus auf seinem Konto sorgen. Neuer Schwung also fürs Wohnambiente und für die Finanzen noch dazu.

Da sitzt Eva nun zwischen den gefühlt 150 Kisten und weiß nicht, wo sie anfangen soll. Die tatkräftigen Helfer des Umzugsunternehmens haben gerade die Tür ihrer neuen Wohnung hinter sich zugezogen: „Wenn dann nix mehr ist, sind wir jetzt wech. Alles Jute Ihnen!“ Die stuckverzierten, hohen Decken lassen diese leicht bitteren Worte nachhallen. Eigentlich hatte sich Eva auf den Neuanfang in der ihr noch unbekannten Stadt gefreut. „Jetzt aber!“, versucht sie sich selbst zu motivieren. Gesagt, getan. Dazwischen noch 'nen Chai Latte eingeschoben. Beim Chai – zum Glück hat sie die Kiste mit der Teekapselmaschine, die ihr die Kollegen zum Abschied geschenkt hatten, unübersehbar markiert – beschließt sie, ihre persönliche Notfall-Hotline anzurufen. In den unglaublichsten Fällen findet ihr Sandkastenfreund Markus die richtigen Worte: „Jetzt stell Dich nicht so an. Wenn gar nichts mehr geht, dann denk einfach dran, dass du bei der nächsten Steuererklärung einen Teil der leidigen Umzugskosten geltend machen kannst.“ Das überzeugt Eva in diesem Moment eher mittelmäßig. Aber vor dem Umzug hatte Markus ihr mit wirklich hilfreichen Tipps zur Seite gestanden: „Hier, bestell dir das Paket schon mal. Und wenn du vorhast, selbst zu renovieren: Zehn Prozent Rabatt beim Baumarkt gibt´s auch noch.“

Kosten für Umzugsunternehmen lassen sich sogar bei einem privat veranlassten Umzug steuerlich geltend machen.
Kosten für Umzugsunternehmen lassen sich sogar bei einem privat veranlassten Umzug steuerlich geltend machen.

Umzüge boomen in Deutschland

Laut Umzugsstatistik sind im Jahre 2016 mehr als elf Millionen Bundesbürger umgezogen. Spitzenreiter unter den Privatumzügen sind Einpersonenhaushalte. Und die Umzugsbereitschaft nimmt in Deutschland rasant zu. Die Gründe für Umzüge sind so unterschiedlich wie die Menschen, aber auch hierzu gibt es selbstverständlich Zahlen, Daten, Fakten: Eine in 2016 durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt, dass mit 33 Prozent der häufigste Grund für einen Umzug darin lag, mit dem Partner zusammen zuziehen. 21 Prozent der Befragten wechselten aus beruflichen Gründen ihre Wohnung.

Was auch immer der Grund ist: Die Planung, Organisation und Umsetzung eines Umzugs ist allen Wohnungswechseln gemein; es beginnt mit der Entscheidung, geht über in die Suche der neuen Bleibe, gefolgt von dem mehr oder weniger gut organisierten Tag X und endet (hoffentlich) im irgendwann wieder trauten neuen Heim.

Eva erinnert sich über ihrem dritten Chai Latte – inzwischen hatte sie auch in einem der Kartons die passenden Cookies gefunden – wie Markus auf die Neuigkeiten reagiert hat: „Ein neuer Job in Düsseldorf? Großartig – endlich wieder vereint. Warte, ich schick´ dir gleich noch 'nen Link, der hat mir auch beim Umzug an den Rhein geholfen.“ Und schon war Eva auch organisatorisch bestens gewappnet für alles, was man über Umzugsvorbereitungen wissen muss.
Die Wohnung gekündigt hatte sie schon, aber: Wie gut, dass sie da reingeschaut hatte, denn natürlich hatte Eva über all dem Umzugsstress die Bestellung der Möbel nach hinten gerückt. Ein Bett ab der 1. Nacht in der neuen Wohnung wäre ja ganz praktisch.

Entrümpeln tut gut

Psychologisch gesehen birgt ein Umzug eine eigenartige Ambivalenz. Egal, welcher Grund hinter dem Umzug steckt: Einerseits ist es ein Abschied von Altbekanntem. Nicht nur das Zuhause, auch Familie, Kollegen, Fitnessstudio, Gewohnheiten werden zurückgelassen. Andererseits ist der Umzug ein Neuanfang. Und wer sich von dem Umzugsstress nicht unterkriegen lässt, kann diese Energie des Neuanfangs in vielerlei Hinsicht für sich nutzen. Eine Chance auf Entrümpelung von allem, was man schon so lange loswerden, regeln, optimieren wollte. Der Keller zum Beispiel: Wie selbstverständlich zieht niemand den vollgerümpelten Keller mit um, sondern bestellt den Sperrmüll. In Düsseldorf beispielsweise bei der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung und sogar kostenlos. Warum also nicht gleich diesen Schwung auch für die Optimierung aller laufenden Kosten nutzen? Das gilt natürlich nicht nur für Umziehende. Die Überprüfung aller laufenden Kosten empfiehlt sich generell einmal jährlich, um immer optimal zu den besten Konditionen versorgt zu sein. Wie eine überarbeitete Neuauflage des eigenen Lebens. Ein (virtueller) Fragenkatalog bringt da schnell Klarheit:

  • Gehe ich wirklich regelmäßig ins Fitnessstudio? Oder: Sollte ich mal den Fitnesstarif überprüfen?
  • Wie viele Film- und Musik-Streaming-Dienste habe ich gebucht?
  • Muss es immer noch die KFZ-Vollkaskoversicherung sein oder ergibt beim gegenwärtigen Restwert meines Autos Teilkasko mehr Sinn?
  • Hat meine Bank immer noch die besten Konditionen oder wollte ich nicht eh schon seit Jahren wechseln?
  • Was habe ich alles versichert? Ist das noch aktuell?

Selbstverständlich bringen derlei Fragen auch bei Wasser- und Energieversorgung sprichwörtlich Licht ins Dunkel. Hier hält der städtische Energieversorger online zahlreiche Angebote bereit, mit denen sich die eigenen Tarife überprüfen lassen. Zu unterscheiden ist in jedem Fall grundsätzlich zwischen einem Anbieterwechsel und einer möglichen Tarif-Optimierung beim selben Anbieter, die häufig unterschätzt wird.

Wie selbstverständlich entrümpelt spätestens beim Umzug jeder seinen Keller. Warum bei der Gelegenheit nicht gleich das Konto mit aufräumen?
Wie selbstverständlich entrümpelt spätestens beim Umzug jeder seinen Keller. Warum bei der Gelegenheit nicht gleich das Konto mit aufräumen?

„Guck dir mal die Stromtarife bei den Stadtwerken Düsseldorf an“, hatte Markus Eva geraten. „Die bieten gleich fünf verschiedene Stromtarife an. Schau mal in den Preisrechner.
Und schon war der erste Schritt in Richtung Optimierung getan. Eva hatte die Wahl zwischen Düsselstrom Direkt, Öko, Klassik, Garant und Premium und hat sich für Öko, also Strom aus 100 Prozent Wasserkraft, entschieden. Ihr ist nicht nur die Stromerzeugung wichtig, in ihren Augen ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr fair. Da es sich in Evas Fall um einen Anbieterwechsel gehandelt hat, konnte sie darüber hinaus bequem den Service der Stadtwerke Düsseldorf für einen Anbieterwechsel nutzen.

Beim Erdgastarif verhielt es sich ähnlich: Eingabe der Postleitzahl, Wohnungsgröße sowie des geschätzten Gasverbrauchs und schon konnte Eva zwischen vier Tarifen wählen (Düsselgas Direkt, Klassik, Garant und Öko). Und wo sie gerade schon auf den Optimierungszug aufgesprungen war, hat sie sich auch gleich mal die Wassertarife angeschaut. „Eine Kostenoptimierung ist deutlich einfacher, als ich dachte.“ Evas Schwung entwickelte ungeahnte Kräfte. Die wirkten sich nicht nur auf ihr Konto aus. Sie bekam dieses gute Gefühl von längst fälliger Bereinigung. Wie beim Frühjahrsputz: Irgendwie geht’s auch ohne, aber was für ungeahnte Energien plötzlich freigesetzt werden, wenn alles in neuem Glanz erstrahlt!

Die Kosten für einen Umzug werden häufig unterschätzt

Wie willkommen eine Kostenoptimierung gerade im Kontext eines Umzugs ist, weiß man aus eigener leidvoller Erfahrung: Studien belegen, dass Umzüge meist deutlich teurer sind, als vorab angenommen. Deshalb sollte eine Kostenoptimierung nicht mit dem Tarifcheck enden. Unter bestimmten Voraussetzungen können Teile der Umzugskosten sogar bei Vater Staat geltend gemacht werden. Grundsätzlich ist dabei zu unterscheiden, ob der Umzug berufliche Hintergründe hat oder privat motiviert ist. Ob der Gesetzgeber von Umzugskostenpauschalen spricht oder ob für Sie persönlich die Geltendmachung von Umzugskosten als Werbungskosten infrage kommen – im Folgenden haben wir Ihnen die wichtigsten Tipps als erste Idee zusammengestellt.

Hilfreiche Spartipps kann man nie genug bekommen, vor allem bei kostenintensiven Unternehmungen wie einem Wohnungswechsel.
Hilfreiche Spartipps kann man nie genug bekommen, vor allem bei kostenintensiven Unternehmungen wie einem Wohnungswechsel.

Top Six der Umzugssteuertipps

1. Ist der Umzug beruflich bedingt, können Umzugskosten als Werbungskosten bei den Einnahmen aus nicht selbstständiger Arbeit abgezogen oder steuerfrei vom Arbeitgeber erstattet werden.

2. Dieser Hinweis dürfte die meisten überraschen: Wenn Ihr Umzug Ihren Arbeitsweg täglich um mindestens eine Stunde verkürzt (ausschlaggebend ist die Fahrzeit, nicht die Entfernung) findet Ihr Umzug vor dem Gesetz aus beruflichen Gründen statt. Darüber hinaus fällte das Kölner Finanzgericht im vergangenen Jahr ein sogar unter Fachleuten als kurios geltendes Urteil: Umzugskosten können auch als Werbungskosten geltend gemacht werden, wenn der Arbeitsplatz nach dem Umzug zu Fuß erreicht werden kann und keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzt werden müssen.

3. Ziehen Sie (oder ihr flügge gewordener Nachwuchs) um, um Ihre erste Stelle – beispielsweise nach dem Studium – anzunehmen, lassen sich die Umzugskosten ebenfalls absetzen.

4. Bei einem Umzug aus gesundheitlichen Gründen ist eine Berücksichtigung der Umzugskosten als außergewöhnliche Belastung möglich, wenn ein vorab erstelltes ärztliches Attest den Umstand belegt.

5. Die Finanzverwaltung hat sich darauf verständigt, dass die Kosten für Umzugsspeditionen den begünstigten haushaltsnahen Dienstleistungen zugeordnet und somit steuerlich geltend gemacht werden können. Auch beim privat veranlassten Wohnungswechsel.

6. Ist bei einem berufsbedingten Umzug das bisherige Mietverhältnis nicht sofort kündbar oder kann die eigene Immobilie nicht sofort verkauft werden, erkennt das Finanzamt bis zu maximal einem Jahr den Mietwert der Wohnung als Umzugskosten an.

Während Eva nun doch endlich eine Kiste nach der anderen leert, meldet sich Markus per WhatsApp: „Schau da mal rein. Julius Fischer geht´s wie dir gerade. Der hat dazu 'nen richtig guten Poetry Slam. Der ist übrigens am 2. Dezember 2017 in Düsseldorf. Gehste mit mir hin? Dafür helf´ ich dir dann bei der Steuer. Bussi!“